Wie werden Frauen im zweiten Lockdown vor häuslicher Gewalt geschützt?

Dass im Lockdown die häusliche Gewalt steigt, wissen wir leider mittlerweile aus Erfahrung. Frauenministerin Raab startet deshalb eine Infokampagne.

Gewalt gegen Frauen

Was Expert*innen vermutet und wovor Aktivist*innen seit Anfang März gewarnt hatten, wurde leider Realität. Jetzt wissen wir aus der Vergangenheit: In der Zeit der Corona-bedingten Isolation steigt häusliche Gewalt. Nicht für alle sind die eigenen vier Wände ein sicherer Rückzugsort - gegenüber Frauen und Kindern stiegen im ersten Lockdown gewaltvolle Übergriffe.

Wo Opfer Hilfe finden

Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) startet jetzt zum zweiten Lockdown eine Infokampagne. Neue Folder zum Thema Gewaltschutz liegen in Supermärkten, Apotheken und Praxen von Ärzt*innen auf uns sollen Opfern Information zu Beratungsangeboten geben. Rund 400.000 vierseitige Broschüren liefern von Gewalt betroffenen Frauen und Mädchen alle wichtigen Adressen, Telefonnummern und einen Überblick zu den Beratungsangeboten.

Das Projekt wurde von Frauenministerin Raab in Kooperation mit dem Handelsverband Österreich, der Apothekerkammer und der Ärztekammer Österreich umgesetzt. In den neuen Gewaltschutz-Brochüren finden Betroffene einen umfassenden Überblick über die wichtigsten bundesweiten Angebote sowie auch über regionale Hilfseinrichtungen. Die Infofolder liegen in Supermärkten der Ketten Hofer, Spar, Unimarkt, Nah und Frisch, Denn‘s, Billa und Merkur auf, aber auch in ausgewählten Apotheken sowie Arztpraxen in ganz Österreich. Die gesamten Infofolder werden auch online auf der Website des Bundeskanzleramts zum Download zur Verfügung gestellt. Um diese Informationen möglichst vielen Betroffenen zugänglich zu machen, werden die Broschüren zudem in 13 Sprachen online zur Verfügung gestellt.

Häusliche Gewalt kann jede Frau treffen

Frauenministerin Raab rechne zu der jetzigen Zeit des Lockdowns damit, dass es wieder zu "vermehrter häuslicher Gewalt" kommt, der Schutz von Mädchen und Frauen sei ihr ein besonderes Anliegen: "Psychische oder physische Gewalt hat viele Gesichter und kann alle Frauen treffen, unabhängig von Alter, Herkunft, Kultur oder Einkommen. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir den Handelsverband, die Apothekerkammer und die Ärztekammern als Partner gewinnen konnten und Frauen und Mädchen mit den rund 400.000 Foldern im Lebensmittelhandel, Arztpraxen und Apotheken informieren können."

Apothekerkammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr ergänzt, wie schwierig es für betroffene Frauen oft ist, sich Hilfe zu suchen, die Gewaltschutzbroschüre sei deshalb eine wertvolle Unterstützung bei der Suche nach passenden Betreuungseinrichtungen: "Apotheken sind ideale Orte, um diese Informationen anzubieten. Die österreichischen Apothekerinnen und Apotheker bieten – auch während des Lockdowns – stets eine offene Tür und ein offenes Ohr für die Menschen. Frauen, die Hilfe brauchen, sind bei uns gut aufgehoben und erhalten die Gewaltschutzbroschüren diskret und vertraulich." Ähnlich sei der Ablauf in Praxen geplant: In Zeiten von Corona seien es vor allem die Hausärzt*innen, die Kenntnis über häusliche Gewalt erhalten, so Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres. "Hier ist es wichtig, dass sie rasch und unbürokratisch über Beratungsangebote informieren können. Die Ärztekammer unterstützt daher die Informationsoffensive des Bundeskanzleramts, auch in der Hoffnung, dass gefährdete Frauen die Hilfseinrichtungen nicht erst dann kontaktieren, wenn es schon zu Gewalt gekommen ist, sondern schon davor, wenn Gewalt droht und Gefahr in Verzug ist."

 

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