Wie sicher sind Fahrradanhänger?

Nach einem Unfall mit einem Fahrradanhänger sind zwei kleine Mädchen tot. Die Anhänger gelten eigentlich als sicherste Variante für Kinder am Fahrrad.

Wie gefährlich sind Fahrradanhänger?

Bei einem schrecklichen Autounfall starben zwei kleine Mädchen am Wochenende in Niederösterreich. Ein PKW hatte auf der B19 den Fahrradanhänger erfasst, in dem die ein und vier Jahre alten Schwestern von ihrer Mutter transportiert worden waren. Das Fahrradgespann wurde etwa 15 Meter weit in einen angrenzenden Acker geschleudert, beide Mädchen erlagen ihren Verletzungen.

Der tragische Fall hat die Diskussion um die Sicherheit von Fahrradanhängern erneut aufflammen lassen.

Fahrradanhänger: Kein gefährliches Transportmittel

Unter ExpertInnen gelten Fahrradanhänger grundsätzlich als sicher. "Mittlerweile haben Crashtests und Studien bestätigt, dass ein sicherheitsüberprüfter Anhänger die beste Variante darstellt, Kinder ab circa sechs Monaten mit dem Fahrrad zu befördern. Bei einem Unfall sind sie im Innenraum geschützt – sofern der Anhänger einen Überrollbügel hat, die Kinder angeschnallt sind und Helme tragen", so die Websites des Kindersicherheitsvereins "Große schützen Kleine".

Im Vergleich zum Kindersitz hat der Fahrradanhänger einige Vorteile. Auch Kinder, die noch nicht sitzen können, können so mit dem Rad mitgenommen werden. Die Anhänger bieten außerdem Platz für bis zu zwei Kinder. Stürzt der Erwachsene am Fahrrad, bleibt der Fahrradanhänger grundsätzlich stehen. Überrollbügel und Gurte schützen die Kinder zusätzlich vor Stößen und Stürzen, das Verdeck bietet einen guten Wetterschutz. Bei einer Kollision mit einem Auto wird der Anhänger eher weggeschoben. Hier kommt es allerdings auf die Geschwindigkeit des PKWs an. "Tempo tötet," warnt Matthias Bernold, Chefredakteur des Magazins Drahtesel im Ö1 Morgenjournal. Er fordert Maßnahmen, die die Sicherheit von FahrradfahrerInnen im Staßenverkehr und auf Überlandstraßen gewährleistet. "Weder im Fahrradanhänger noch im Kindersitz oder im Fahrradsitz oder im Lastenrad haben Kinder eine Überlebenschance, wenn ein/e unaufmerksame/r AutolenkerIn mit hoher Geschwindigkeit in das Gefährt hineinrast. [...] Nicht angepasste Geschwindigkeit zusammen mit Unaufmerksamkeit ist die Hauptursache bei tödlichen Verkehrsunfällen." Fahrradanhänger seien kein gefährlicheres Transportmittel als andere Varianten.

Auch die Verkehrsorganisation VCÖ weist aktuell darauf hin, dass die größte Gefahr im Straßenverkehr für FußgängerInnen und RadfahrerInnen von PKW und LKW ausgehe:

Helm und Beleuchtung

Erwachsene müssen beim Transport von Kindern im Fahrradanhänger bestimmte Sicherheitsvorkehrungen einhalten: Die Anhänger müssen mit einer unabhängigen Lichtanlage und Reflektoren auf allen Seiten ausgestattet sein. Ist der Anhänger breiter als 60cm, sind zwei weiße und zwei rote Rückstrahler auf der Rückseite verpflichtend. Außerdem muss eine 1,5 Meter hohe, biegsame Fahnenstange mit einem Wimpel in Leuchtfarbe am Anhänger befestigt sein. So sind die Anhänger für AutofahrerInnen besser sichtbar. Die Helmpflicht für Kinder unter 12 Jahren gilt auch für den Transport im Fahrradanhänger.

Die beiden verstorbenen Mädchen trugen keine Helme. "Dennoch muss erwähnt werden, dass die Kinder auch mit Helmen kaum eine Chance gehabt hätten zu überleben", heißt es aus der Pressestelle der LPD Niederösterreich. Gegen die Mutter, die bei dem Unfall ebenfalls verletzt wurde, und den Autolenker wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

 

Aktuell