Wie oft sollte man Beziehungen eine (neue) Chance geben?

Nachhaltigkeit ist notwendig und in – aber wie oft kann man eine Beziehung eigentlich wiederverwerten, bis sie endgültig verbraucht ist?

Illustrierte Frau sitzt auf Bett vor lila Wand

Sie kennen den Spruch "Aufgewärmt schmeckt nur Gulasch gut" – ich glaube, da ist was dran. Prinzi­piell bin ich ein Fan von zweiten Chancen. Bei Freundschaften habe ich aber gefühlt 562 davon vergeben und so richtig hingehaut hat das nicht. Aus meiner Erfahrung stellt sich nach der anfänglichen "Wir sind zwei komplett neue Menschen, lass uns von vorne anfangen!"-Stimmung sehr schnell die altbekannte Dynamik von früher wieder ein; die Problemherde, die eigentlich nie richtig aus waren, und Verletzungen, die nur oberflächlich geheilt und verziehen wurden, entflammen wieder. Spätestens beim ersten Streit ist das Pflaster wieder abgerissen und die rosarote Brille bei mir in Simmering in der Müllverbrennungsanlage.

Vielleicht retrograd?

Dabei war man sich einig, es noch einmal zu versuchen! Was ist passiert? Basieren unsere Astro-Charts auf falschen Berechnungen und passen doch nicht? Viben unsere Schwingungen nicht? Prallen unsere unterbewussten Kindheitsmuster aneinander? Was ist passiert, und woher – verdammt noch einmal – soll man wissen, ob noch ein Versuch oder doch lieber Sayonara der bessere Weg ist? Erwarte hier bitte keine Lösung von mir, ich nehme dich nur auf einen (vermutlich etwas wirren) Gedankengang mit. Alle Angaben ohne Gewähr.


Recap

Wenn bei mir eine zwischenmenschliche Beziehung jeglicher Art endet, versuche ich natürlich, Schlüsse daraus zu ziehen. Was ist passiert, wie hat mich die Person verletzt, was habe ich falsch gemacht, what the f*** happened? Und so kann es sein, dass ich Monate (teilweise sogar Jahre) damit verbracht habe, Gespräche und WhatsApp-Verläufe zu rekons­truieren, um herauszufinden, wo der Knacks genau stattgefunden hat – ehrlicherweise mit mäßigem Erfolg. Ich glaube, es passiert, weil man einsieht: Hey, eigentlich will und brauche ich etwas anderes. Und das wirft man einander dann in Form von "Du hast dich verändert" vor; dabei ist das ein natürlicher Prozess. Mit manchen wachsen wir weiter zusammen und mit anderen leben wir uns aus­einander. Ich begrüße das mittlerweile und würde nicht mehr Ewigkeiten herumeiern und versuchen, etwas zu retten, was einfach nicht mehr passt. Lieber im Guten auseinandergehen!

Erwartungshaltung

Es geht gar nicht darum, wer was gemacht, gesagt, gedacht hat. Es geht darum: Passen unsere Erwartungen an Freundschaft, Partnerschaft, Kollegenschaft, Job noch zusammen? Wenn ja, let’s fix the details. Wenn nein: Danke für die schöne Zeit, hab dich aus der Ferne weiterhin lieb, aber geh mit Gott. Conclusio: Manche Beziehungen verdienen ein Upcycling, andere gehören letztendlich auf den toxischen Sondermüll. Der ist übrigens auch bei mir in Simmering.

 

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