Wie kommt man als Paar wieder aus einer sexlosen Phase?

Und warum hilft es bestimmt nicht, darauf hinzuweisen, wie lange man keinen Sex mehr hatte?

Wie kommt man als Paar wieder aus einer sexlosen Phase?

Wie lang ist euer letzter Sex her? Zwei Tage, zwei Wochen, zwei Monate? Wie oft habt ihr euch schon die Frage gestellt, ob die Menge an Sex, die ihr habt, normal ist? Wie oft hattet ihr schon eine Diskussion, weil eine*e von euch mehr Sex wollte? Es ist nicht unüblich, dass in Beziehungen an irgendeinem Punkt eine gewisse Routine eintritt und mit dieser Routine auch eine Phase, in der der Sex ausbleibt oder massiv weniger wird.

Dann stellt man sich natürlich die Frage: Wo ist die Erotik, die Lust vom Beginn unserer Beziehung hin? Viele Personen, die nicht die gewünschte Menge an Sex haben, fixieren sich dann auf bestimmte Zahlen: "Wir hatten seit 4 Wochen keinen Sex. Der Sex dauerte nur 2 Minuten. Wir hatten diesen Monat nur einmal Sex."

Augen zu und durch?

Sollten Paare es in solchen Fällen "einfach tun"? Einfach Augen zu und durch, egal ob man Lust dazu empfindet oder nicht? Paarpsychologin Esther Perel hält von diesem Rat wenig. Im Gegenteil.

Sie warnt davor, dass es ja häufig Gründe gibt, wieso die Erotik ausgeblieben ist und man sich nicht auf den reinen körperlichen Akt von Sex fixieren sollte: "Wir sprechen dann nicht mehr über die Kunst von Sex, sondern über die Mechanik von Sex. Meiner Erfahrung nach verschlimmert der Leistungsgedanke die Probleme oft noch - und lässt den wichtigsten Faktor für das, was uns wirklich gut tut, außer Acht: die Erotik. Erotik ist eine Kunst. Aber sie ist auch eine Übungssache. Und wenn wir aus der Übung sind, kann selbst der erste Schritt - sich einfach die Erlaubnis zu erteilen, die lustvolle Dimension des Lebens zu erforschen - entmutigend wirken, vor allem, wenn es um einen anderen Menschen geht."

Sie gibt außerdem zu Bedenken, dass niemand je mehr Sex hatte, indem er dauernd darüber gesprochen hat, dass es bereits zwei Wochen her ist. Es also immer wieder anzusprechen ist also ebenfalls nicht die Lösung.

Erotik außerhalb des Schlafzimmers

Stattdessen lädt sie Paare dazu ein, die Erotik aus dem Schlafzimmer zu holen und sich selbst bewusst zu machen, was Momente sind, die man erotisch findet, unabhängig von Sex. Sie erklärt: "Es geht nicht darum, die Häufigkeit zu erhöhen, sondern darum, eine neue Stimmung zu erzeugen. Und entgegen der landläufigen Meinung beginnt die Erotik nicht im Schlafzimmer. Erotik kann durch die willkommene Berührung deines Geliebten entstehen oder dadurch, dass du merkst, wie sich der Spätsommerregen auf deiner Haut anfühlt, und du deinen Geliebten nach draußen einlädst, um ihn mit dir zu erleben. Erotik bedeutet, neue Dinge zu erleben, neue Orte zu besuchen und neue Freunde zu finden. Es bedeutet auch, sich an die alten Dinge zu erinnern, die man längst vergessen hat."

Sex ist mehr

In ihrer Praxis fragt sie in solchen Momenten Paare gerne nach dem Lied ihrer Beziehung. Manchmal bekommt sie zwei unterschiedliche Antworten darauf, doch auch das ist in Ordnung. Sie rät Paare diese Lieder zu spielen und wiedermal gemeinsam zu überlegen: Was macht man gerne gemeinsam? Wie findet man gemeinsam wieder Energie? Was bemerkt man schönes an seinem*seiner Partner*in?

Wieso diese Übungen wichtiger sind, als einfach Sex ohne Lust zu haben, erklärt sie ebenfalls: "Wenn es darum geht, sich gut zu fühlen, spielt sich die Hälfte zwischen unseren Beinen ab, die andere Hälfte zwischen unseren Ohren. Das ist Erotik. Es ist die Praxis der Erkundung, der Neugier, der Verbindung - nicht nur körperlich, sondern auch emotional und psychologisch. Je mehr wir uns auf Erotik außerhalb des Schlafzimmers einlassen, desto mehr wird das Schlafzimmer einfach zu einem weiteren Ort, an dem Erotik stattfindet. Sex ist nicht nur etwas, das wir tun; es ist eine Emotion und ein Zustand in den wir uns versetzen und auf den wir uns einlassen müssen."

 

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