Wie haben Lieder in den 2000ern Pick-Me-Girls beeinflusst?

Wie hat die Popkultur beeinflusst, wie Frauen sich selbst und andere wahrnahmen? Und warum ist es so wichtig, dass wir aufhören Weiblichkeit negativ darzustellen?

Wie haben Lieder in den 2000ern Pick-Me-Girls beeinflusst?

Vor einigen Wochen haben wir das erste Mal über "Pick-Me-Girls" gesprochen. Ein Thema, das gerade aktueller denn je ist und immer mehr Content Creator*innen auf Social Media aufgreifen. Dabei geht es um die Frauen, die gerne Bier trinken, unkompliziert sind, sich für Fußball begeistern, mit den Jungs abhängen und immer wieder mal auch mit dem Freund einer anderen flirten. Sie wollen Bestätigung von Männern, indem sie zeigen, dass sie anders sind. Sie sind nicht wie andere Frauen, nicht hysterisch, nicht kompliziert. Ihr wisst, wovon wir sprechen? Besonders in den 2000ern wurde diese Art von Frau in Songs und Filmen gerne idealisiert und aktuell vom Internet gerade zu verhasst.

Nicht wie andere Frauen

In der Popkultur der 2000er Jahre war sie diejenige, die am Ende der "hübschen, aufgetakelten, oberflächlichen Cheerleaderin" den Freund ausgespannt hat, weil er jemanden wollte, der "nicht wie die anderen Frauen ist", sondern ihn versteht. Ich denke, das Problem ist prinzipiell klar, aber um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Das Pick-Me Girl setzt oft andere Frauen herab, um männliche Aufmerksamkeit und, wie Urban Dictionary anmerkt, vor allem männliche Bestätigung zu erlangen, und spielt damit auf patriarchale und frauenfeindliche Stereotypen an. Denn weiblich sein ist schlecht, uncool und schwach. Und genau damit spielt das "Pick-Me-Girl".

Pick-Mes verdienen mehr?

Diese Muster und Gedankenweisen haben wir vor allem auch aus der Popkultur gelernt. Besonders rund um das Jahr 2000 erschienen viele Songs und Filme, die weibliche Frauen lächerlich machten. Im Deutschsprachigen Raum ist ein super Beispiel dafür der Film Zweiohrküken, in dem ganz klar ein "Pick-Me-Girl" gezeigt wird, die so tut als wäre sie die beste Freundin des männlichen Hauptdarstellers und am Ende versucht ihn zu verführen. Influencerin Loren Schaffer greift diese Problematik auf und macht sichtbar, wie Songs von Taylor Swift, Pink und Avril Lavigne verherrlichte, Frauen zu betrügen, zu verarschen einfach weil sie sich dazu entschieden ihre Weiblichkeit zu zeigen. Sie porträtierten deutlich als dumm und zeigten, dass das "kluge, nerdy" Mädchen besser war und mehr verdiente.

Es geht nur darum, den Mann zu kriegen

Loren Schaffer erklärt, wieso es wichtig ist diese Lieder und Filme aufzuarbeiten und die Probleme aufzuzeigen: "Das Ziel meiner Serie ist es, einen neuen Blickwinkel auf die Musik zu werfen. Einiges davon ist nicht gut gealtert. Die Songserie, die ich gerade mache, zeigt, dass Filme und Musik vor allem in der 2000er-Ära ständig Frauen gegeneinander ausspielten und uns die Idee einhämmerte, dass das Leben nur ein Wettbewerb für Männer ist. In Filmen rund um 2000 gab es nur zwei Arten von Frauen, die man sein konnte: Entweder die seltsame, schrullige, ausgestoßene Rebellin oder das ultrafeminine, beliebte Mädchen, das Make-up und Miniröcke liebt. Aber im wirklichen Leben gibt es ein unendliches Spektrum von Individuen dazwischen, und so viele von uns sind beides oder alles davon. Diese Lieder haben bei mir funktioniert. Ich war ein Pick-Me-Girl, ich dachte, es geht nur darum, den Mann zu kriegen. Wahrer Feminismus ist, dass wir niemanden niedermachen oder als dumm bezeichnen, wir ermutigen Frauen, das zu sein, was sie wollen. Wir loben nicht die Ärztin und machen eine Sexarbeiterin schlecht. Heute lautet die Botschaft: Tragt was auch immer ihr wollt, tut was immer ihr wollt, seid dünn oder kurvig oder was immer ihr seid."

Sie betont, dass sie viele dieser Künstler*innen liebt, weist aber auch darauf hin, welchen Einfluss solche Lieder und Filme darin haben können, wie wir andere Frauen oder uns selbst sehen.

 

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