Wie können Eltern und Geschwister den Tod eines Kindes verarbeiten?

Es gibt kaum Schlimmeres, als den Tod naher Angehöriger, speziell des eigenen Kindes, mitzuerleben. Mit dem Leben weiterzumachen, scheint gerade in der ersten Zeit unmöglich. Der Verein Sonneninsel hilft Familien, diese schwere Zeit zu bewältigen.

Wie können Eltern und Geschwister den Tod eines Kindes verarbeiten? 2

Stirbt ein Kind, etwa an einer Krankheit, bleiben Eltern und Geschwister mit enormem Schmerz zurück. Dass das Umfeld oft nicht weiß, wie man auf einen derartigen Schicksalsschlag reagieren soll, macht die Situation in der Regel nicht einfacher. Viele von uns wissen einfach nicht, wie wir mit Trauer umgehen sollen. Oft fühlt es sich so an, als hätte sie in unserer Gesellschaft keinen Platz - wird doch über Vieles, was mit Tod, Verlust und Trauer in Zusammenhang steht, geschwiegen.

Dabei ist gerade Austausch über die eigenen Gefühle, Gedanken und Sorgen, speziell mit anderen, die Ähnliches erfahren haben, wichtig, um das Geschehene verarbeiten zu können. Das psychosoziale Nachsorgezentrum Sonneninsel Seekirchen setzt hier an und bietet genau für derartigen Austausch Raum. Regelmäßig treffen sich betroffene Familien hier zur Trauergruppe. Mithilfe fachlicher Betreuung können sie sich mit ihrer Trauer auseinandersetzen, über das verstorbene Kind sprechen und ihre Erfahrungen mit Gleichgesinnten austauschen. Das Angebot der Sonneninsel ist spendenfinanziert und für Betroffene kostenlos.

Was passiert in einer Trauergruppe?

Die Trauergruppe hilft betroffenen Eltern, den Übergang ins Alltagsleben zu bewältigen. Sie stellt einen geschützten Raum dar, in dem sie in ihrer Trauer begleitet und dabei unterstützt werden, die Balance zwischen Trauer und Leben zu finden. "Das ist eine große Aufgabe und für manche Eltern zuerst gar nicht vorstellbar", so Psychologin und Trauerbegleiterin Silvia Dovits von der Sonneninsel. "Was Eltern hier aber auch wieder erleben, ist, dass es im Traurigsein wieder ein Lachen geben kann, und dass es im Schmerz tiefe Momente von Verbundenheit, Freude und Gemeinschaft gibt".

Da die Eltern im Austausch mit anderen sind, die Ähnliches erlebt haben, ist ehrliches Verständnis und Vertrauen möglich. Da es nicht einfach ist, erstmals über seine Schicksale zu sprechen, gibt es ein Vorgespräch, in welchem Eltern vorbereitet und deren Bedürfnisse abgeklärt werden, damit sich alle Beteiligten wohl fühlen. In den Gesprächen der Trauergruppe können sich Eltern über Fragen austauschen wie: Darf ich meine Trauer so leben, wie ich es möchte? Wie setze ich in der Trauer gute Grenzen zu anderen Menschen? Wie finde ich meinen Weg in der Trauer um mein verstorbenes Kind?

Trauer ist individuell

Dovits erklärt, dass Trauer sich je nach Person und Situation ganz unterschiedlich anfühlen und äußern kann. Zusammengefasst hängt die Art und Weise, wie wir trauern, von folgenden Faktoren ab:

  • Wer bin ich? Wie habe ich bisher gelebt?
  • Welche Verlusterfahrungen habe ich schon gemacht? Wie habe ich diese bewältigt?
  • Wie war meine Beziehung zum*zu der Verstorbenen?
  • Wie hat der Tod stattgefunden?
  • Wie gut bin ich sozial eingebettet?
  • Wie geht mein Umfeld mit meiner Trauer und mit mir um?
  • Welche Unterstützung erlebe ich im Sterben, Tod und der Trauer?
  • Ist etwas offen geblieben bzw. nicht ausgesprochen worden?
  • Wie konnte ich mich verabschieden? War es möglich, mich zu verabschieden?

Wie kann man "offizielle Trauertage" wie Allerheiligen bewältigen?

Gedenk- bzw. Trauertage sind für Angehörige Verstorbener oft besonders schwer. Oft fühlen sich Betroffene mit ihrem Schmerz allein. Laut Dovits kann es für Eltern hilfreich sein, wenn das Umfeld sie in ihrer Trauer anspricht und man gemeinsam über das verstorbene Kind redet. "Es ist für die Eltern tröstlich, dass andere Menschen auch noch an ihr Kind denken. Man sollte Trauernden respektvoll, feinfühlig und achtsam begegnen, da sein und zuhören", so die Psychologin.

Natürlich gibt es nicht eine Lösung oder ein Rezept, um Trauertage zu verbringen, denn auch hier braucht jede*r etwas anderes. Während es manchen helfen kann, Dinge zu unternehmen, die der verstorbenen Person gefallen haben, kann das für andere belastend sein - lieber würden sie vielleicht stille Momente am Grab verbringen. Am besten also von allgemeinen Ideen und Vorstellungen, "wie man zu trauern hat" loslassen.

"Oftmals berichten Trauernde davon, dass die Gedanken und Ängste vor diesen 'offiziellen Trauertagen' meist schlimmer sind als der Tag selbst", so Dovits. "Wichtig ist, sich die Trauer zu erlauben. Denn es ist okay, traurig zu sein. Egal wie lange der Tod zurückliegt".

 

Aktuell