Wie Teilzeitarbeit Frauen arm macht

Scheidungsanwältin Mag. Katharina Braun rät davon ab, sich durch Teilzeitarbeit in die finanzielle Abhängigkeit eines Mannes zu begeben (zumal sich reiche Männer vor einer Scheidung ihr Geld oft durch einen Ehevertrag absichern). Denn: Teilzeitbeschäftigung entpuppt sich später oft als Armutsfalle. Doch wo lauern die Gefahren?

In Österreich wird nach wie vor die Familienarbeit überwiegend von den Frauen geleistet. Hierin haben auch politische Post it-Kampagnen (in den späten 90er Jahren) mit „Halbe- Halbe“ Aufschriften nichts geändert. Der Anteil der Frauen an der Gesamterwerbsquote ist zwar gestiegen, doch gehen viele Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nach, mit welcher sie weniger verdienen und womit sich auch naturgemäß später für sie ein geringerer Pensionsanspruch errechnet. Frauen verdienen noch immer deutlich weniger als Männer, so erzielten Frauen ( hierbei eingerechnet Teilzeit und nicht ganzjährige Beschäftigung) laut Statistik Austria im Jahr 2013 ein Jahresdurchschnittsbruttoeinkommen von € 19.460,-- und Männer von € 31.961,--, das Einkommen der Männer ist somit um 39,1 Prozent höher als das der Frauen.

Eine Ehe ist kein sicherer Hafen

Viele Frauen haben daher nach wie vor zu wenig Eigenabsicherung und sind finanziell auf das Einkommen des Mannes angewiesen. Doch angesichts der hohen Scheidungsrate - in Wien wird bereits jede zweite Ehe geschieden - ist das Risiko, dass dieses „auf bis dass der Tod uns scheidet" irgendwann einmal doch vor dem Scheidungsrichter endet sehr hoch. Viele Frauen leiden dann an großen existenziellen Ängsten. Denn ob eine Frau bei der Scheidung überhaupt ein Ehegattenunterhaltsanspruch vom Mann zugesprochen erhält, hängt zum einen davon ab, ob diesen das alleinige oder zumindest überwiegende Verschulden trifft. Der Nachweis hierbei gelingt in einem Gerichtsverfahren nur noch relativ selten, so werden von den wenigen strittig durchgeführten Scheidungen die meisten aus beidseitigem gleichteiligen Verschulden geschieden – und dies bedeutet wechselseitig keinen Ehegattenunterhaltsanspruch. Zum anderen davon, ob der Mann zumindest mehr als das 2 ½-fache der Frau verdient. Wenn nicht errechnet sich der Unterhalt nicht der Höhe nach.

Monatliches Nettoeinkommen des Mannes zuzüglich monatliches Nettoeinkommen Frau ergibt monatliches Familieneinkommen davon 40 Prozent abzüglich Eigeneinkommen Frau.

Beispiel 1

Mann verdient monatlich netto € 4.500,-

Frau verdient monatlich netto € 2.000,-

Ergibt ein monatliches Familiennettoeinkommen von € 6.500,- hiervon 40 Prozent ergibt den Betrag von € 2.600,- hiervon abgezogen € 2.000,-- ergibt (vorausgesetzt Mann hat das alleinige Verschulden an der Zerrüttung) einen Ehegattenunterhaltsanspruch von monatlich netto € 600,-.

Beispiel 2

Mann verdient monatlich netto € 1.600,-

Frau verdient monatlich netto € 1.100,-

Ergibt ein monatliches Familiennettoeinkommen von € 2.700,- hiervon 40 Prozent ergibt den Betrag von € 1.080,- hiervon abgezogen € 1.100,-- - es ist kein Ehegattenunterhaltsanspruch zu zahlen.

Das niedrige Einkommen der Frauen

Viele Frauen können aber mit ihrem Einkommen nur schwer ihre Fixkosten decken, geschweige denn von Urlaub, Kino, Essen gehen. Die „Scheidungsbarbie“ (hier gibt es einen Witz, der besagt, dass die „Scheidungsbarbie“ die teuerste ist, denn diese bekäme alles – Ken, Haus, Hund) ist in Wahrheit also oft ganz schön arm.

Auf dem Heimweg fällt einem Vater plötzlich ein, dass er den Geburtstag seiner kleinen Tochter vergessen hat. Er stürzt also noch schnell in ein Spielzeuggeschäft. "Ich brauche dringend etwas zum Geburtstag meiner Tochter. Ich glaube, Barbie-Puppen sind doch ganz aktuell. Haben Sie welche und was kosten die?", sagt er zur Verkäuferin. Die antwortet: "Natürlich haben wir Barbie-Puppen. Da gibts "Barbie zu Hause" für 19.90 ,"Barbie am Strand" 19.90, "Barbie als Prinzessin" 19.90, "Barbie in der Disco" 19.90 und "Barbie-geschieden" 365.95" "Warum ist "Barbie-geschieden" denn so teuer", fragt der Kunde. "Tja", sagt die Verkäuferin, "bei "Barbie-geschieden" gibt's noch einige Sachen dazu. Zum Beispiel : Ken's Auto, Ken's Haus, Ken's Boot..."

Vor- und Nachteile von Teilzeit

Viele Familien argumentieren die Teilzeit der Frau damit, dass es eben noch nicht ausreichend Kinderbetreuung gibt oder diese zu teuer ist. Auch eine Fremdbetreuung durch eine Nanny frisst das Einkommen der Frau wieder auf, so dass auch aus diesem Grund sich viele Frauen dafür entscheiden zuhause bei den Kindern zu bleiben. Diese Argumente haben auch durchaus ihre Berechtigung, sind doch gerade am Land viele Kindergärten nicht ganztags geöffnet. Zudem kommt, dass voll berufstätige Mütter noch immer unter - oder zumindest hinter vorgehaltener Hand - dem Ruf einer Rabenmutter oder egoistischen Karrierefrau genießen. Umgekehrt scheun viele Arbeitgeber davor Frauen im zeugungsfähigen Alter einzustellen, da sie eine Schwangerschaft und eine Elternteilzeit fürchten. In Betrieben ab 20 Mitarbeitern gibt es einen Rechtsanspruch Elternteilzeit bis zum 7. Lebensjahr, vorausgesetzt das Arbeitsverhältnis hat durchgehend drei Jahre gedauert. In diesem Fall liegt es an der Frau auf wie viel Stunden sie ihre Arbeitszeit reduziert. Diese Situation ist für Personalisten daher schwer planbar.

Eltern haben die Möglichkeit ihre Arbeitszeit („Elternteilzeit“) herabzusetzen. Zu unterscheiden ist zwischen einer Teilzeitbeschäftigung auf welche ein Anspruch besteht und einer vereinbarten Teilzeitbeschäftigung.


Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung:
In Betrieben mit mehr als 20 Arbeitnehmerinnen/ Arbeitnehmern haben Mütter/ Väter, sofern Ihr Arbeitsverhältnis ununterbrochen drei Jahre gedauert hat (wobei die Zeit der Karenz auf diese drei Jahre anzurechnen ist) einen Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung bzw. Änderung der Lage der Arbeitszeit. Die Rahmenbedingungen (d.h. der Beginn und die Dauer der Teilzeitbeschäftigung sowie das Ausmaß und die Lage der Arbeitszeit) sind mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren. Dabei sind die Interessen des Elternteils und die betrieblichen Interessen zu berücksichtigen. Die Teilzeitbeschäftigung kann längstens bis zum Ablauf des 7. Lebensjahres oder einem späteren Schuleintritt des Kindes in Anspruch genommen werden.
Bei Nichteinigung über die Rahmenbedingungen kann die Arbeitnehmerin/ der Arbeitnehmer die Teilzeitbeschäftigung antreten, wenn der Arbeitgeber keinen gerichtlichen Vergleich beantragt bzw. keine Klage bei Gericht einbringt.


Vereinbarte Teilzeitbeschäftigung:
In Betrieben mit höchstens 20 Arbeitnehmerinnen/ Arbeitnehmern oder mangels Voraussetzung der dreijährigen Betriebszugehörigkeit kann eine Teilzeitbeschäftigung samt deren Rahmenbedingungen längstens bis zum Ablauf des 4. Lebensjahres des Kindes mit dem Arbeitgeber vereinbart werden. Es besteht jedoch kein Rechtsanspruch. Bei Nichteinigung kann die Arbeitnehmerin/der Arbeitnehmer eine Klage auf Einwilligung in die Teilzeitbeschäftigung einbringen.

Der Teilzeitfrust

Teilzeitjobs sind jedoch meist die weniger interessanten. Eine Teilzeitbeschäftigung stellt oft einen irreparablen Karriereknick dar. Auch wenn die Kinder dann einmal aus dem Gröbsten heraus sind, ist es für Frauen (dies auch mit sehr guter Ausbildung) sehr schwierig an eine frühere Karriere anzuknüpfen und wieder aus dem Karriereloch herauszukommen.

Mag. Katharina Braun

Die Expertin

Mag. Katharina Braun ist Scheidungsanwältin in Wien.

Web: www.rechtsanwaeltin-braun.at

Lesen Sie morgen im 2. Teil der Serie, wie Sie sich trotz Teilzeitarbeit absichern können.

 

Aktuell