Wie Neuseeland den Gender Pay Gap beseitigen will

Wie Neuseeland den Gender Pay Gap beseitigen will

Frauen verdienen weniger als Männer. Der Gender Pay Gap ist ein trauriger Fakt der Diskriminierung von Frauen. In Österreich haben erwerbstätige Frauen 37 Prozent weniger Bruttojahreseinkommen als Männer. Das Lohngefälle hat viele Gründe: In manchen Fällen bekommen Frauen für die selbe Arbeit schlicht weniger Lohn. Zusätzlich übernehmen Frauen den Großteil der nicht-bezahlter Arbeit: Sie kümmern sich öfter um Kinder und Haushalt und pflegen Angehörige. In Folge arbeiten sie häufiger in Teilzeit, legen Karrierepausen ein und werden bei Beförderungen gerne übersehen. Klassische "Frauenberufe" werden zudem schlechter bezahlt als "Männerberufe" - zumindest, wenn man sie als Frau ausübt. Männer haben in "Frauenberufen" oft höhere Löhne und arbeiten häufiger in Führungspositionen. All das endet nicht mit der Benachteiligung während des Erwerbslebens: Frauen bekommen weniger Pension, sind anfälliger für Altersarmut und abhängiger von der Beziehungspartner*in. Soviel zu den Ursachen. Aber wie löst man dieses Problem?

Warum "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" nicht genug ist

Mehr als die Hälfte des Gender Pay Gaps lässt sich laut Statistik Austria nicht durch Faktoren wie Branche, Beruf, Bildung, Alter, Dauer im Unternehmen, Vertrag, Region, Unternehmensgröße und Arbeitszeit erklären. Ein kleiner Teil ergibt sich durch die Berufs- und Branchenwahl. Das ist kein österreichsiches, sondern ein globales Problem. Und genau hier soll das neuseeländische Gesetz ansetzen.

"Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ist in Neuseeland schon seit 1972 gesetzlich verankert. Nun soll auch vergleichbare Arbeit gleich bezahlt werden: Frauendominierte Branchen, die historisch schlechter bezahlt werden, sollen gleich vergütet werden wie Männer in anderen, aber gleichwertigen Branchen, die "grundsätzlich ähnliche Fähigkeiten, Verantwortung und Leistung" erfordern. Das Gesetz legt fest, wie Berufe miteinander vergleichbar gemacht werden können und soll es den Arbeitnehmer*innen in Neuseeland einfacher machen, einen solchen Vergleich einzufordern.

Der Gesetzesvorschlag wurde im neuseeländischen Parlament einstimmig angenommen. Premierministerin Jacinda Ardern schrieb dazu in einem Instagram Post, ihre Regierungskoalition habe 2017 angekündigt, sich der historischen Ungleichheiten in der Entlohnung von Frauen anzunehmen. "Heute haben wir das geschafft". Frauenministerin Julie Genter der neuseeländischen Green Party sagte: "Es geht darum, die Ungerechtigkeit zu beseitigen, dass frauendominierte Arbeitsbereiche weniger bezahlt bekommen als Männer-dominierte Arbeitsbereiche, wenn sie Arbeit machen, die einen ähnlichen Level an Fähigkeiten, Einsatz und Ausbildung benötigen. Weil das eine lange Geschichte hat, wirkt es für uns heute normal."

 

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