Wie lässt sich Zahnschmelz stärken? Und wie hängen Mundflora & Immunsystem zusammen?

Für gesunde Zähne von null bis 100 braucht es Wissen, Disziplin und gute Tools. Wir haben die neuesten Erkenntnisse für deine Mundgesundheit.

Die neuesten Erkenntnisse rund ums Thema Mundgesundheit

Was tun bei Zahnschmalzabbau?

Wer lange gesunde Zähne haben und Karies vermeiden will, putzt fleißig und meidet Süßes – so weit, so bekannt. Weit weniger bekannt, aber weit verbreitet ist das ­Thema Zahnerosion, also säurebedingter Zahnschmelzabbau. Laut der Deutschen Mundgesundheitsstudie ist jede*r zweite Erwachsene zwischen 33 und 44 Jahren betroffen; Tendenz steigend.

Unser Zahnschmelz ist das härteste Gewebe in unserem Körper und eigentlich darauf ausgelegt, unsere Zähne ein Leben lang zu schützen. Falsche Ernährungs- und Putzgewohnheiten, aber auch diverse Erkrankungen können unserem Zahnschmelz so kontinuierlich schaden, dass die Schutzschicht, die unsere Zähne stark, widerstandsfähig und gesund macht, langsam, aber sicher für immer verschwindet. Denn: Ist der Zahnschmelz einmal weg, kann man ihn nicht wiederherstellen. Der größte Feind des Zahnschmelzes sind Ernährungssünden – selbst wenn wir darauf achten, auf Süßes zu verzichten, um Karies zu vermeiden, ist in vielen Lebensmitteln, Softdrinks, Energy­drinks, Sportgetränken und Fruchtsäften zu viel Säure enthalten.

Nippen wir also den ganzen Tag im Büro an säure­haltigen Getränken oder snacken saure Lebensmittel (dazu gehört auch Obst!), setzen wir unseren Zahnschmelz einem permanenten Säureangriff aus. Er kann sich dann nicht mehr remineralisieren und wird nach und nach weggeputzt. Ein erstes Warnzeichen für Zahnerosion sind kleine gelbe Einbuchtungen an den Zähnen. Weil der Zahnschmelz dort fehlt, schimmert das gelbstichige Dentin an die Oberfläche und die Zähne wirken gelb. Das ist nicht nur ein ästhetisches Thema, sondern ruiniert langfristig die Zähne, bis nur noch Kronen und Veneers helfen.

Verloren gegangener Zahnschmelz kann zwar nicht wiederaufgebaut werden, aber geschwächten Schmelz kann man stärken. Praktische Tipps: lieber zum Mittag­essen ­einen ganzen Apfel essen, anstatt die Stückchen über den ganzen Tag verteilt zu snacken; zwischendurch Wasser statt Säfte trinken und auch beim Sport auf Nuckel­flaschen mit isotonischen Getränken verzichten – durch die Trinkflaschenöffnung werden die Zähne noch mehr umspült, und auch Sportdrinks enthalten meist mehr Säure, als man denkt. Auch spezielle Zahnpasten und Mundspülungen können helfen, den Zahnschmelz zu stärken.

Selbsttest

Wer wissen will, ob sein Lebensstil die Zahn­erosion fördert, kann unter opti-schmelz.de einen kurzen Test machen und bekommt mit der Beantwortung weniger Fragen eine Einschätzung aufs Handy. Auf jeden Fall sollte man seine*n Zahnärzt*in auf mögliche Problemstellen im Mund ansprechen und rechtzeitig gegensteuern.

Was haben Mundflora und Immunsystem miteinander zu tun?

Mund und Nase sind Eintrittspforten für Keime – nicht nur bei Kindern. Deshalb wird die Bakterienwelt in unserem Mund heute verstärkt erforscht. Das Mundmikrobiom, also die natürlich im Mundraum vorkommenden Mikroorganismen, sind vorwiegend nützliche Bakterien, die auf den Mundschleimhäuten leben. Diese Mikroorganismen übernehmen zentrale Schlüsselfunktionen im Mund- und Rachenraum.

Sie erfüllen wichtige Schutzfunktionen für unsere Zähne und unser Zahnfleisch, können Schadstoffe aus der Luft filtern und wehren gefährliche Krankheitserreger ab. Eine große Artenvielfalt an verschiedenen Bakterien verdrängt fremde Keime und sorgt so dafür, dass diese sich nicht im Mundraum ansiedeln. Darüber hinaus können einige Bakterienarten unserer Mundflora spezielle Abwehrstoffe produzieren, die gefährliche Erreger gezielt angreifen und eliminieren. Das Unternehmen Institut Allergosan widmet sich dem Mikrobiom seit Jahren auf wissenschaftlicher Basis und hat eine Lutsch­tablette für Kinder und Erwachsene entwickelt, die über unsere Mundflora das Immunsystem stärkt und nachweislich präventiv und auch bei chronischen HNO-Infekten wirkt. Anita Frauwallner, Leiterin Institut Allergosan: "Der Bakterienstamm Streptococcus salivarius K12 ist ein wichtiger Bestandteil unserer Mundflora und verteidigt seinen Lebensraum gegenüber unerwünschten Eindringlingen. Ergänzt mit Vitamin D werden die körper­eigenen Abwehrkräfte unterstützt" – eine Innovation im Kampf gegen schädliche Bakterien.

Um die Mundflora gesund zu halten, setzen viele Menschen auch auf die altbewährte Methode des Ölziehens. Laut Zahnmediziner Hady Haririan, Leiter der Abteilung für Parodontologie an der Zahnklinik der SFU Wien, spricht nichts gegen unterstützende natürliche Methoden für die Mundgesundheit: "Es gibt unterschiedliche Öle, die man ziehen kann. Vereinzelte Studien zeigen, dass das gut ist und antientzündlich wirkt. Wenn jemand ein gutes Gefühl damit hat, ist es okay. "Generell gilt: Für eine gesunde Mundflora braucht es ausgewogene, gesunde Ernährung und gute Zahnhygiene: "Das Wichtigste ist, Plaque gründlich zu entfernen, also gut zu putzen. Alles andere ist Zusatz", so Ha­ririan.

Welche Auswirkungen hat unsere Mundgesundheit auf sportliche Leistungen?

Viele Erkenntnisse, die uns alle irgendwann gesünder machen könnten, kommen anfangs aus einer vermeintlich nischigen Ecke – so auch das Thema Leistung und Mundgesundheit. Vor Kurzem ließ eine Studie aus dem British Journal of Sports Medicine mit 302 Sportler*innen aufhorchen: Darin gaben 40 Prozent an, dass ihr Mund­gesundheitsstatus ihre Trainingsleistung und ihre Lebensqualität beeinträchtige. Zusätzlich wurde beobachtet, dass 55 Prozent der Sportler*innen Karies und 76 Prozent eine Parodontal­erkrankung (also Zahnfleischentzündungen und -probleme) haben.

"Ein trockener Mund führt bei Sportler*innen oft zu Zahnproblemen."

Marzia Massignani, Senior Manager Scientific Affairs bei Sunstar, beschäftigt sich mit der Bewusstseinsbildung bei Spitzenathlet*innen, weil Mundgesundheit für die körperliche Allgemeingesundheit essenziell ist. Mit Mundgesundheit sind übrigens nicht nur Zähne und Zahnfleisch gemeint: Auch Lippen, Zunge, die Kaumuskeln, die Speicheldrüsen, die Mund- und Rachenschleimhaut, Ober- und Unterkiefer und auch der Gaumen gehören dazu. Warum haben also gerade gesundheitsbewusste Menschen, die regelmäßig Sport machen und sogar davon leben, solche Probleme?

Laut Expert*innen gibt es dafür eine einfache Erklärung: Gerade Sportler*innen brauchen viele Kalorien, die oft über den Tag verteilt in Form von Snacks, Sportgetränken oder Shakes aufgenommen werden. Wenn dann statt Wasser diverse andere Getränke dazukommen, die oft säure­haltig sind und oft auch viel Zucker enthalten, leidet die Zahnsubstanz. Was zudem viele nicht am Radar haben: Die Mundatmung beim Sport führt zu vermindertem Speichelfluss und einem trockenen Mund – ideale Bedingungen für das Wachstum schädlicher Bakterien.

Fazit

Was wir daraus lernen können? Zwischen den Mahlzeiten Wasser statt Saft trinken, zweimal täglich Zähne putzen, beim Sport auf Energydrinks verzichten und regelmäßig zur Mundhygiene und -kontrolle gehen. Denn auch unsere Lebensqualität leidet, wenn unsere Zähne nicht gepflegt sind.

 

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