Wie geht Safer Sex? 5 Tipps für mehr Respekt in der Lust

SaferSex hat ein Imageproblem. Dabei bietet ein respektvoller Umgang mit sich und anderen ganz neue Möglichkeiten für Lustvolles. Wie das geht - und welche Tools sexuellen Kontakt safer machen.

Wie geht Safer Sex?

Oversexed but underinformed - also mit sexuellen Botschaften zugeschüttet und doch nicht g'scheit aufgeklärt: So könnte man die meisten Menschen der westlichen Welt beschreiben. Wie sonst kann man sich die heute weitverbreitete "Wird schon nix sein"-Haltung erklären? Dank Tinder und Co haben wir so viele Sexualpartner*innen wie nie - die Kehrseite der Medaille: Laut Statistiken sind Geschlechtskrankheiten wieder auf dem Vormarsch. Während HIV seinen Schrecken durch gute medikamentöse Behandlung stark eingebüßt hat, wird man Geschlechtskrankheiten schwer los, Genitalherpes überhaupt nie mehr.

Janina Vivienne - so nennt sie sich selbst - hat mit sex-aware.org eine Organisation gegründet, die sich für Safer Sex und sexuelle Gesundheit einsetzt. Der Wiener Verein klärt Erwachsene auf, informiert über sexuell übertragbare Krankheiten und lehrt körperliche Unversehrtheit und Konsens als oberstes Gebot. Gegen die Behauptung, dass Safer Sex nicht lustvoll geht, tritt sex-aware.org vehement auf. Laut Vivienne ist es nämlich auch beim Sex wie mit allen anderen Dingen im Leben: Wer wirklich gut sein will, muss sich in der Materie auskennen und üben, üben, üben. Wir haben Expertin nach ihren Tipps für Safer Sex gefragt.

1. Über Sex reden

In ihren Seminaren und Aufklärungstalks verwendet Janina folgende Metapher: "Wenn ich einen Berg besteige, geht es darum, welches Equipment ich mitnehme. Mit wem steige ich auf diesen Berg, wie sichere ich mich ab und was tue ich, wenn das Seil reißt?" Genauso sollte es auch beim Sex sein: Gute Vorbereitung kann über Gesundheit und Krankheit für mich und andere entscheiden. Im Zeitalter der seriellen Monogamie liegt es nahe, diese Gespräche zu üben. "In sogenannten Fruits of Passion Workshops und Safer-Sex-Talks üben wir, die eigenen Bedürfnisse auszusprechen: Worauf habe ich Lust, wie will ich Sex haben, was ist mir wichtig oder ein No-Go? Je öfter man darüber spricht, desto weniger komisch und ungewohnt wird es." Dazu gehört auch, den HIV-Status des*r potenziellen Partners*Partnerin abzufragen und sich selbst testen zu lassen. "Ich denke, man kann sich viel besser fallenlassen und einander näherkommen, wenn man das Gefühl hat, der Mensch beschäftigt sich damit und weiß über seinen eigenen Körper Bescheid. Das ist für mich sehr sexy."

2. Sex-Tools bereit halten

Nach dem Gespräch über die eigenen Grenzen, Wünsche und Vorstellungen von sicherer Sexualität geht es meistens in die Praxis. "Alles, was man vorher geklärt hat, macht das Liebesspiel lustvoller. Wenn man schon mittendrin ist, ist es umso schwerer, wieder aus der Situation rauszugehen", so Janina. Sie hat immer einen Beutel mit Safer-Sex-Tools dabei, um vorbereitet zu sein. Desinfektionsspray und Handschuhe klingen dann doch etwas nach Klinikhygiene, aber: "Es kommt darauf an, wie man mit den Tools umgeht. Man kann mit einem Latexhandschuh auch lustvoll über den Körper streichen und das Gefühl von Latex auf der Haut genießen." Alles eine Frage der Einstellung!

3. Richtige Kondom-Größe wählen

Im Internet kursieren Videos, in denen Kondome zu Ballons aufgeblasen werden, um zu zeigen: Da passt schon einiges rein. Männer, die sagen, das Kondom sei "einfach zu klein", wirken da schnell wie Egomanen mit Größenkomplex. Hier ist die Größe aber entscheidend. Janina Vivienne: "Sehr viele Männer haben Probleme mit der Handhabung: Entweder versagt die Erektion, wenn das Liebesspiel unterbrochen wird, oder das Kondom passt einfach nicht richtig. XXL-Varianten aus dem Drogeriemarkt sind etwas länger, aber nicht breiter." Bei Spezialmarken wie my-size-condoms.com kann man seine Größe per Kondom-Guide berechnen und passende Modelle bestellen. Das schafft Sicherheit auf allen Seiten.

4. Sich selbst und anderen gegenüber ehrlich und respektvoll sein

Konsens als oberstes Sexgebot erfordert Respekt vor dem eigenen und dem Körper des oder der anderen. Laut Janina Vivienne geht es dabei auch um Selbstliebe: "Auf mich und andere achtzugeben ist für mich in jeder Art von Verbindung essenziell. Durch unsicheren Sex bringt man Menschen in Gefahr" - manchmal auch die, die als Sexpartner*innen noch folgen. "Wenn man merkt, dass man eine Geschlechtskrankheit hat, ist Scham fehl am Platz: Man muss den Leuten, mit denen man intim war, Bescheid geben. Das ist hart, aber am Ende werden ganz sicher alle dankbar sein."

5. Bei der Gesundheit keine Kompromisse eingehen

Dass Janina mit ihrer Organisation einen Nerv getroffen hat und unser Sexleben vielfältiger wird, zeigt auch das große Interesse an Events wie dem Ende Oktober abgehaltenen Intimacy Symposium in Wien. 150 Besucher*innen aller Altersgruppen haben bei Safer-Sex-Stationen eine Einführung in das Thema bekommen. "Erst vor Kurzem ist eine 45-jährige Frau nach einem meiner Workshops auf mich zugekommen und meinte, sie hatte solche Probleme mit Safer Sex, weil die Männer ständig versucht haben, sie umzustimmen. Seit sie in ihrer Haltung klar ist, gibt es da überhaupt keine Diskussionen mehr. Lustvoller Safer Sex ist möglich. Wenn man nur 50 Prozent von dem macht, was ich da lehre, sind es schon einmal 50 Prozent mehr, als die meisten Leute tun." Der erste Schritt in Richtung gesunde Safer-Sex-Revolution ist getan.

 

Aktuell