Wie schnell ins Bett mit der neuen Flamme?

Ein Neuer steht auf der Matte. Anziehend. Und er – will nichts lieber als Sie ausziehen. Soll man mitmachen? Oder erst einmal abwarten? Und wenn, wie lange? Die Frage vom richtigen Zeitpunkt.

Manchen Mädels macht Sex überhaupt keine Probleme. So wie der adretten jungen Dame, die einmal in der Barbara Karlich-Show auf die Bühne kam und verkündete: "Meine Jungfräulichkeit ist das größte Geschenk. Das spar' ich mir auf für den Richtigen. Bis zur Hochzeitsnacht." Sexualtherapeut Dr. Dieter Schmutzer, der als Experte ebenfalls geladen war, schmunzelt in Erinnerung an das Statement: "Na ja, bei uns hat so eine Einstellung ja noch was Sektiererisches. Aber die neue Keuschheit ist ein Trend, in den USA ist das bereits ein Riesenthema."

Warten bis zur Ehe.

Oder gleich am ersten Abend ins Bett? Unter österreichischen Singles wird Variante eins höchst selten in Betracht gezogen. Variante zwei jedoch, darüber wird schon heftiger diskutiert. "Warum nicht?" sagen die einen. "Ist doch nichts dabei, wenn einen die Lust überkommt." "Auf keinen Fall", sagen die anderen, "das ist viel zu schnell viel zu intim." Wer von beiden hat Recht? Und wann ist denn der richtige Zeitpunkt für den ersten Sex mit einem Neuen? Nach einer Woche? Einem Monat? Sobald man sich seine ganze Lebensgeschichte erzählt hat?

Einen Anhaltspunkt für die Beantwortung dieser Frage liefert Dr. Schmutzer mit einem psychologischen Modell, das die vier wichtigsten Stufen bis zur Vereinigung beschreibt:

  • 1. Man tritt in Kontakt. Wir sehen jemanden, noch aus der Distanz. Und irgendetwas an ihm aktiviert gewisse Gehirnregionen, die sich in wenigen Sekunden dafür entscheiden, eine Form von Beziehung zu beginnen.
  • 2. Man tritt in Beziehung. Das heißt, es gibt Augenkontakt, wir lächeln, kommen uns näher. Irgendeine Form von Austausch beginnt, so unterschiedlich er auch sein mag.
  • 3. Man schafft Intimität. Gemeint ist dabei zuerst einmal die geistige Nähe, das Erkennen des anderen, beste Freunde sein. Auch eine gewisse körperliche Nähe ist darin bereits enthalten.
  • 4. Aus Intimität wird Sexualität. Die geistige und körperliche Nähe wird so eng, dass es uns ein Bedürfnis wird, die Körpergrenzen zu überschreiten. Sprich: sich zu vereinigen.

Im Normalfall braucht man für diese vier Stufen eine gewisse Zeit. Wie lang? Na, jedenfalls mehr als 20 Minuten. "Häufig passiert es aber, dass zwei Stufen übersprungen werden. Vom Kontakt gleich zum Sex." Aber, so der Sexualtherapeut: "Da kommt man in eine Nähe, auf die man nicht vorbereitet ist, nicht eingestimmt. Und das erzeugt nachher häufig ein ziemlich komisches, peinliches Gefühl."

Der Fremde in meinem Bett.

Ein Mann, von dem wir nicht wissen, ob er in seine Volksschullehrerin verliebt war, ob er seinen Kaffee mit oder ohne Zucker mag und ob er seine Unterwäsche täglich wechselt. Dafür wissen wir, ob er beim Sex schwitzt, wie laut er stöhnt und wie sein Penis aussieht. - Kein Wunder, dass beim Frühstück (wenn es überhaupt eines gibt) nach einer Ho-ruck-Aktion so oft betretenes Schweigen herrscht. Und von der Lockerheit des vorangegangenen Abends nicht mehr übrig ist als das zugeknotete Kondom auf dem Nachttisch. Die typische Dynamik einer solchen Situation: "Man prallt aufeinander - und stiebt auseinander." Alleine schon deshalb ist eine gemeinsame Zukunft nach schnellem Sex eher unwahrscheinlich, so Dieter Schmutzer: "Durch die Geschwindigkeit kann es schon sein, dass man eine potenzielle Beziehung ruiniert. Wenn man sich langsamer annähert, kann man sich auch langsamer lösen." Ein zusätzlicher Flucht-Faktor ist die Angst vor Enttäuschungen: "Was, wenn ich mich verliebe? Und was, wenn meine Gefühle dann nicht erwidert werden?" Da sagen viele lieber schnell: "Ciao, 's war nett!"

Wenn man sich langsamer annähert, kann man sich auch langsamer lösen.
von Dr. Dieter Schmutzer, Sexualtherapeut

Die vorschnelle Intimität birgt auch noch andere Verletzungsgefahren. Ein Mann, der einen in der Bar noch mit galanten Komplimenten überschüttet hat, kann im Bett ein egoistischer Grobian sein. Vielleicht wird er auch kühl und geringschätzig, sobald er seinen Spaß gehabt hat. Und vielleicht erzählt er es auch im gesamten Freundeskreis herum, dass er einen im Turbotempo flachgelegt hat. Schmutzer: "Durch die Schnelligkeit ist man verletzlicher, weil man sich nicht wappnen konnte, weil alles überraschend ist." Natürlich, so meint er, gäbe es auch keine Garantie, dass so etwas nicht passiert, wenn man abwartet: "Man kann sich auch irren, aber die Verletzungsgefahr ist geringer. Man hat einfach nicht so das Gefühl, überrumpelt zu werden."

Was Männer wollen.

Für unsere Großmüttter war noch ganz klar: Lass einen Mann zappeln, wenn du ihn für dich haben willst. Dann kam die sexuelle Revolution, die Pille und die Befreiung der weiblichen Lust. Dazu noch ein Zeitalter, in dem alles schnell gehen muss und niemand auf irgendetwas warten will. Die Folge: Großmutters Regeln wurde jegliche Gültigkeit abgesprochen. Jahrhundertealte Wertvorstellungen von der Frau, die sich ziert und tugendhaft aufspart, wurden über Bord geworfen. Offiziell zumindest. Inoffiziell, so meint Schmutzer, wirken sie in den Köpfen der Männer dennoch weiter. "Sie wollen zwar modern, locker und aufgeschlossen sein. Aber heimlich haben sie im Sexuellen immer noch eine Doppelmoral. Einerseits: Lässig, mit der geht's g'schwind. Und andererseits: Die schmeißt sich wohl jedem an den Hals. Auch wenn Männer sagen: ,Bei mir ist das ganz anders', da lügen sie sich selber in den Sack."

Bestätigung für Schmutzers These liefern drei Amerikaner, die zusammen ein Buch geschrieben haben mit dem Titel Was Mann wirklich will (mvg-Verlag). Das Trio Gerstman/ Pizzo/Seldes empfiehlt etwa: "Ist es in Ordnung, schon beim ersten Rendezvous mit einem Mann zu schlafen? Es kann sein, dass die Männer uns jetzt den Kopf dafür abreißen werden, ... aber die Antwort lautet: Nein!" Die Erklärung der Autoren: "Ein Mann legt bezogen auf Sexualität bei einer Frau immer noch einen strengeren Maßstab an als bei sich selbst. Kein Mann stellt sich unter seiner Freundin oder seiner künftigen Frau eine Person vor, die wahllos mit diversen Männern ins Bett geht. Wir wissen, dass sich das altmodisch anhört, aber es stimmt. Schläft eine Frau also beim ersten Rendezvous mit einem Mann, wird er unabhängig davon, was sie sagt, der Meinung sein, sie sei promiskuitiv. Die erste Frage, die ihm durch den Kopf geht: Macht sie das mit allen so?"

Vom richtigen Zeitpunkt.

Wir wissen nun: Viele Männer sind im Grunde ihres Herzens altmodisch. Und andererseits haben viele Frauen das Gefühl, altmodisch zu sein, wenn sie nicht auf easy und cool ins Bettchen hüpfen. Nicht leicht, da die richtige Strategie zu finden. Die amerikanischen Bestseller-Autorinnen Ellen Fein und Sherrie Schneider etwa empfehlen in Die Kunst, den Mann des Lebens zu finden (Piper Verlag) knallhart die monatelange Unterdrückung der eigenen Leidenschaft: "Wir wissen, was es für eine Qual sein kann, den Sex mit jemandem hinauszuschieben, von dem sie sich angezogen fühlen, aber sie müssen langfristig denken. Wenn Sie Ihre Trümpfe richtig ausspielen, können Sie für den Rest Ihres Lebens jede Nacht Sex mit ihm haben!" Dieter Schmutzer wiederum hält nichts davon, dass man seine eigenen sexuellen Bedürfnisse unterdrückt. Sein Rat: "Ich bin nur dafür, dass man sich genug Zeit nimmt, um hinzuspüren: Wem will ich wirklich was geben? Will ich diesem Menschen tatsächlich so nahe kommen? Und nicht diese schnelle Verführung: Der will was, also geb' ich's ihm, sonst seh' ich ihn nie wieder. Oder sogar: Tu' ich's halt ihm zuliebe. Menschen sollen so agieren, wie es für sie passt und wobei sie sich nicht verletzen."

Alles klar? Was bleibt, ist nur noch die Frage nach dem Urknall. Wo bleibt die sexuelle Spontanität? Was ist, wenn man einem wildfremden Menschen in die Augen schaut und denkt: "Auf dich hab' ich gewartet!"? Schmutzer schmunzelt, so, wie bei der Erinnerung an die TV-Jungfrau. Dann meint er: "Wenn es die ganz große Liebe ist und es einfach sein soll, ist es auch wurscht. Da prallen halt zwei Sterne im Kosmos aufeinander und verschmelzen." Nachsatz: "Aber so etwas, das ist auch selten."

Toni, 25

"Was sich aus dem ersten Sex entwickelt, kann man im Vorhinein nie sagen. Manchmal lernst du eine kennen, bist total scharf auf sie, dann kommt es dazu - und auf einmal macht es schnipp, und die Lust ist weg. Da kann sie das netteste Lächeln und den schönsten Körper haben, aber du brauchst die Erfahrung nie wieder. Und es ist nicht so, dass du in böser Absicht darauf abgezielt hast, nur einen One-Night-Stand mit ihr zu haben. Es macht einfach schnipp - und aus."

Sophie, 39

"Ich bin eine Frau, die Sex mag und auch braucht. Wenn ich länger als zwei Wochen mit niemandem schlafe, werde ich echt kribbelig. Und da ich keinen festen Partner habe, schlage ich eben zu, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Auch am ersten Abend. Ich glaube nicht, dass man sich dadurch die Chance auf eine feste Beziehung verdirbt. Weil die Männer einen dann nicht mehr respektieren oder so. Und selbst wenn es so wäre: Jemanden mit so einer konservativen Einstellung würde ich sowieso nicht als Freund haben wollen. Das wäre mir zu scheinheilig."

Vincent 27

"Ich finde es abtörnend, wenn ein Treffen von Anfang nur auf Sex abzielt und die Frau einem voll an die Wäsche geht. Irgendwie verliert sie dadurch für mich an Klasse, an Stil. Ich denke mir: ,Was bist du für eine Schlampe, du wirfst dich mir an den Hals und kennst mich nicht einmal, ich könnte ja der letzte Mistkerl sein.' Außerdem wird es für mich uninteressant, wenn ich in der Rolle des Verführers total gekündigt bin. Einen guten Zeitpunkt für den ersten Sex finde ich so den zweiten, dritten Abend. Wenn es länger dauert , zweifelt man als Mann wieder, ob sie einen überhaupt will."

wie lange haben sie gewartet
... 4,3 Tage bis zum ersten Kuss
... 7,0 Tage bis zum ersten Petting
... 8,7 Tage bis zum ersten Sex

"Ja, meine Beziehung ist glücklich!", das sagen ...
... 62% der Frauen und Männer, die weniger als eine Woche bis zum ersten Sex gewartet haben
... 64% der Frauen und Männer, die länger als einen Monat bis zum ersten Sex gewartet haben

Auf der Suche nach einer festen Beziehung
... 8% der Männer zwischen 20 und 45 hätten eher Bedenken, wenn "sie gleich am ersten Abend mit mir ins Bett geht"
... 92% hätten eher Bedenken, wenn die Neue "bis zur Hochzeitsnacht" warten will
 

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