Wie kann ich bei einer Gehaltsverhandlung mehr rausholen?

Der Pay-Gap kommt nicht von ungefähr. Frauen sind bei ihren Lohnforderungen zurückhaltender. Ich habe mir Tipps geholt, wie man mehr rausholen kann.

Zwei Menschen schütteln Hände bei Bewerbungsgespräch

Milch, Brot, Käse, Gemüse, Joghurt: Viel ist eigentlich nicht im Einkaufs­wagen, aber all das kostet heute so viel wie vor einem Jahr noch der Wochenend­einkauf. Die Teuerung war im September zweistellig und damit laut Statistik Austria so hoch wie seit 70 Jahren nicht mehr. Die dies­jährigen Lohnrunden werden eine Herausforderung. Doch abgesehen von der Kollektivvertragsanpassung ist die Gehaltsentwicklung eine persönliche Angelegenheit. Will man mehr Geld, muss man sich selbst darum kümmern.

Häufige Fehler

Vor allem Frauen haben hier Nachholbedarf. "Die beiden größten Fehler, die Frauen punkto Gehaltsverhandlung machen, sind erstens, nicht zu verhandeln, und zweitens, viel zu geringe Forderungen zu stellen", weiß People-and-Culture-Managerin Nathalie Karré von ihren Coachings und Workshops. Alle 18 Monate sei es normal, nach einer Gehaltserhöhung zu fragen, sagt sie. Das überrascht mich.

Vorbereitung

Das Wichtigste sei eine gute Vorbereitung mit klar defi­niertem Markt- und Mehrwert. "Es ist immer wieder überraschend, dass vor allem Frauen nicht recherchieren, wie viel Menschen in vergleichbaren Positionen verdienen, um so mehr Sicherheit für ihre eigene Gehaltsforderung zu bekommen", so Karré. Sie warnt aber davor, im Gespräch das Gehalt von Kolleg*innen als Vergleich zu verwenden; außerdem sollte man sich zurechtlegen, was der ­individuelle Mehrwert für das Unternehmen ist, also bisherige Leistungen und Erfolge, Erfahrung und besondere Kenntnisse, die dem Unternehmen einen ebensolchen bieten.

"Argumentiere immer aus der Sicht des Unternehmens", rät Karré, "und hebe dir das stärkste Argument auf, falls die Argumente wegdiskutiert werden. Dann hat man etwas zum Nach­legen." Es ist eine Gehaltsverhandlung, und wie der Name schon sagt, sollte man sich nicht mit dem ersten Angebot zufriedengeben. Zehn bis 20 Prozent mehr seien meist möglich, weiß Karré.

Weniger ist nicht mehr

Ein weiterer Trick ist, mehr als das Zielgehalt zu fordern. Frauen geben sich nach wie vor mit weniger zufrieden. "Gerade wenn das aktuelle Gehalt unter dem Marktwert ist, empfehle ich, mit einer hohen Forderung in die Gehaltsverhandlung zu gehen. Das kann bis zur Verdopplung des Gehalts gehen. Es ist immer wieder beeindruckend, nach einer gut vorbereiteten Verhandlung zu hören, wie einfach es war, die Forderung durchzusetzen."

 

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