Wie funktioniert Dirty Talk bei tauben Menschen?

Und wenn sie das Stöhnen der zweiten Person nicht hören, wie drücken sie ihre Leidenschaft aus? Wir haben mehr Infos.

Gehörlose Menschen Dirty Talk

Wer an Sex denkt, denkt meistens nur an die eigene Lebensrealität. Vergessen werden dabei oft Menschen, die irgendeine Art von Beeinträchtigung haben. Sei es körperlich, zum Beispiel durch eine Querschnittslähmung, oder auch durch eine Taubheit. Tauben Menschen begegnen noch immer viele Vorurteile oder Missverständnisse, wenn es um das Thema Sexualität geht.

Die Sexual-Wellness Marke We-Vibe hat dazu mit Conny Tiedemann gesprochen, einer Expertin für sexuelle Aufklärung für taube Menschen. Denn allein in Deutschland betrifft das Thema laut Gehörlosenbundes ca. 210.000 Menschen und das Gerücht, dass Menschen mit Behinderung keinen Sex haben, stimmt schlicht und ergreifend nicht, so Conny Tiedemann: „Man mag sich nicht vorstellen, dass ein Mensch mit Behinderung auch sexuelle Bedürfnisse hat. Denn das Wort ‚behindert‘ wendet man auch als Beleidung an. So hat man die Assoziation, behindert sein ist immer schlimm.“

Fehlende Aufklärung

Bis heute ist gute und umfangreiche sexuelle Aufklärung für taube Menschen nicht verbreitet. "Sie kennen kaum Wege, den eigenen Körper zu erforschen oder zu verstehen und aus Angst vor Einsamkeit oder weil sie keinen Ausweg kennen, bleiben sie oft in Beziehungen, die ihnen nicht guttun", so die Expertin, die sich bessere Aufklärung wünscht, die bereits im Kindergarten oder in der Schule beginnt. Einzelne Filme und Serien wie Die Gehörlosen-Uni oder CODA leisten bereits einen wichtigen Beitrag, dass die Bevölkerung mehr über taube Menschen und deren Probleme und Bedürfnisse aufgeklärt werden.

Flirten funktioniert anders

Ein weiteres Ziel von Conny Tiedemann, gemeinsam mit We-Vibe, ist auch das Tabu rund um Sexualität von tauben Menschen zu brechen: "Taube Menschen können alles außer hören. Das heißt, wir können auch gut Sex haben. Augenkontakt ist normal für uns, das wir also selten einfach so als Flirten wahrgenommen. Etwas durch die Blume sagen kommt bei tauben Menschen meist auch nicht so an. Es muss deutliche Zeichen und Worte geben, dass jemand einem gefällt, denn sonst wird es oft fehlinterpretiert."

Auch in intimen Momenten zu zweit gibt es Aspekte, die anders sind als bei hörenden Menschen. Sie bekommen vielleicht das Stöhnen der zweiten Person nicht mit, dafür sind aber alle anderen Sinne extrem geschärft und die Atmung auf der Haut kann beispielsweise intensiver wahrgenommen werden. Taube Menschen bevorzugen auch häufig Licht im Schlafzimmer, da sie dann über Gebärdensprache kommunizieren können und mehr Augenkontakt aufbauen können, um sich einander näher zu fühlen. Die taube Illustratorin Deborah Skorupka hat vier Gebärden visualisiert:

 

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