Wie man einen Kindergeburtstag plant (ohne durchzudrehen)

Auch beim Kindergeburtstag gilt inzwischen: Größer! Höher! Weiter! Besser! Dieser Perfektionismus endet nicht selten in Frust und Stress, und das macht niemandem Spaß. Mit diesen Tipps gelingt die Party ohne Dekotrauma und Konfettikoma.

Kindergeburtstag feiern, ohne durchzudrehen

Ist das noch ein Kindergeburtstag oder schon ein Event? Die Torte immer größer, die Bespaßung immer ausgefallener: Dank sozialer Medien hat die Eventisierung auch vor Kinderparties nicht Halt gemacht. Die Bedürfnisse der Kleinsten geraten dabei oft in den Hintergrund.

"Kinder wollen an ihrem Geburtstag vor allem eines: Einen Tag lang das Wichtigste sein und gemeinsam mit Freunden Spaß haben“, sagt Florian Kochmann, Pädagogischer Leiter im SOS-Kinderdorf Hinterbrühl. Und er kennt sich aus: Über 250 Kindergeburtstage hat er schon geschmissen - und sieben Tipps, wie die Party ganz gelassen steigen kann.

1. Das "WO" muss nicht kompliziert sein

Es muss nicht der Abenteuerpark mit teurem Eintritt sein. Der Spielplatz in der Nachbarschaft, der nächste Turn- oder Veranstaltungssaal oder der eigene Innenhof reichen völlig. Wichtig ist nur, dass die Kinder laufen und toben können. Je jünger, desto mehr Raum sollte dafür sein.

2. Weniger ist mehr - auch bei der Zeit

Geburtstagspartys müssen nicht tagesfüllend sein. Zweieinhalb bis vier Stunden reichen völlig. Je mehr sich die Kinder bewegen werden, desto kürzer kann die Party sein. Solange noch genügend Zeit zum Torte essen und für die Geschenkübergabe ist! Am Ende am besten noch ein bisserl freie Spielzeit einplanen, in der sich die Kinder ihrer Kreativität hingeben und "auslaufen" können.


3. Papas und Mamas sind Clown genug

Auch wenn du keine Luftballontiere knoten oder jonglieren kannst: Kinder freuen sich, wenn sich Erwachsene mit ihnen beschäftigen und erwarten nicht die perfekte Show. Kleinere Kinder wollen laufen und springen bis ihnen die Puste ausgeht. Ab sechs Jahren ist es sinnvoll, erste Logik- und Rätselspiele einzubauen und damit auch ruhigere Phasen zu gestalten. Nur nicht zu kompliziert werden: Einfache und leichte Regeln entwerfen, damit die Kinder wegen zu hoher Komplexität nicht frustriert sind.

4. Mottoparties sind die besten Parties

Die Frage aller Fragen: Was soll ich mit den Kindern spielen? Dabei ist die Lösung ganz einfach: eine Mottoparty! Es ist nämlich völlig egal, was man spielt - aber nicht, warum man es spielt. Nutze die Fantasie der Kinder und erzähle eine Geschichte. Das muss gar nicht besonders ausgefeilt sein: Beim Sesseltanz auf der Star Wars-Party spielt ihr eben die "Reise nach Tatooine", bei der man sich einen Platz auf dem Raumschiff statt auf einem öden Sessel sichern muss. Die Rahmengeschichte – egal ob sie sich um Dinosaurier, Magie, Prinz*essinnen oder Pirat*innen dreht – spannt sich über die gesamte Party. So werden Fangen, Sesseltanz, Ballspiele, Topfschlagen, Hindernisparcour oder Verstecken zum Abenteuer. Die Rutsche auf dem Spielplatz wird dann zum Aussichtsturm, das Klettergerüst zur schwer bewachten Festung und beim Staffellauf wird der wertvolle Zauberstab weitergereicht.

Um die Motivation der Kinder zu steigern, im Baumarkt Beilagscheiben oder Ähnliches kaufen und als "Währung" für erledigte Aufgaben oder gewonnene Spiele verteilen. Die Münzen können von den Kindern gesammelt und am Ende gegen Süßigkeiten getauscht werden.

5. Es ist okay, keine Lust zu haben

Wenn Kinder nicht mitspielen wollen oder unkonzentriert sind, gib ihnen Aufgaben, die sich wichtig anfühlen. Sie könnten zum Beispiel beim Aufbau eines neuen Spieles helfen oder der "Hüter der Zeit" werden. Das ermöglicht die Integration in die Gruppe, die Teilhabe am Spiel und "Störenfriede" werden so oft zu motivierten Assistent*innen.


6. Psst: Die Deko taugt dir mehr als dem Kind

Kindern ist die Dekoration nicht annähernd so wichtig wie den Eltern. Statt teurer Accessoires, die nach der Party im Müll landen, reichen wenige Merkmale zum Unterstützen des Mottos. Am besten gemeinsam mit dem Geburtstagskind ein paar Requisiten basteln – das steigert gleichzeitig die Vorfreude. Aber nicht vergessen: Es geht um den Spaß und nicht um einen Schönheitspreis.


7. Das Wichtigste ist das Geburtstagskind!

Dein Kind hat Geburtstag und darf heute ganz alleine im Mittelpunkt stehen! Zwei Momente solltest du besonders liebevoll zelebrieren: das Anschneiden der Torte und die Geschenkeübergabe. Das geht mit allem, was der Kitschmarkt so hergibt: Sprühkerzen, Marzipanfiguren und gemeinsam "Happy Birthday" singen. Vielleicht gibt es ja ein großes Messer zum gemeinsamen Anschneiden mit Mama und Papa und man darf den ersten Schnitt mit so richtig viel Wucht reindrücken? Wenn bei der anschließenden Geschenkeübergabe alle Partygäste einzeln ihre Geschenke überreichen, kann das Kind diese auch einzeln wahrzunehmen und sich zu freuen. Und das ist ja das Wichtigste.

 

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