Wie man mit Social Media seine Karriere anfeuern kann

Facebook, Instagram und Co. haben schon lange die private Schublade verlassen und gehören zum beruflichen Networking dazu. Warum professionelles "Self Branding" nicht nur die üblichen Twitter-Verdächtigen betrifft und wie besonders Frauen davon profitieren können, darüber haben wir mit zwei Expertinnen gesprochen.

Was haben Armin Wolf, Stefanie Sargnagel und Kim Kardashian gemeinsam? Wahrscheinlich würden sie nicht unbedingt in der Konstellation miteinander auf ein Bier gehen. Aber alle drei sind dafür bekannt, dass sie über pointiertes, provokantes oder einfach auffälliges Twittern, Facebooken oder Instagramen zu regelrechten Markenpersönlichkeiten geworden sind. Das wäre grundsätzlich jedem möglich, meinen Judith Denkmayr (digitalaffairs.at) und Melinda Borzsak-Schramm (melin da.ninja). Die beiden sind Expertinnen für Self Branding, Personal Branding oder Egobranding: Drei Bezeichnungen für ein und dieselbe Sache - und mit Bränden hat die gar nichts zu tun.

Was ist Self Branding überhaupt?

Judith Denkmayr: Self Branding ist eine strategische Herangehensweise an die Vermarktung seiner eigenen Person. Das heißt nicht, dass ich nur mehr Werbebotschaften sende, sondern dass ich mir überlege: Mit wem vernetze ich mich oder zu welchem Thema könnte ich was machen? Dafür muss ich mir zuerst genau überlegen, wer ich eigentlich bin und wer ich sein möchte.

Was ist daran so schwierig?

Melinda Borzsak-Schramm: Die meisten Leute sind überfordert, wenn es darum geht, sich selbst zu beschreiben oder zu erklären, was sie machen. Du musst immer davon ausgehen, dass der Besucher deiner Website, deines Blogs oder Follower auf Twitter keine Ahnung hat, was du eigentlich machst. Wenn du etwa Friseurin bist, musst du es so erklären, als hätte dein Gegenüber noch nie vom Konzept Friseurin gehört.

Du sprichst die Friseurin an - aber betrifft Self Branding nicht nur eine kleine Gruppe von Leuten und eben nicht die Friseurin?

Melinda Borzsak-Schramm: Das betrifft genauso Leute, die ihr Business nicht online machen, aber sehr wohl die Kundenakquise online betreiben und sich hier positionieren. Der Fehler, der oft begangen wird, ist, dass die Leute glauben, sie müssen einfach alles machen. Und dann sind sie überfordert und lassen es wieder sein. Wenn du Fotografin bist, ist für dich z. B. nur Instagram und Pinterest sinnvoll, aber nicht unbedingt Twitter - da geht es eher um geschriebene Dinge.

Warum ist diese Art von Selbstdarstellung überhaupt notwendig? Reicht gute Leistung nicht aus?

Judith Denkmayr: Das wäre normalerweise der weibliche Zugang: dass man darauf hofft, dass irgendwer kommt und die gute Leistung erkennt. Das ist das Hauptproblem, warum Frauen oft nicht in Führungspositionen kommen. De facto muss man aber auch ein wenig für die gute Leistung werben. Es geht immer auch um Sichtbarkeit.

Machen es soziale Medien für Frauen leichter, sich selbst zu vermarkten?

Melinda Borzsak-Schramm: Ich glaube, es ist schon nach wie vor eine Überwindung. Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass es leichter wird, je öfter man es macht. Selbstpromotion ist absolut okay, denn du hast ja Arbeit reingesteckt. Ich habe bis jetzt noch keine Frau getroffen, die zu viel davon macht - viele Männer, aber keine Frau.

Es gibt das Schlagwort, Frauen würden stärker von der Digitalisierung profitieren. Stimmt das?

Judith Denkmayr: Die Hassposting-Geschichte, gerade speziell solche gegen Frauen, würde genau das Gegenteil beweisen. Aber grundsätzlich macht es das Web jedem leicht, einzusteigen, und damit auch Frauen per se.

Melinda Borzsak-Schramm: Ich würde schon sagen, dass Frauen da die Gewinnerinnen sind, weil sie oft einen Blick für Bereiche haben, die vernachlässigt werden. Einfach weil dieser Dialog relativ lang männlich dominiert war. Frauen finden oft Dinge, etwa Sextoys für Frauen, die Nischenprodukte sind, wo jeder Mann sagen würde, so ein Blödsinn interessiert keinen. Von dem her würde ich definitiv sagen, dass sie die Gewinner sind.

Zurück zum Self Branding: Wie fange ich an, mich bewusster online zu positionieren?

Melinda Borzsak-Schramm: Wenn man schon eine Website hat, schaut man, was alles drauf ist - und nimmt alles raus, was nichts mit dem zu tun hat, was man wirklich machen will. Sehr viele Fotografen z. B. schreiben dann einfach "Hochzeitsfotografie", statt dass sie einen Absatz schreiben, in dem steht: "Ich möchte das und das machen. Meine Bilder sollen so und so ausschauen und ich mache das, weil " Du musst deine Spezialität finden und aktiv ansprechen, damit die Leute wissen, dass du quasi die Expertin dafür bist.

Was machen erfolgreiche Online-Menschen besonders richtig?

Judith Denkmayr: Die meisten Leute, die im Social Web dabei sind, machen ein bisschen überall mit, und nur sehr wenige produzieren wirklich neuen, spannenden Content. Wenn man sich anschaut, was alle eint, die irgendwie bekannt werden, dann ist es, dass sie Inhalte produzieren, die einen Mehrwert für jemand anderen bieten - und sich deswegen als Experten zu diesem Thema positionieren.

Wie viel Privates soll man teilen? Wo ziehe ich die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem?

Judith Denkmayr: Ich persönlich trenne nicht in privat und beruflich, sondern eher in beruflich, privat und persönlich. Und ich sage, das Private hat eigentlich gar nichts in meiner beruflichen Selbstdarstellung verloren. Aber es wäre langweilig, wenn mir die Leute die ganze Zeit nur über ihren Job erzählen würden - darum das Persönliche. Was mich interessiert, wenn ich einer Person folge, ist deren Blick auf gewisse Dinge: Was findet die interessant? Was liest die? Sonst ist es zu eindimensional. Die Persönlichkeit soll zu spüren sein.

Noch ein paar Tipps für Frauen, die an ihrem Social-Media-Auftritt arbeiten wollen?

Melinda Borzsak-Schramm: Erstens: sich Inspiration holen, die Fühler ausstrecken und schauen, was andere machen. Außerdem: sich unbedingt auf zwei bis drei Hauptdinge konzentrieren, die man machen will. Und ganz wichtig: Hilfe holen, wenn man nicht weiterweiß!

Und was sollte man auf keinen Fall machen?

Judith Denkmayr: Sie sollten nicht brachial werben. Oder Leuten folgen und sagen: Bitte retweete mich! Das ist peinlich und reputationsgefährdend. Und bitte nicht zu allem einen Kommentar abgeben, also wirklich von Tagespolitik über wissenschaftliche Themen bis zu Promis -so was kann man im privaten Netzwerk machen, aber nicht im beruflichen. Da muss man halt schauen, wo man was abdeckt.

Der Business Riot ist Österreichs größte Arbeitsmarktkonferenz mit Fokus auf Frauenförderung findet von 20.-22. Oktober in Wien im Donauhof statt.

Melinda Borzsak-Schramm und Judith Denkmayr halten beide Workshops auf dem Business Riot.

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Judith Denkmayr und Melinda Borzsak-Schramm halten beide Workshops zum Thema Self-Branding auf dem Business Riot. Programm Tickets
 

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