Wie geht konstruktives Streiten?

Konflikte im Job sind für viele der Horror schlechthin. Eine Arbeitspsychologin erklärt, wie es konstruktiv geht.

Wie geht konstruktives Streiten?

Keine Angst vor dem Streit

Du ärgerst dich gerade. Schon wieder hat die Kollegin sich nicht an eine Abmachung gehalten - und wieder hast du nichts gesagt. Keine Sorge, damit bist du nicht allein. Arbeitspsychologin Claudia Altmann (claudia-altmann.at) erklärt, warum es ganz normal ist, die offene Konfrontation zu vermeiden: "Eines unserer größten Anliegen ist es, gemocht zu werden. Und wenn wir Konflikte eingehen, gibt es die Gefahr, dass wir nicht gemocht werden. Dann nehmen wir manchmal lieber Dinge hin." Und genau das sorgt dafür, dass die Probleme oft größer werden statt kleiner.

"Es schwelt dann so im Hintergrund. Man sieht irgendwann nur mehr das Negative der anderen Person und wird fast ein bisschen passiv aggressiv. Manchmal führt das zu einem 'Jetzt erst recht' oder einem 'Ich mach jetzt nur Dienst nach Vorschrift'", so Altmann -"damit boykottiert man aber auch sich selbst."

Klare Regeln vereinbaren

Wenn man eine gute Konfliktkultur am Arbeitsplatz will, muss man sich auf bestimmte Spielregeln einigen. "Es braucht erst mal prinzipiell die Haltung: Wir dürfen über Fehler oder Konflikte reden, diese dürfen angesprochen werden", so Altmann. So können Probleme gelöst werden, bevor sich zu viele Spannungen aufbauen. Wichtig sei es dann, zu versuchen, das Problem auf einer Sachebene zu betrachten, also "zu schauen, was genau gerade nicht so gut läuft und was mein Anteil und der Anteil der anderen ist", so Altmann.

Im direkten Gespräch gehe es darum, eher Wünsche zu formulieren, statt zu kritisieren. Was man unbedingt vermeiden sollte, sind persönliche Angriffe und Verallgemeinerungen. "Ich glaube, wichtig ist auch, dass jeder ein bisschen seinen Selbstwert dabei stärkt", so Altmann.

Es ist nichts Persönliches

Arbeit ist Arbeit und privat ist privat. Aber manchmal ist es nicht ganz so einfach. Wenn man z. B. befreundet ist oder ganz einfach die gute Beziehung zur Kollegin nicht gefährden will, wird es oft schwierig, Unzufriedenheit und Mängel anzusprechen. Kann das ein guter Grund sein, sich zurückzuhalten? Nein, sagt die Psychologin. "Ob man jetzt befreundet ist oder nicht, ist nicht das Thema. Gute Freundschaften macht es ja auch aus, über Meinungsverschiedenheiten zu reden", so Altmann.

Generell sollte man für einen Rahmen sorgen, in dem man Probleme bereden kann, schwierige Themen, bei denen sich der bzw. die andere vielleicht rechtfertigen oder erklären muss, nicht zwischen Tür und Angel anspricht. Und auch im Gespräch kann man klarmachen, dass es nichts Persönliches ist: "Man kann das ja genau so benennen: 'Da geht es jetzt um ein Arbeitsthema. Da gibt es eine Sache, die mich stört. Können wir das bitte besprechen?' "

Mach es nicht zu groß

Oft macht man ein Thema größer, als es ist, und quält sich unnötig damit. "Es geht auch immer ein bisschen ums Aushalten von Disharmonie", sagt Altmann. Und die kann nun mal vorkommen, wenn man persönliche Grenzen setzt. "Das wird andere Menschen immer vor den Kopf stoßen oder unangenehm sein. Und da muss ich manchmal akzeptieren, dass jetzt vielleicht ein paar Tage schlechte Stimmung herrscht - und dann geht es wieder weiter", so Altmann.

Emotionen sind auch okay

Gerade am Arbeitsplatz versuchen wir, möglichst professionell und beherrscht zu wirken. Wenn es um Emotionen geht, gibt es viel Unsicherheit. Wie viel darf ich zeigen, was ist okay? Die Psychologin rät hier zu mehr Offenheit: "Ich glaube, das Problem ist sogar eher, dass man am Arbeitsplatz ganz oft Emotionen nicht zeigt und versucht, ein Pokerface zu haben", so Altmann.

"Aber in Wirklichkeit sind wir ja emotionale Wesen. Da darf ich ruhig auch mal zeigen, dass mich etwas ärgert oder auch freut. Damit können andere viel mehr anfangen, als wenn ich still werde und vielleicht unfreundlich schaue."

 

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