Wie lege ich 50 oder 100 Euro pro Monat am besten an?

Über Geld spricht man nicht? Doch! Gerade dann, wenn man nicht so viel hat. Die WIENERIN erkundigt sich, wie man auch aus kleinen Beträgen etwas macht.

Wie lege ich 50 oder 100 Euro pro Monat am besten an?

Die Expertin: Lena Gugenberger

Frei, selbstbestimmt, gleichberechtigt -für das Team des Sozialunternehmens Three Coins ist ein guter Umgang mit Geld der wichtigste Hebel, um genau das zu sein. Dazu braucht es finanzielle Bildung, die Lena als Pädagogin und Finanzexpertin bei Three Coins vermittelt: "Wir entwickeln Finanzbildungsprojekte und setzen sie lebensnah und wirkungsvoll um, damit wir so viele Menschen wie möglich erreichen."

WIE FANGE ICH AN?

WIENERIN:Liebe Lena, wenn man etwa 1.500 Euro netto im Monat verdient, geht viel für die Lebenshaltungskosten drauf. Ich kann nicht viel weglegen, nur 50 bis 100 Euro. Was mache ich am besten damit?

LENA GUGENBERGER: "Nur" würde ich da gar nicht sagen! 50 oder 100 Euro sind nicht wenig. Damit lässt sich schon was machen. Wenn du wissen willst, ob noch mehr geht, könntest du eine finanzielle Bestandsaufnahme machen und deine Einnahmen und Ausgaben drei, vier Monate lang dokumentieren. Oft kommt man da erst drauf, wo man vielleicht unnötig viel ausgibt und wo man noch sparen könnte.

Wie mache ich das am besten? Muss ich ein Haushaltsbuch führen?

Such dir ein Medium, das zu dir passt. Du kannst dir eine Excel-Tabelle basteln oder alles in deinem Kalender notieren. Wenn du meistens mit Bankomatkarte zahlst, nimm deinen Kontoauszug. Es gibt auch Apps, die das Ganze spannender machen. Dann definiere deinen Sparbetrag.

Okay, und dann?

Dann richtest du dir ein Tagesgeldkonto ein und lässt deine Sparsumme am Anfang jedes Monats automatisiert vom normalen Girokonto aufs Tagesgeldkonto überweisen - dort ist das Geld erst mal sicher.

WOHIN MIT DEM GELD?

Gut, das Tageskonto habe ich angelegt, es kommt regelmäßig Geld drauf. Nun?

Anfangs geht es darum, sich einen Notgroschen anzusparen, sich also so viel Geld zur Seite zu legen, dass man im Notfall drei bis sechs Monate lang davon leben kann. Es kann immer etwas passieren, etwa dass die Waschmaschine kaputtgeht oder man den Job verliert. Der Notgroschen verschafft dir Zeit, Sicherheit und eine gewisse Unabhängigkeit.

Hört sich sinnvoll an - aber auch fad ...

Sicher ist es ein bisschen unsexy - bis auf das sorgenfreie Gefühl, wenn du dir genug angespart hast. Dann ist das Thema nämlich erledigt. Wenn du zusätzliche Motivation brauchst, kannst du mit einem Teil deines Sparbetrags nebenbei auf etwas anderes sparen, etwa auf einen Urlaub.

Nehmen wir an, ich habe meinen Notgroschen. Wie geht es weiter?

Jetzt checkst du deine Sparziele. Willst du auf ein Auto sparen, dir die Grundlage für eine Eigentumswohnung aufbauen oder fürs Alter vorsorgen? Dementsprechend kannst du deinen Sparbetrag aufteilen und dich gezielt dem Vermögensaufbau widmen. Für mittel- und langfristige Ziele empfehlen wir, sich auf dem Kapitalmarkt umzuschauen - denn wenn Geld nur auf der Bank herumliegt, verliert es an Wert.

Wie meinst du das?

Inflation bedeutet, dass du dir um dasselbe Geld jedes Jahr weniger kaufen kannst. Die Inflationsrate beträgt aktuell etwa zwei Prozent. Wenn du für dein Erspartes ein Prozent Zinsen bekommst, hast du einen Wertverlust von einem Prozent; 100 Euro wären nach einem Jahr nur mehr 99 Euro wert. Das summiert sich. Für den Notgroschen ist das akzeptabel, weil er jederzeit verfügbar sein soll; für alles darüber hinaus nicht.

WAS GIBT ES NOCH?

Was ist mit Bausparverträgen und Pensionsversicherungen?

Auch bei Bausparverträgen heben die Zinsen und die staatliche Förderung den Effekt der Inflation mittlerweile nicht mehr auf. Bei Pensionsversicherungen kommt es auf das Produkt an - manche sind gut, andere nicht. Als Laie kann es schwer sein, sich da zurechtzufinden. Lass dich im Zweifelsfall von einer unabhängigen Honorar-Vermögensberaterin beraten. Ich denke, Frauen haben dabei spezifisch weibliche Themen wie den Pensionsgap eher am Radar.

AUF ZUR BÖRSE?

Dann also zum Kapitalmarkt. Wie bringe ich meine 50 oder 100 Euro dorthin?

Du brauchst ein Depotkonto bei einer Bank oder einem seriösen Onlinebroker, das sind Unternehmen, über die man online Wertpapiere handeln kann. Lies dich ein, vergleiche Kosten und Gebühren, checke, ab welchem Betrag Sparpläne möglich sind, und schau, ob der Anbieter die Steuern für dich abführt. Bei Gewinnen ist in Österreich nämlich die Kapitalertragssteuer abzuführen - einfacher, wenn das der Broker übernimmt!

Alle reden gerade von ETFs. Du auch?

Ja, die liegen im Trend. ETFs sind Fonds, die nicht aktiv von jemandem zusammengestellt werden, sondern automatisch einem Index folgen. Ein Index ist ein Korb an Wertpapieren zu einem bestimmten Thema, einer Branche oder Region. Ein klassischer Einsteiger-ETF wäre der MSCI World, der 1.600 Aktien aus 23 Ländern umfasst - was aber keine Kaufempfehlung sein soll. Die Vorteile von ETFs: Die Gebühren sind niedrig, man kann von positiven Wertentwicklungen profitieren und streut das Risiko.

Wo finde ich weitere Infos?

Wir bieten Workshops mit der Wiener Börse und dem Wifi speziell für Frauen an. Es gibt aber auch etliche Bücher und Onlinevideos und -tutorials.

SPIEL-TIPP

Im Oktober erscheint das Spiel Schotterbande von Three Coins. Ideal für Kinder von sechs bis zehn, basiertes auf einer Superheld*innengeschichte und vermittelt ganz nebenbei, wie man gut mit Geld umgeht. Infos und Vorbestellungen über schotterbande.at.

 

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