Wie Hamsterkäufe und Social Distancing unser Essverhalten beeinflussen können

Während der Corona-Pandemie scheint Essen mehr Bedeutung zu bekommen. Das kann zu gestörtem Essverhalten führen, warnen Expert*innen.

Social Distancing Essverhalten

Wir lesen von vermeintlicher Nahrungsknappheit und Menschen, die Pasta und Tomatensugo hamstern. Gleichzeitig sehen wir auf Instagram wieder vermehrt #fooddiaries – also Menschen, die akribisch ihre tägliche Nahrungsaufnahme mit der Followerschaft teilen, jetzt wo doch endlich wieder mehr Zeit zum Kochen und Ausprobieren von Rezepten ist. Kurzum: Essen bekommt aktuell viel mehr Bedeutung als wir das gewöhnt sein mögen.

Wir nehmen Essen durch die Pandemie anders wahr

Das ist zum Einen natürlich nicht verwunderlich: Die Welt ist mit der Corona-Pandemie aktuell im Ausnahmezustand, läuft auf Minimalbetrieb. Die Wahrnehmung dessen, was wir wirklich zum (Über-)Leben brauchen verändert sich – auch beim Thema Essen. Zum Anderen kann ebenjene veränderte Wahrnehmung von Lebensmitteln auch triggernd wirken. "Bei Menschen, die bereits eine Vorgeschichte mit gestörtem Essverhalten haben – das sind in den USA rund 75 Prozent aller Frauen – kann Social Distancing in Bezug auf das Essverhalten sehr triggernd wirken", so Christy Harrison, Ernährungsberaterin und Autorin von Anti-Diet gegenüber Bustle. Die neue Wahrnehmung könne "vermehrt zu gestörten Verhaltensweisen wie restriktivem Essen, Binge-Eating oder Bulimie" führen.

Vermehrt gestörtes Essverhalten durch Corona

Aber das betreffe nicht nur Menschen mit einer bereits bestehenden Essstörung: "Selbst Menschen, die zuvor ein gesundes Verhältnis zu Essen hatten, können getriggert werden, wenn der Zugang zu Lebensmitteln plötzlich nicht mehr so sicher erscheint", so die Expertin. Zwar wurde von offizieller Seite immer wieder darauf hingewiesen, dass keine Nahrungsmittelknappheit besteht, dennoch wirken die Zeiten unsicherer als wir das gewohnt sind. BEAT, eine amerikanische Organisation, die Menschen mit Essstörungen betreut, hat seit Corona um 30 Prozent mehr Anrufe an der Helpline verzeichnet, berichtet etwa The Independent.

Unsicherheit führt zu ungesundem Essverhalten

Dass unsichere Zeiten eher zu Essstörungen führen, weiß man aus der Wissenschaft: Eine 2017 durchgeführte Studie mit mehr als 500 Proband*innen zeigte, dass Menschen eher ein gestörtes Verhältnis zu Essen haben und Binge-Eating oder restriktive Essgewohnheiten praktizieren, je mehr Unsicherheit die Menschen empfinden. Dazu kommt, dass unterschiedliche Emotionen sich unterschiedlich auf unsere Ernährung auswirken können: "Einsamkeit, Langeweile, Angst, Besorgnis, Traurigkeit oder das Gefühl, nicht produktiv und nützlich genug zu sein, begünstigen ein gestörtes Essverhalten", so Ernährungsberaterin Jacqueline Stone gegenüber Bustle.

Essgewohnheiten können sich in der Isolation verändern – und das ist okay

Nicht jede Veränderung des Essverhaltens ist aber automatisch als Gefahr zu sehen. "Menschen, deren Essgewohnheiten sich in dieser Zeit der Isolation verändern, sollen versuchen, sich in Verständnis und Empathie sich selbst gegenüber zu üben. Das ist eine Situation, die wir so alle nicht kennen und das kann sich in Veränderungen beim Essen widerspiegeln", so Stone. Essen könne sich in Zeiten der Isolation nach Verständnis und Liebe anfühlen: "Wenn du aktuell das Gefühl hast, deine Ernährung sei gerade außer Kontrolle, dann kann das sogar ein Zeichen dafür sein, dass deine Ernährung vor dieser Pandemie zu restriktiv war."

 

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