Wie hat das Homeoffice unsere Arbeits-Freundschaften verändert?

Manche von uns sind jetzt seit 1,5 Jahren im Homeoffice. Was ist aus unseren Work-Besties geworden?

Work-Friends

Als erwachsener Mensch Freundschaften zu schließen ist nicht so einfach. Früher ging das ganz natürlich durch dieselben Hobbys, dieselbe Schulklasse oder das Studium. Oder man war in derselben Freundesgruppe und schwupps, war man befreundet. Als Erwachsene*r verbringt man den Großteil seiner Zeit in der Arbeit und die restliche Zeit ist gefüllt mit dem Versuch eine saubere Wohnung zu haben, sich genug zu bewegen, genug Wasser zu trinken, die bestehenden sozialen Kontakte zu pflegen und sich gesund zu ernähren. Wer hätte hier noch Zeit, neue Freundschaften zu schließen?

Ja, wir geben zu, das ist jetzt etwas übertrieben. Aber ihr wisst, was wir meinen. Fakt ist, dass man als Erwachsene*r viele Freundschaften in der Arbeit schließt, da man sich jeden Tag sieht und viel Zeit miteinander verbringt. Wie hat die Pandemie und vor allem das Homeoffice diese Freundschaften verändert?

Ja, gerne, irgendwann

Anfangs hat man vielleicht noch regelmäßig einen Gruppencall gemacht, einen so genannten "Check-in", um zu sehen ob noch alle am Leben sind und zumindest oben etwas Anständiges tragen (let’s be honest, wir hatten mehrere Monate nichts anderes als eine Jogginghose an). Doch je mehr Zeit verging, umso mehr haben wir uns daran gewöhnt, einfach allein vor uns hinzuarbeiten.

Das heißt auch, dass wir in der Mittagspause keinen Office-Gossip ausgetauscht haben, sondern unseren Salat mit der neusten Folge unserer Lieblingsserie verspeist haben. After-Work-Drinks? Ja voll gern, irgendwann, wenn alles wieder besser ist. Doch jetzt ist alles wieder besser (zumindest teilweise) und doch … die After-Work-Drinks bleiben aus.

Effizienz vor Connection

Stattdessen sind wir effizienter denn je. Wir arbeiten, um zu arbeiten, nicht um soziale Kontakte zu pflegen. Das Hauptziel eines jeden Arbeitstages besteht darin, unsere Arbeit zu erledigen und dann unsere Laptops zu schließen. Unsere scheinbar endlosen Aufgabenlisten zu unterbrechen, um darüber zu plaudern, was wir am Wochenende gemacht haben oder was wir von Olivia Rodrigos Album halten, ist, offen gesagt, anstrengend geworden.

Darunter leiden die Beziehungen zu unseren Kolleg*innen. Oder zumindest entwickeln sie sich weiter. Denn wie auch bei unseren echten Freund*innen hat die Pandemie dazu geführt, dass wir uns vor Augen rufen mussten: Interesse ich mich wirklich dafür, wie das Wochenende dieser Person war? Oder reden wir normalerweise darüber, weil wir uns halt sehen und es ein Weg ist, Konversation zu machen. Wenn all die spontanen Begegnungen in Büro-Toiletten, Küchen und Kantinen und am Schreibtisch ausbleiben, merken viele, dass sie die andere Person rein menschlich nicht vermissen.

Sinkende Arbeitszufriedenheit

Und auch wenn es sich gerade am natürlichsten und gemütlichsten anfühlt, so ist das insgesamt für unsere Arbeitszufriedenheit nicht förderlich. Die Forschung hat bewiesen, dass sich der Aufbau von Freundschaften mit Kolleg*innen positiv auf die Arbeitsleistung und die allgemeine Zufriedenheit am Arbeitsplatz auswirkt. Es ist also wichtig, dass wir zumindest versuchen, Beziehungen zu unseren Kolleg*innen aufzubauen, die über die täglichen Aufgaben hinausgehen. Aber werden die Freundschaften, die wir einmal hatten, jemals wieder dieselben sein?

Da es keine Möglichkeit mehr gibt, sich spontan auf dem Flur zu treffen oder nach der Arbeit auf einen Drink in der Bar um die Ecke zu gehen, müssen wir uns mehr denn je bemühen, unsere Freundschaften am Arbeitsplatz zu pflegen und zu erhalten. Dabei macht es Sinn, auf technische Hilfsmittel wie Slack zurück zu greifen oder beim nächsten Teams-Call einfach noch kurz in der Leitung zu bleiben und etwas auszutauschen, das nichts mit der Arbeit zu tun hat. Und glaubt uns, wenn wir uns erst wieder daran gewöhnt haben, interessiert uns auch wieder wirklich, wie das Wochenende der anderen Person ist. It just takes time.

 

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