Wie meistert man eine Beziehung, wenn eine Person ADHS hat?

Und warum sollte man es nicht als Bürde, sondern als Herausforderung sehen, die auch bereichern kann.

Wie meistert man eine Beziehung, wenn eine Person ADHS hat?

Wenn man ADHS hört, denkt man an kleine, zappelige Kinder, die in der Schule nicht sitzen bleiben können. Aber diese Krankheit geht für viele Menschen nicht weg, nur weil sie erwachsen werden, sie lernen nur damit zu leben und sich anzupassen.

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist gekennzeichnet durch Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und/oder Impulsivität. Nach Angaben des National Institute of Mental Health aus den USA leiden schätzungsweise 4,4 % der Erwachsenen an ADHS, und die Krankheit äußert sich bei jedem anders.

Aufmerksamkeitsdefizit

Was viele Betroffene gemeinsam haben, ist Unaufmerksamkeit und Vergesslichkeit. Das kann natürlich besonders in einer Beziehung, wo man gemeinsam ein Leben organisieren möchte, eine Herausforderung sein. Manchmal können ADHS-Symptome als Respektlosigkeit aufgefasst werden, sagt Sabrina Romanoff, Psy.D., eine klinische Psychologin mit einer fünfjährigen Spezialausbildung in Paartherapie. "Es kommt häufig vor, dass Partner von Menschen mit ADHS aus den Symptomen schließen, dass ihr Partner sich nicht um sie kümmert, nicht in die Beziehung investiert ist oder absichtlich versucht, sie zu verletzen", sagt sie gegenüber Bustle.

Kommunikation

Wenn man also merkt, dass verschiedene Aufgaben immer liegen bleiben, plötzlich die andere Person eine Hyperfokus darauf hat, die Tupperboxen zu sortieren, aber es nicht schafft, den Müll raus zu bringen und viele Dinge vergisst, sollte man das machen, was man meistens in einer Beziehung machen sollte: Nachfragen und darüber sprechen. Ein ehrliches Gespräch kann dabei helfen, dass man herausfindet, wie das Gehirn des anderen funktioniert, wieso gewisse Dinge so schwer zu erledigen sind oder liegen bleiben und woran das liegen könnte. Ein Gespräch hilft auch dabei, dass man weniger das Gefühl hat, dass die Person das absichtlich macht oder man ihm*ihr einfach egal ist.

Was Personen mit ADHS auch häufig schwer fällt, ist lange in die Zukunft zu planen. Möchte man nun also einen Urlaub in einem dreiviertel Jahr buchen und planen, kann es helfen, bereits frühzeitig die andere Person zu informieren, dass man sich zu einem gewissen Thema Input wünscht. Dann hat die*der Partner*in mit ADHS Zeit, sich Gedanken zu machen, wann es für sie*ihn gerade passt und geht. Jemand einfach mit der Frage zu überfallen, führt häufig zu keinem produktiven Output.

Herausforderungen im Alltag

Viele Partner*innen ohne ADHS müssen sich in Geduld und Verständnis üben, und versuchen, ihren Alltag an die Art und Weise wie das Gehirn ihrer Partner*innen mit ADHS funktioniert anzupassen. Oft sind das nur wenige kleine Adaptionen, die den Alltag beider Personen stressfreier machen können. Zusätzlich kann es helfen, wenn Partner*innen mit ADHS immer wieder versichern, dass es nicht darum geht, dass ihnen die Beziehung oder die zweite Person nicht wichtig ist. Sabrina Romanoff hat weitere Tipps, wie der Alltag besser funktionieren kann: "Schafft Systeme, um euch besser zu organisieren. Zum Beispiel: Verwendet Erinnerungsnotizen in eurem Handy, in eurem Kalender und Post-it-Zettel im ganzen Haus, um euch daran zu erinnern, was zu tun ist."

Und während der Alltag mit einer Person mit ADHS herausfordernd sein kann, so ist doch die Art und Weise wie das Gehirn funktioniert nicht besser oder schlechter. Es ist nur anders als bei Menschen ohne ADHS. Kaithlyn ist von ADHS betroffen und erklärt gegenüber Bustle: "Ich glaube, mein ADHS macht mich manchmal zu einer stressigeren Partnerin, aber ich glaube, es macht mich auch zu einer guten Partnerin. Ich bin so fasziniert von meiner Partnerin. Sie ist eine meiner Hyperfixationen. Ich möchte wissen, was ihre Lieblingssüßigkeit in der ersten Klasse war. Und wieso? Ich weiß es nicht. Aber ich will es wissen." Partner*innen mit ADHS können die zweite Person dazu pushen, kreativer zu sein, mehr aus der Box zu denken und neugieriger zu sein.

 

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