Wien-Wahl: Männer hätten Strache in den Landtag gewählt, Frauen nicht

Die Wien-Wahl ist geschlagen (so gut wie – die Briefwahlstimmen fehlen noch), die SPÖ um Bürgermeister Michael Ludwig geht als klare Siegerpartei hervor. Analysen zeigen: Tendenziell sind es vor allem Männer, die rechte Parteien wählen.

Frau bei der Wahl

Ein ungewöhnlicher Wahlkampf ist beendet, die SPÖ um Bürgermeister Michael Ludwig mit rund 43 Prozent wie erwartet stimmenstärkste Partei. Während die FPÖ herbe Verluste verzeichnen musste, konnte die ÖVP stark zulegen. Wie so oft zeichnen sich auch bei dieser Wahl deutliche Unterschiede im Wahlverhalten zwischen Frauen und Männern ab.

Mehrheit der Grün-Wähler*innen weiblich, männlicher Überhang bei FPÖ-Wählerschaft

Die Meinungsforschungsinstitute Isa und Sora befragten im Auftrag des ORF wenige Tage vor der Wahl ca. 2.000 Wiener Wahlberechtige zu ihren Wahlmotiven und Lebensumständen. Daraus lässt sich ermitteln, welche Rolle Spitzenkandidat*innen, spezielle Themen wie etwa der Umgang mit der Corona-Pandemie oder Koalitionsvorlieben bei der Stimmabgabe spielen. Auch demografische Unterschiede lassen sich auf diese Weise ablesen.

Was die Differenzen zwischen Frauen und Männern betrifft, zeigt sich, dass Frauen tendenziell eher linke Parteien wählen, Männer eher rechte. Besonders deutlich wird das bei Betrachtung der Wählerstimmen von FPÖ und Grünen: Während 17 Prozent der Frauen ihr Kreuzerl bei den Grünen machten, waren es von den Männern nur 12 Prozent. Dafür gaben 11 Prozent der männlichen Wählerschaft ihre Stimme der FPÖ, von den Frauen hingegen nur 5 Prozent.

Männer hätten Strache in den Landtag gewählt, FPÖ ist große Verliererpartei

Besonders interessant: Heinz-Christian Strache, der bei der heurigen Wahl erstmals mit eigener Liste angetreten ist, hätte den Einzug in den Landtag geschafft – wäre es ausschließlich nach den Männern gegangen. Die schenkten dem Team HC immerhin 6 Prozent, bei den Frauen waren es gerade einmal 2 Prozent.

Die Verliererpartei der Wien-Wahl ist eindeutig die FPÖ: 2015 kam die Partei in Wien noch auf rund 30 Prozent der Stimmen, heuer dürften es laut ersten Hochrechnungen wohl nicht einmal 8 Prozent werden. Am meisten profitierte davon die ÖVP, welche rund 43.000 Stimmen ehemaliger FPÖ-Wähler*innen generieren konnte. Der größte Teil der Personen, die 2015 noch die FPÖ wählten, entschied sich heuer allerdings gar nicht zur Wahl zu gehen und wurde zu Nicht-Wähler*innen (ca. 101.000 Personen).

In Ottakringer Polizeisiedlung FPÖ am stärksten

Eine spezielle Ausnahme zeigt sich im Wahlsprengel 44: Es ist der einzige Sprengel, in dem die FPÖ stimmenstärkste Partei ist. Besagter Sprengel umfasst nur ein einziges Gebäude mit drei Innenhöfen – es handelt sich um eine Polizeisiedlung, wie Journalist Michael Bonvalot auf Twitter schreibt. Ganze 65 Prozent der Bewohner*innen, hauptsächlich Polizist*innen und deren Familien, machten ihr Kreuz damals bei den Freiheitlichen.

Zwar sind es heuer "nur" mehr 30 Prozent, dennoch ist der Überhang an Rechts-Wähler*innen auffallend. Der Sprengel ist ebenfalls der Ort mit den wenigsten Grün-Stimmen. Sie erhielten gerade einmal 1,82 Prozent. Die Bierpartei hingegen konnte stolze 7,27 Prozent erreichen, HC Strache kam bislang auf 5,45 Prozent.

 

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