Wie kann der Arbeitsmarkt der Zukunft aussehen?

Die Corona-Krise hat den Arbeitsmarkt auf den Kopf gestellt. Was das für die Generation Y bedeutet und wie wir die Veränderung für uns nutzen können.

Unternehmer*innen

Umstrukturierungen, Home Office und Schließungen ganzer Abteilungen und Sektoren: Der Arbeitsmarkt hat sich seit der Corona-Krise in kürzester Zeit immens verändert.

Wie wir gestärkt aus der Krise hervorgehen können, was sich nun endlich ändert und wie die Generation der Millennials gerade besonders punkten kann, haben wir Dr. Steffi Burkhart gefragt. Sie ist Leistungssportlerin, promovierte Gesundheitspsychologin und Unternehmerin. Mit ihrem Buch Die spinnen, die Jungen! Eine Gebrauchsanweisung für die Generation Y (z.B. bei Thalia um 25,60€) spricht sie sich für die jungen Generationen auf dem Arbeitsmarkt aus.

WIENERIN: In deinem Buch Die spinnen, die Jungen! Eine Gebrauchsanweisung für die Generation Y sprichst du ein Plädoyer für die Stärken der Generation Y (*1980 - 1995) aus. Warum wirken die Stimmen der jüngeren Generationen derzeit so leise?

Dr. Steffi Burkhart: Wir, die Generation Y, aber auch die Generationen Z (*1995-2010) und Alpha (*2010-2025) sind quantitativ jeweils in der Minderheit. Wir haben keine Lobby, dabei sind wir qualitativ wichtige Generationen. Nicht nur, weil wir 2030 mit über 70 Prozent also den größten Anteil der Workforce in der Welt stellen, sondern auch, weil wir die Schlüsselgenerationen sind, um das Unmögliche möglich zu machen. Trotzdem spielen Millennials derzeit sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft weltweit kaum eine relevante Rolle.

Die Corona-Krise hat uns einen abrupten Fortschritt in der Digitalisierung der Unternehmenskultur gebracht. Ebnet diese Entwicklung auch den Weg für gelebte Diversität am Arbeitsplatz?

Wir alle sprechen schon seit Jahrzehnten davon, dass wir mehr Diversität in Teams benötigen, bis hin in Spitzenpositionen. Eine wissenschaftliche Wahrheit, die leicht nachzulesen ist, aber kaum in die Realität umsetzt wird. Im Gegenteil, wir erleben gerade jetzt in der Corona-Pandemie einen Rückschritt vieler Entwicklungen hin zum Beispiel auch zu männlichen Monokulturen.

Um Denk- und Meinungs-Parität in Teams zu erreichen, müssen wir uns auf die kritische Masse von Subgruppen konzentrieren. Das heißt, jede Untergruppe – Gender, Nationalität, Alter, Disziplin, Hautfarbe – muss mit derselben prozentuellen Verteilung vertreten sein, damit Diversität erzeugt wird. Eine wichtige verhaltensökonomische Erkenntnis, die Professorin Iris Bohnet, Dean der John F. Kennedy School in Harvard, in ihrem Buch What works. Gender Equality by Design so vorzüglich beschreibt. Sie findet in der Praxis nur leider fast keine faktische Anwendung.

Junge Menschen müssen sich derzeit keine Sorgen machen, im Gegenteil.

von Dr. Steffi Burkhart

Worauf warten – der perfekte Zeitpunkt ist jetzt! Der 5. WIENERIN Gründerinnentag steht 2021 ganz im Zeichen von Innovation und neuem Mut. Was diesmal auch nicht zu kurz kommen darf: alles rund um die Themen Nachhaltigkeit, Green Investing und Green Founding. Und natürlich immer im Mittelpunkt: der Anspruch, die ökonomische Selbstbestimmung von Frauen zu fördern. Seid dabei!

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Wie können wir uns den Arbeitsmarkt in der Zukunft vorstellen?

Qualifizierte und talentierte Arbeitskraft wird zum mangelnden Rohstoff der Zukunft, weshalb ich mich als Human Capital Evangelist bezeichne, um auf diese Relevanz aufmerksam zu machen. Die Digitalisierung und die Implementierung moderner Technologien in Unternehmen, aber auch der Bedarf an neuen Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft, führen dazu, dass 65 Prozent der Jobs, in denen die Generation Z und Alpha zukünftig arbeiten werden, heute noch gar nicht existieren.

Wie bereiten wir unsere Jüngsten auf diese Zukunft vor? Sicherlich nicht ausreichend, das steht fest. Eine Gesellschaft, die Menschen höher entlohnt, die auf das Geld aufpassen als auf die Kinder, ist sicher keine zukunftsfähige Gesellschaftsform. Kompetenzen, die derzeit im Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, korrespondieren zunehmend weniger mit den Kompetenzen, die von Organisationen benötigt werden und den Aufgaben sowie Arbeitsmodellen, -stile und -wünsche der zukünftigen Generationen. Ich sage voraus, dass sowohl die Vier-Tage-Arbeitswoche, das Bedingungslose Grundeinkommen, aber auch hunderte weiterer neuer Lebens- und Arbeitsmodelle entstehen werden, die wir noch vor zehn Jahren als undenkbar und unfinanzierbar abgetan hätten.

Zurück ins Jetzt - was können arbeitssuchende Millenials mit diesem Wissen tun? Wie können wir uns auf diese Veränderungen vorbereiten?

Der Jobmarkt ist jetzt gerade in einer Demaskierungssituation. Das bedeutet, dass alle Stärken und Schwächen gerade offengelegt sind. Dabei gibt es drei große Trends, die jede*r Jobsuchende oder jede*r, der*die sich umorientieren möchte, bedenken sollte:

1. Das Arbeiten für den öffentlichen Dienst wird immer attraktiver. Diesen Trend beobachte ich allerdings auch schon seit den letzten fünf Jahren, besonders bei der Generation Z. Aber auch Quereinsteiger aus der Wirtschaft werden gute Möglichkeiten im öffentlichen Dienst finden. Besonders das Land Niederösterreich und die Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zieht in Österreich derzeit enorm viele Top-Talente an.

2. Ich beobachte einen unfassbar starken Anstieg an jungen Selbstständigen, Kreative gehen raus aus Agenturen und machen ihr eigenes Ding, SEO-Expert*innen verfolgen Konzepte wie Dropshipping, Print-on-demand und das Interessante dabei ist, sie machen es für sich und gleichzeitig für Gleichaltrige erfolgreichere Unternehmer*innen.

3. Alle Unternehmen suchen derzeit händeringend digitale Könner, egal wie gut oder schlecht es der Branche oder dem Betrieb geht. Nur weil gerade für ein paar Monate Lockdown ist, heißt es ja bitteschön nicht, dass es nicht in wenigen Wochen oder Monaten wieder losgeht.

Ich erwarte den größten Arbeitsmarktboom, was die Nachfrage an jungen talentierten Mitarbeiter*innen angeht. Junge Menschen müssen sich derzeit keine Sorgen machen, im Gegenteil, es geht jetzt darum, eine Beziehung zu einem Unternehmen aufzubauen, bzw. zu Personen. Vor allen Dingen LinkedIn eignet sich dazu hervorragend. Der einzige Sektor, der gerade ein bisschen schwierig geworden ist, ist Education und Weiterbildung – sowohl was die eigene Weiterbildung betrifft als auch die betriebliche Weiterbildung.

Es gibt extrem gute Angebote, die nur leider wenig nicht genutzt werden. Hier gilt es, intrinsisch motiviert Angebote zu nutzen – durchaus auch international. Beispielsweise vom MIT oder der Harvard University.

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