Wie geht Patchwork-Weihnachten?

Durchschnittlich brauchen Patchworkfamilien sieben Jahre, bis alles rundläuft, heißt es. Mittlerweile ist WIENERIN-Kolumnistin Marita Haas in Jahr fünf angekommen, und hofft inständig, dass es stimmt.

Marita Haas Kolumne Jänner

Ich habe eine Umfrage gemacht. Anzahl der Teilnehmer*innen: fünf. Altersdurchschnitt: 12,5. Alle Teilnehmer*innen haben Patchworkfamilienhintergrund und sind Weihnachtsprofis, weil mindestens acht Jahre Erfahrung. Erste Frage: Was findet ihr zu Weihnachten am besten? "Zweimal feiern!", kommt da von allen -zweimal Geschenke. "Ein riesiger Baum!"(Dieser Punkt geht an mich, denn nichts geht über einen Baum, der an die Decke stößt!)"Viel Süßes.""Zweimal Fondue."(Aha, Lieblingsessen nicht nur bei uns.)"Dass ich manche Sachen doppelt bekomme."(So viel zur Abstimmung mit den Ex-Partner*innen.) Was wird nicht so gut gefunden?"Es ist irgendwie stressig. Omas, Opas, Tanten, Onkel; gleich wieder weitermüssen. Aber ansonsten: alles gut."

WEIHNACHTSLOGISTIK FÜR ANFÄNGERINNEN. "Wie macht ihr das zu Weihnachten?", werde ich oft gefragt, "feiert ihr alle gemeinsam, getrennt, doppelt - wann überhaupt?" Mittlerweile haben wir ein System: Sind die Kinder zu Weihnachten bei uns, feiern sie Silvester bei den jeweils anderen Elternteilen; sind sie am 24. nicht da, kommen sie am Silvesterabend wieder zurück. Das große Fest findet natürlich trotzdem statt - es wird einfach "vorverlegt". Heuer sind wir dran mit Weihnachten am 23. Besonders stressig, weil da ja noch Schule ist. Das bedeutet: Kinder abholen, Baum schon vorher schmücken, irgendein Programm am Nachmittag erfinden, damit dann, wenn es dunkel ist, der WowEffekt größer ist. Dass die Achtjährige, die bis zuletzt an dem goldenen Engerl festhielt, das vielleicht doch vorbeifliegt und Wünsche erfüllt, jetzt auch weiß, dass es kein Christkind gibt, macht es heuer ein bisschen einfacher.

WEIHNACHTEN MIT UND OHNE KINDER. Ich liebe Weihnachten mit den Kindern: das Chaos, die Lichter, die Aufregung, den riesigen Baum. Den Moment, an dem alle vor Aufregung nicht mehr still sitzen können. Die weit schwierigere Frage ist: Was macht man dann zu zweit am 24.? Zu Hause vor dem bereits "befeierten" Baum? Noch mal feiern ist zu traurig - die Lücke ist groß, wenn fünf von sieben fehlen. Weggehen, in einem guten Restaurant abendessen? Heuer ohnehin schwierig. Wegfahren ist eine Option - die Suche nach dem Hotel schon schwieriger. "Gemeinsam mit den Familien singen wir Weihnachtslieder und legen Geschenke unter den Baum." Ohne meine Kinder mit fremden Kindern singen und Geschenke auspacken? Na, geht wirklich nicht. Was mache ich also? Ich warte im Zimmer, bis der offizielle Teil vorbei ist.

Ich halte viel aus. Weihnachten ohne Kinder halte ich nicht gut aus. Ich freu mich auf Silvester. Und auf nächstes Jahr.

Marita Haas ist Gender-Expertin und Unternehmensberaterin in Wien. Sie lebt in einer Patchworkfamilie mit fünf Kindern. In der WIENERIN bespricht sie den Alltagswahnsinn zwischen Job und Familie und die Frage: Was ist Meines, Deines, Unseres?

 

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