Wien als LGBTIQ-Reiseparadies: Wenn es pinke Geldscheine regnet

Bei den Australian LGBTI Awards wurde Wien im Vorjahr zur "Destination of the Year" gekürt, und gaytravel.com listet Wien in seinem Ratgeber als beste internationale Destination. Woher kommt die Liebe der Community für Wien -und was hat die Stadt davon? Wir haben mit WienTourismus über den Boom bei LGBTIQ-Reisen gesprochen.

Wenn in wenigen Tagen die Europride in Wien über die Bühne geht, sehen TouristikerInnen vor allem eines: einen Regen aus pinken Geldscheinen. Denn der Pride-Month zeigt Wien nicht nur von seiner weltoffenen und toleranten Seite, sondern bringt der Stadt auch ordentlich Geld ein.

Rund eine Million BesucherInnnen aus Wien, dem In- und Ausland werden während anlässlich der Europride (1.-16. Juni) in Wien erwartet. Das lässt nicht nur die Nächtigungszahlen steigen (die Welttourismusorganisation schätzte 2016, dass rund fünf bis zehn Prozent aller TouristInnen weltweit LGBT-Reisende sind), sondern dürfte sich auch auf wirtschaftlicher Ebene zeigen. Zum Vergleich: Bei der Worldpride in Madrid gaben die rund 2,3 Mio. BesucherInnen während der Veranstaltung etwa 115 Mio. Euro aus.

Jung, kaufkräftig, gebildet und queer

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum Städte als Austragungsort um die Pride buhlen. Abgesehen von dem toleranten und weltoffenen Image, das mit solchen Events einhergeht, kommt damit auch eine attraktive Zielgruppe ins Land: Denn LGBT-Reisende heben sich demographisch deutlich von dem Wiener Durchschnittsreisenden ab, wie eine Umfrage des WienTourismus unter rund 800 städtetourismusaffinen Schwulen und Lesben 2013 zeigte:

Mit durchschnittlich 34 Jahren sind Reisende aus der LGBTIQ-Community vergleichsweise jung und mit einer Hochschulabschlussquote von 50 Prozent überdurchschnittlich gebildet. Als TouristInnen besonders attraktiv macht sie vor allem ihre Finanzkraft: So liegt das durchschnittliche Netto-Einkommen rund 20 Prozent über jenem des Wiener Durchschnittsgastes, außerdem fallen rund die Hälfte (47,4%) der BesucherInnen in die No-Kids/Double-Income Kategorie - sie haben also mehr Geld auszugeben.

Was macht Wien so attraktiv?

"In den letzten Jahren ist die österreichische Hauptstadt zum zentraleuropäischen Hotspot der Schwulen- und Lesbencommunity geworden", schreibt die Welttourismusorganisation WTO in ihrem zweiten jährlichen Report zu LGBT-Reisen 2017, die Wien darin sogar als "Best Practice"-Destination anführt. Tatsächlich rangiert Wien derzeit sogar auf Platz 4 des Gay Travel Index und zählt somit zu den sichersten und attraktivsten Reisezielen der Community (zum Vergleich: Deutschland rutschte in dem aktuellen Ranking auf Platz 23 ab). Und auch sonst kann die Stadt sich vor Auszeichnungen in dem Segment der LGBT-Reisen kaum retten, so scheint es: Gaytravel.com kürte Wien zur "Best international Destination 2017", 2018 gewann Wien den Australian LGBTI-Award in der Kategorie "Destination of the year" und setzte sich dabei gegen New York City, Kanada, Thailand und Las Vegas durch.

Die guten Platzierungen dürften nicht von ungefähr kommen: Abgesehen davon, dass Wien sowieso als eine der sichersten, lebenswertesten und historisch-spannendsten Städte der Welt gilt, bemüht man sich schon seit einigen Jahren zunehmends in Sachen LGBT-Tourismus. Laut Auskunft von WienTourismus ist man bereits seit 1997 Mitglied der IGLTA (International Gay & Lesbian Travel Association) und somit seit über 20 Jahren in diesem Segment engagiert.

Mit Image-Videos, Werbekampagnen und Marketing-Aktionen spricht man die Zielgruppe bewusst an (siehe Video "Guide für Schwule und Lesben in Wien"). Da kommt der Stadt natürlich entgegen, dass man als historisch-gewachsene Metropole auch in Sache Queer-History einiges zu bieten hat. Die Kaiserbründl-Sauna zum Beispiel ist schon seit 150 Jahren "geheimer" Treffpunkt berühmter schwuler Männer. Schon der schwule Bruder Franz-Josefs, Ludwig Viktor, besser bekannt als "Luziwuzi", hat hier schon gebadet.

Veranstaltungen wie die "Vienna Pride", die Regenbogenparade, der Regenbogenball, der "Vienna Fetish Spring" und "Wien in Schwarz" und - nicht zu vergessen - der Life-Ball locken nationales wie internationales Publikum nach Wien. Die kürzlich beschlossene "Ehe für alle" hat ebenfalls Auswirkungen: für das Heiraten in Wien stehen Museen (z.B. die Albertina, Kunst Haus) oder die ehemalige Kaiserresidenz Hofburg zu Verfügung.

Wien ist stolz auf seine Weltoffenheit

Nicht zuletzt hat auch die Stadt selbst etwas von diesen Bemühungen. Die WienerInnen tragen ihre Weltoffenheit gerne nach außen. Besonders im Pride-Monat Juni ist das in der ganzen Stadt sichtbar. Die Wiener Linien werben mit Toleranz-Plakaten und fahren unter der Regenbogenflagge, die Ampelpärchen prägen seit dem Song-Contest dauerhaft das Stadtbild, der Rathauspark verwandelte sich kürzlich in ein buntes Blumenmeer und vor dem Burgtheater wurde der Zebrastreifen kürzlich in bunte Farben getaucht. Das hat Außenwirkung, stärkt das Miteinander und zeigt: mit Homophobie brauchst du in dieser Stadt gar nicht erst anfangen.

Kritik

Die kommerzielle Vereinnahmung der Pride-Veranstaltungen wird freilich nicht nur eingeschränkt positiv betrachtet. So kritisieren queere Gelehrte schon länger den Umstand, dass es bei der Pride immer weniger um das eigentliche Thema der Veranstaltung geht: mit Stolz seine eigene sexuelle Identität zu feiern und das ohne Angst vor Verurteilung, Verfolgung oder Stigmatisierung. Die Pride ist ein Fest für alle und sollte ins Gedächtnis rufen, dass dieses offene Ausleben seiner*ihrer sexuellen Identität ohne Verurteilung eben noch keine Selbstverständlichkeit ist. Weder in Wien, noch in Österreich und schon gar nicht auf der ganzen Welt.

In Wien, in dem diese Toleranz, im Gegensatz zu anderen Ländern, schon weit vorangeschritten ist, mögen diese Aspekte der Pride manchmal in den Hintergrund rücken - gerade deswegen sollte man sie nicht für selbstverständlich nehmen.

Die EuroPride-Highlights

  • 7. Juni: Regenbogenführung: Geschichte der Homosexualität @ Universität Wien
  • 8. Juni: Life Ball: United in Diversity:Im Wiener Rathaus
  • 9. Juni: Europride Beach Day: Brunch, Yoga, DJ @Herman Strandbar
  • 14. Juni: EuroPride Run Vienna Motto „Run for Acceptance”
  • Juni: Europride Movie Night: 18-23 Uhr, zwei Filme im Gartenbaukino. Mehr Infos hier.
  • Juni: EuroPride-Konferenz Business: Rolle der LGBTIQ-Community für und in Unternehmen
  • Juni: Diverse Queer-Führungen im KHMeuropride.khm.at
  • weitere Veranstaltungstipps im Pridemonth auf gayinvienna.com
 

Aktuell