Wie wir unseren Kindern beibringen, „richtig“ wütend zu sein

Gleich vorweg: Bei Gefühlen gibt's kein Richtig oder Falsch. Sehr wohl gibt es ein paar Tipps, wie wir Kindern helfen können, mit großen Gefühlen wie Wut oder Trauer umzugehen.

Kind mit wütendem Gesicht und bemalter Augenpartie

Der "richtige" Umgang mit Gefühlen kann schon für Erwachsene eine Herausforderung sein, hat man uns doch beigebracht, dass Wut oder Trauer zu den eher unerwünschten, unangebrachten, unangenehmen Gefühlen gehören.

Falsch! Denn die menschlichen Emotionen haben eine große Bandbreite und alle Gefühle haben ihren Platz und ihre Berechtigung. Eltern können ihren Kindern einen offenen Umgang ohne Tabus vorleben und beibringen.

Wie bringe ich meinem Kind bei, mit Gefühlen wie Wut umzugehen?

1. Biete ein offenes Ohr an und höre zu, wenn dein Kind dir von seinen Gefühlen erzählt
Und lass zu, dass dein Kind seine Emotionen zeigt, sich durch seine Emotionen ausdrückt. Wenn du merkst, dass etwas bedrückt, frag nach.

2. Vermittle, dass es bei Gefühlen kein "Falsch" gibt
Kinder können ihre Emotionen nicht lenken – wenn die Wut kommt, ist sie da, genauso wie die Freude, ungefiltert und ungebremst. Nur weil du denkst, dass dein Kind nicht so reagiert wie du reagieren würdest oder wie du denkst, dass es reagieren sollte, heißt nicht, dass dein Kind per se falsch reagiert. Es ist eine eigene Persönlichkeit, ein eigenständiger Charakter und dass sollten wir Eltern nicht vergessen.

3. Bringe deinem Kind bei, Gefühle zu erkennen
Wenn es wütend ist, soll das auch so benannt werden. Kinder sollen nicht durch Gefühle gehen müssen, ohne sie einordnen zu können.

4. Lass ein Kind sein eigener Mensch sein
Mensch A geht mit Dingen anders um als Mensch B, mag andere Dinge, geht mit Erlebnissen anders um. Kinder, kleine Menschen, haben genauso individuelle Vorlieben wie wir Erwachsene.

5. Zeige deine eigenen Gefühle
Wenn Kinder lernen sollen, dass Gefühle nicht unterdrückt werden sollen, lernen sie das am besten daran, wie die nächsten Bezugspersonen mit Emotionen umgehen. Heißt: Gefühle zeigen, benennen, kommunizieren.

6. Redet auch über unangenehme Gefühle
Traurigkeit fühlt sich nicht gut an, ist aber Teil des Lebens. Genauso wie Wut. Jeder Mensch fühlt sie und niemand muss damit alleine bleiben.

7. Sprecht darüber, wie Mitmenschen sich fühlen
Wenn dein Kind etwas tut, dass ein anderes aufregt: Sprecht darüber, welche Gefühle die eigenen Handlungen bei anderen auslösen. Dass sie sich verletzt fühlen, traurig, glücklich. So lernen Kinder, achtsam zu sein, was sie sagen und tun. Das funktioniert natürlich auch in die andere Richtung: Ist das eigene Kind wütend auf Grund dessen, was ein*e Freund*in gesagt oder getan hat, hilft es, auch das zu benennen und zu besprechen, was da gerade passiert.

8. Gefühle richtig ausdrücken
Das Wichtigste: Jeder Mensch hat Gefühle, das ist okay und gut so. Was aber auch wichtig ist: Wie man diese Gefühle ausdrückt. Wenn dein Kind ruhig ist, könnt ihr besprechen, wie es sich beruhigen kann, wenn es aufgeregt ist: raus gehen und spielen, schaukeln, mit den Kuscheltieren eingraben, kuscheln, wild tanzen. Und auch da gilt: Was wir als Erwachsene brauchen, ist nicht zwingend dasselbe, was das Kind in diesem Moment braucht.

 

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