Wie merke ich, dass ich K.O.-Tropfen bekommen habe?

Was sollte man tun, wenn man den Verdacht hat, K.O.-Tropfen bekommen zu haben? An wen wendet man sich?

Wie merke ich, dass ich K.O.-Tropfen bekommen habe?

Ein Cocktail im Club – und plötzlich wird es schwarz vor den Augen. Das aufregende erste Treffen mit dem Online-Date bei ihm zu Hause – und nach dem Glas Wein setzt Kopfweh und starke Müdigkeit ein. Eine WG-Party mit guter Stimmung mit Freund*innen und einem Flirt mit einem neuen Bekannten - von einem Moment auf den anderen lässt die Aufmerksamkeit nach, alles verschwimmt vor den Augen. Als Frauen sind wir uns all dieser Symptome bewusst.

Wir lernen schon lange, bevor wir das erste Mal überhaupt in einen Club dürfen, dass wir unser Glas nie unbeaufsichtigt lassen. Wenn wir ein Vodka Makava bestellen und dieses in einer Flasche mit Schraubverschluss bekommen denken wir als erstes: Dann muss ich mir wenigstens keine Sorgen machen. Wir passen als Frauen aufeinander auf, aber manchmal reicht auch das nicht. Und gerade als Frauen sind wir auch auf die Zivilcourage von Männern angewiesen. Wie handle ich richtig, wenn ich mitbekomme, dass jemandem K.O.-Tropfen ins Getränk gemischt werden oder wenn ich selbst vermute, dass mir jemand K.O.-Mittel gegeben hat?

Kampagne in Wien

Die Stadt Wien hat nun anlässlich der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen, die am 25.11. starten, eine große Kampagne zur Aufklärung gegen K.O.-Tropfen ins Leben gerufen. "Mit der klaren Botschaft ,Nichts ist O.K. bei K.O.-Tropfen‘ wollen wir mit der neuen Kampagne wachrütteln – und dazu aufrufen, hinzuschauen, zu handeln und zu helfen! Das Gefährliche an K.O.-Tropfen ist, dass man sie in Mischgetränken nicht riecht und schmeckt. Umso wichtiger ist es, auf das eigene Getränk – auf sich selbst und auf andere – aufzupassen. Die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs sind immer für Betroffene da – genauso wie für Zeuginnen und Zeugen, die helfen wollen", so Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál.

Die Zahlen von K.O.-Tropfen steigen

Es ist besonders als Frau wichtig zu wissen, dass man auch im privaten Umfeld vorsichtig sein muss. Es passiert auf Partys, in Bars, in Clubs, auf Maturareisen, bei Konzerten oder Weihnachtsfeiern – die Täter, meist Männer, mischen ihren Opfern, meist Frauen, heimlich Betäubungsmittel ins Getränk – mit dem Ziel, sie manipulierbar und wehrlos zu machen – und um Straftaten wie Raub und Vergewaltigung zu begehen. Auch beim Online-Dating, bei WG-Partys oder im Club kann es passieren, dass man K.O.-Tropfen ins Getränk gemischt bekommt.

Und die Zahlen steigen: allein heuer bis 15. November gab es dazu beim 24-Stunden Frauennotruf rund 60 Beratungen, 2021 waren es rund 40 und 2020 waren es 20 Fälle – wobei die Dunkelziffer bei dieser Straftat besonders hoch ist. Im Schnitt liegt die Zahl derzeit bei rund 4 bis 5 Beratungen pro Monat zum Thema. So oder ähnlich klingen die Berichte von Frauen, denen mutmaßlich K.O.-Mittel verabreicht wurden:

Frau T., 44 Jahre, verabredet sich mit einem Bekannten zu einem gemeinsamen Filmabend in seiner Wohnung. Der Bekannte bietet ihr Tee an. Beim Drittel des Films wird Frau T. extrem schläfrig. Sie wacht in der Nacht am Sofa in der Wohnung des Bekannten auf und hat nur ihren BH an. Sie kann sich nicht erinnern, dass sie sich ausgezogen hat. Auf ihre Frage, was passiert sei, antwortet der Bekannte, sie habe einvernehmlich Sex mit ihm gehabt. Frau T. ist schockiert, denn sie kann sich nicht daran erinnern und kann sich ihren Zustand und die angeblichen Geschehnisse nicht erklären.

Polizei rufen

Bei plötzlichem Schwindel, Übelkeit oder einer unbekannten, enthemmenden Wirkung sollte sich die betroffene Person an eine Vertrauensperson oder an das Barpersonal wenden. Im Zweifelsfall nicht zögern, die Polizei unter 133 zu rufen!

Da das Nachweisfenster je nach eingesetzter Substanz klein ist, sollten Betroffene so rasch wie möglich in ein Krankenhaus, wie etwa das AKH, fahren. Wichtig ist eine rasche Probenahme von Blut und Harn und die damit in Zusammenhang stehende Dokumentation. Auch wenn sich jemand noch nicht zu einer Anzeige entschieden hat, ist es vorerst wichtig für ein allfälliges Strafverfahren, Proben, Befunde und Fotos von Verletzungen zu sichern.

Wie erkennt man K.O.-Mittel?

Es gibt mehr als 100 flüssige oder feste Substanzen, die als K.O.-Mittel eingesetzt werden. Sie sind farb- und geruchlos und der leicht bittere oder seifige Geschmack wird von Alkohol oder anderen Getränken meist überdeckt. Erste Symptome sind eine anfängliche Euphorie und plötzlich einsetzender Schwindel und Übelkeit. Danach folgen häufig Wahrnehmungsschwierigkeiten, eine Art Dämmerzustand, Willenlosigkeit und eine eingeschränkte Beweglichkeit bis hin zur Regungslosigkeit.

Dass möglicherweise K.O.-Mittel verabreicht wurden, wird Opfern meist erst im Nachhinein bewusst. Sie erwachen zu Hause oder an einem fremden Ort, wissen nicht, wie sie dorthin gekommen sind und entdecken Hinweise auf sexuelle Übergriffe wie Blutergüsse, fehlende Kleidung oder haben Schmerzen im Unterleib. Betroffene können noch längere Zeit unter körperlichen Beschwerden wie Erbrechen, Kopfschmerzen oder Schwindel leiden. Für Betroffene sind Gedächtnislücken und Unsicherheit sehr belastend.

Entlastende Gespräche mit einer Beraterin des 24-Stunden Frauennotrufs können Betroffene in der Situation unterstützen. Generell gilt die Empfehlung, rasch zu handeln, wenn der Verdacht auf die Verabreichung von K.O.-Tropfen besteht. Unter der Frauennotruf-Nummer 01/71719 erhalten Frauen und Mädchen, aber auch Freund*innen und Familie, unmittelbar Beratung für die Planung weiterer Schritte.

 

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