Wie zuviel Lärm im Alltag uns schadet

Es ist laut um uns herum. Fast immer. Verkehr, Handy, Waschmaschine - da würde man manchmal gerne die Ohren zumachen und weghören. Aber warum ist Lärm eigentlich so belastend und was können wir für eine leisere Welt tun?

Lärm fühlt sich nicht gut an. Für niemanden von uns, wie auch aktuelle Statistiken zeigen: In Österreich empfindet zum Beispiel jeder Vierte Verkehrslärm als Beeinträchtigung, 55 Prozent aller Nachbarschaftsstreits drehen sich um Verkehr, Handy, Waschmaschine - da würde man manchmal schon gerne die Ohren zumachen und weghören. Geht nur leider nicht. Aber warum ist Lärm eigentlich so belastend und was können wir für eine leisere Welt tun. In Umfragen gaben hunderttausende Menschen an, sich durch Baustellen oder benachbarte Lokale belästigt zu fühlen. Die Wut, die man dabei dann empfinden und die bis zu einer Schlägerei führen kann, ist nicht die einzige negative Folge von Lärm. "Nach Luftverschmutzung stellt Lärm das zweitgrößte Gesundheitsrisiko dar", sagt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter.

Lärm wirkt sich auf Körper und Geist schädlich aus

Neben direkten Hörschäden wirkt sich Lärm auch auf andere Arten auf unseren Organismus aus: Ein höherer Blutdruck, ein Ansteigen des Blutzuckerspiegels, ein höheres Herzinfarktrisiko, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisprobleme und vieles mehr können die Folgen sein.

Lärm wird als störend empfunden und gilt daher als unerwünscht. Aber das hat nicht unbedingt etwas mit der Lautstärke, Frequenz oder Dauer des Schalls zu tun, erklärt Hutter: "Nur ein Drittel des Lärmempfindens ist auf physikalische Faktoren zurückzuführen." Andere Dinge spielen eine viel größere Rolle: etwa, wie die Situation ist, in der man von Krach umgeben ist. Am Sonntagvormittag beim Kaffee nervt der Staubsaugerlärm vom Nachbarn einfach mehr. Die Frage ist auch: Kann man auf die Lärmquelle einwirken oder nicht und wäre der Radau eigentlich vermeidbar? Ist das so, ärgern Sie sich wahrscheinlich umso mehr über die Rücksichtslosigkeit der anderen.

Wer das weiß, kann versuchen, an seiner Einstellung zum Lärm ein bisschen zu schrauben, um ihn nicht als ganz so belasten zu empfinden - also sich nicht zusätzlich auf die Lärmquelle konzentrieren, sondern abschalten. Sich bewusst machen, dass der Lärm vermutlich zeitlich begrenzt sein wird, sich ablenken, um mehr Ruhe bitten oder im Notfall auf Ohrenstöpsel zurückgreifen, lauten die Optionen.

Kleine Tricks für mehr Stille im Alltag

Und noch ein paar kleine Tricks können helfen, sich mehr Ruhe zu schaffen. Umweltmediziner Hutter rät, sich Ruheoasen zu suchen, auch wenn das durch längere Geschäftsöffnungszeiten, mehr Schanigärten und mehr Baustellen zunehmend schwieriger wird. Und man kann seine eigenen vier Wände durch ein paar Maßnahmen wie Schallschutzfenster zum Lärmschutzbunker machen. Auch Teppiche und lange Vorhänge dämpfen den Schallpegel im Raum, kleine Filzkleber an den Möbelbeinen lassen Sessel leiser übers Parkett gleiten und die Waschmaschine im Bad nicht direkt auf die Fliesen zu stellen, dezimiert den Krach. Außerdem kann man bei der Anschaffung neuer Haushaltsgeräte darauf achten, wie laut sie sind.

Gemeinsam leise sein!

Beim Lärm geht es auch um Rücksicht, denn niemand empfängt Lärm nur, wir alle machen auch welchen. Sich dieser Tatsache bewusst zu werden, ist wichtig. Denn jede Autotür, die Sie laut zuschlagen, kann für einen anderen belastend sein. Musikhören über Zimmerlautstärke kann dem Nachbarn an die Substanz gehen. Mit den superlauten Stöckelschuhen ständig auf und ab zu laufen, reißt die Kollegen vielleicht aus der Konzentration ... Und so kann jeder im Kleinen anfangen, was insgesamt große Auswirkungen für eine stillere Welt haben kann.

 

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