Wie man in Kärnten das Leben feiert

Über Österreichs südlichstes Bundesland, Kärnten, gibt es viele Geschichten zu erzählen. Einige davon schreibt wienerin.at-Redakteurin Davinia Stimson hier auf. Folge 3: Party-Bundesland Kärnten.

Vor zwanzig Jahren saßen wir alleine mit unseren, in nassen Badehoserln steckenden, dürren Kinderpopschis auf harten Tribünenbänken und schauten in der sengenden Hitze eines Kärntner Julitages dabei zu, wie Profis Beachvolleyball spielten. Zumindest solange, bis das Papierstanitzl Pommes leer gegessen war und wir wieder in den See gehüpft sind. 1998 hat sich wirklich niemand für die Beachvolleyball-WM in Klagenfurt interessiert.

Wenige Jahre später saßen an der selben Stelle 135.000 Menschen, gröhlten in trauter Einigkeit Partyhymnen und fanden alles unfassbar toll. Der Beachvolleyball Grand Slam ist eine Erfolgsgeschichte, quasi stellvertretend für das Kärntner Talent zum Partymachen: Lauter! Größer! Flüssiger!

Superlative: Villaha Kirchtog

Die Urform einer österreichischen Party ist die traute Symbiose aus Feuerwehrfest und Kirchtag. Das ist auch in Kärnten nicht anders, wo der Kirchtag aber nicht Kirtag, sondern Kirchtog heißt und in Villach zu einem absurden Großevent geworden ist, das in keinem Zusammenhang zur Größe der Kirchengemeinde Villach selbst steht, dafür eine ganze Woche lang dauert und die Kleinstadt in ein riesiges Bierzelt verwandelt. München lässt grüßen.

500.000 BesucherInnen feiern "am größten Kirchtag Österreichs" Schlagworte wie "Tradition" und "Brauchtum", besaufen sich in Wahrheit aber einfach nur eine Woche lang schon während die Sonne noch scheint und pissen dazwischen, sofern mit einem Penis ausgestattet, fröhlich in die Drau.

Alles geht am Wörthersee

Flüssigkeit und Party, das gehört sowieso zusammen. Deswegen feiert man in Kärnten mit und für TouristInnen besonders gern am Wörthersee, und das auf der ganzen Bandbreite. Ironman und Genussfestival, Autofrei und GTI-Treffen, Fête Blanche, Fête Noir, und mit dem Pink Lake auch ein LGBTQ-Festival. Wer will, kann allein rund um den Wörthersee von Ende März bis Ende Oktober ständig irgendetwas feiern. Im besten Fall das Leben, und wenn daraus nichts wird, dann feiert man eben das Bier aus einem gebrandeten Plastikbecher.

Wenn die Grenzen des Bundeslandes zu eng werden, wagt man sich auch ins benachbarte Ausland. Kärntner Jugendliche und solche, die es gerne wären, stürmen bevorzugt an den Pfingstfeiertagen eine kleine Ortschaft an der Adria. "LIGIIII!", rufen sie nicht nur freudentrunken und tun stolz ihre Herkunft kund: "Wir kommen aus der Lindwurmstadt" singen die einen, "Wir kommen vom Verkehrsknotenpunkt" die anderen und beweisen damit ein erstaunliches Gefühl für Versmaß. Die zweite Zeile lautet unisono: "Ficken oder was? Ficken oder was?" Auch so kann man das Leben feiern.

Das Beachvolleyball-Turnier ist 2017 nach Wien gewandert, das Land wollte den Spaß nicht länger subventionieren und die KärntnerInnen ihr Strandbad nicht weiter mit so vielen ortsfremden BesucherInnen teilen. Auch wenn sie noch so schön gesungen haben.

wienerin.at-Redakteurin Davinia Stimson schreibt in ihrer Kärnten-Kolumne über die schrägen, lustigen und immer ein bisschen ernsten Seiten ihres ehemaligen Heimat-Bundeslandes.

Folge 1: Wo die Himmelhenn' die Ostereier bringt

Folge 2: Warum wir alle mehr Kärntnerisch sprechen sollten

 

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