Wiener empört: Petition für Herzerlbaum am Christkindlmarkt

Entäuschte Wiener haben eine Petition ins Leben gerufen, um den Herzerlbaum am Christkindlmarkt zurückzuholen. Grund für seine Abschaffung war ein Rechtsstreit.

Der Wiener Christkindlmarkt am Rathausplatz heißt heuer nicht nur anders, es hat sich auch einiges in der Dekoration und Konzeption geändert: Wie die WIENERIN schon berichtet hat, gibt es keine Christkindlwerkstatt mehr, keine Engel und keinen Herzerlbaum. Der ganze Markt musste nach 30 Jahren umbenannt werden und heißt nun statt "Adventzauber" "Weihnachtstraum". Diese Änderungen rufen in vielen Wienern und Wienerinnen emotionale Reaktionen hervor, viele wollen sich nicht von dem altbekannten Herzerlbaum verabschieden. Es wurde sogar schon eine Petition ins Leben gerufen.

Bevölkerung wehrt sich mit Petition

Mit heute geht die Seite www.rettetdenherzerlbaum.at online und hat auch schon einige prominente Unterstützer. Julya Rabinowich beispielsweise schreibt: "Weihnachten ist Keinachten ohne meinem Herzerlbaum! Jetzt habe ich immer noch niemanden unter dem Herzerlbaum geküsst und nun ist die Chance sonst auf ewig dahin!" Der Tageszeitung "Die Presse" hat die Petitionsinitiatorin Petra Augustyn ihre Motivation erklärt: "Alles wird digitaler und lebloser. Der Baum ist ein Symbol für sozialen Zusammenhalt und Nächstenliebe – und zwar im echten Leben. Wir brauchen das in der aktuellen Welt mehr denn je."

Änderungen liegt Rechtsstreit zu Grunde

Die Änderungen des Christkindlmarktes am Rathausplatz liegen allerdings nicht am Unwillen der Stadt Wien, sondern der Sache liegt ein Rechtsstreit zu Grunde. Vor 30 Jahren entwickelte die Firma Kreitner und Partner das Konzept des "Adventzaubers". Die Firma schloss einen Vertrag mit der Stadt ab und gestaltete seit dem den Christkindlmarkt. Diesen Sommer entschied die Stadt, den Auftrag von rund 1,5 Millionen Euro nicht mehr extern vergeben zu wollen.

Privatfirma hat Urheberrecht auf Adventzauber und Herzerlbaum

Die Wirtschaftsagentur, die für die Abwicklung zuständig ist, beauftragte nun die Stadt Wien Marketing GmbH mit dem Auftrag. Roman Kreitner sieht darin eine Verletzung des Vergaberechts und hat beim Verwaltungsgericht geklagt. Laut dem Bericht der "Presse", sieht die Stadt darin keinen Verstoß: "Aus unserer Sicht ist die Vergabe an eines unserer Unternehmen rechtlich in jedem Fall gedeckt und passiert auf diese Art und Weise vielfach. Es ist Standard. "

Stadt versteht Entäuschung

Die Stadt versteht allerdings die Entäuschung der Christkindlmarkt-Beuscher: "Wir hätten den Baum gern weiter behalten, konnten uns mit Herrn Kreitner aber nicht einigen, was die Rechte betrifft." Das neue Aussehen und die Veränderung hätte man also nur herbeigeführt, weil man eine Urheberrechtsverletzung vermeiden wollte. Die Herzerldekoration selbst gehöre übrigens nicht Kreitner & Partner, sondern der Wirtschaftsagentur selbst, die sie jetzt allerdings nicht verwenden darf.

Petitionsinitiatorin kämpft für Herzerlbaum

Die Initiatiorin der Petition Augustyn will nicht aufgeben und mit der Stadt verhandeln. Sie kann sich vorstellen, dass Geschäftsleute den Baum gemeinsam kaufen und dann wieder mit Herzen schmücken. Solle es sonst keinen Weg geben, will sie den Baum mit Augmented Reality wieder mit Herzen beschmücken. Das wäre eine App-Lösung: Wer dann den Rathausplatz per Handykamera betrachtet, kann trotzdem den Herzerlbaum dort stehen sehen.

Aktuell