Wie finde ich das richtige Sextoy? Tipps von der Toy-Beraterin

Worauf sollte man beim Kauf eines Sextoys achten? Wie können Toys die Beziehung bereichern? Und wie läuft eigentlich so eine Toyparty ab? Wir haben bei Sextoy-Beraterin Magdalena Heinzl nachgefragt.

Wie finde ich das richtige Sextoy? Tipps von der Toy-Beraterin

Seit ihrem Start bei AMORELIE Toyparty im Winter 2019 hat Magdalena Heinzl über 55 Toypartys sowohl online als auch offline veranstaltet. Oberste Priorität hat für sie dabei die Wissensvermittlung sowie die Befähigung ihrer Kund*innen, selbstbestimmt ihr Leben und ihre Sexualität zu genießen. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie Toys unseren Sex allein oder mit dem*r Partner*in bereichern können, wie man sich in der schier unendlichen Welt der Toys zurechtfindet und wie wir es schaffen, die uns anerzogene Scham in Bezug auf die eigene Sexualität abzulegen.

WIENERIN: Du bist nun seit über einem Jahr als Sextoy-Beraterin tätig. Wie kam es dazu?

Magdalena Heinzl: Vom Grundberuf bin ich eigentlich Sozialarbeiterin und Sexualpädagogin, mittlerweile bin ich auch als Sexualberaterin tätig und befinde mich aktuell in der Sexualtherapieausbildung. Ich habe einfach gemerkt, dass ich gerne einen lustvolleren Zugang hätte, um mit Menschen über Sexualität zu sprechen.

Es ist schon sehr hochschwellig, wenn Leute kommen und sagen "Magdalena, ich habe ein Problem mit X oder Y". Es haben ja auch nicht alle Leute ein Problem, aber viele haben trotzdem die Scheu, einfach in einen Sexshop reinzumarschieren und sich da zu informieren. Ich habe gemerkt, dass ich durch Toy Partys die Möglichkeit habe, mit Menschen auf spielerische, lockere Art und Weise über das Thema Sexualität zu sprechen und ihnen so helfen kann, herauszufinden, was Sexualität und Lust für sie ganz individuell bedeutet.

Ich glaube, dass wir alle viel zufriedener wären, wenn wir uns von diesen toxischen Glaubenssätzen freimachen. Wenn wir anerkennen, dass Sexualität nichts ist, was in Stein gemeißelt ist.

von Magdalena Heinzl

Für viele Menschen - gerade Frauen - ist das Thema Masturbation nach wie vor schambehaftet. Wie können wir es schaffen, diese Scham abzulegen und offener mit der eigenen Lust umzugehen?

Wir müssen uns bewusst machen, dass wir viele Vorstellungen und Gedanken zu Sex haben, die uns von der Gesellschaft eingetrichtert wurden. Viele denken etwa, dass nur penetrativer Geschlechtsverkehr Sex ist – das stimmt halt einfach nicht! Sex ist für mich zum Beispiel alles, wo ich ein Erregungsgefühl spüre. "Man sollte mindestens drei Mal die Woche Sex haben, sonst ist das ein Zeichen, dass meine Beziehung schlecht ist" oder "Es ist meine Aufgabe, meinen Partner zu verführen" - da gibt es ja auch sehr viele, sehr heteronormative Ideen, wie Sexualität laufen muss, damit sie gut oder richtig ist.

Im AMORELIE Sexreport haben 18 Prozent angegeben, dass es ihnen unangenehm ist, ein Toy zu kaufen. Die Scham ist also noch groß, aber wir arbeiten daran, zu zeigen, das Masturbation und Toys nichts sind, was mit Perversion oder Ähnlichem zu tun hat. Es geht hier um selbstbestimmte Sexualität, die ich ergänzen kann und ein Mensch kann nun einmal nicht vibrieren oder die Pleasure Air-Technologie eines Womanizers nachmachen - da sind wir einfach limitiert. Deswegen ist es total spannend, auch diese Form der Empfindungen und Berührungen zu entdecken.

Ich glaube, dass wir alle viel zufriedener wären, wenn wir uns von diesen toxischen Glaubenssätzen freimachen. Wenn wir anerkennen, dass Sexualität nichts ist, was in Stein gemeißelt ist, dass sie sich in verschiedenen Lebenssituationen und natürlich auch mit verschiedenen Partner*innen immer wieder verändern darf.

Man kann sich ganz locker herantasten, reinspüren, wie sich was gerade anfühlt. Ich glaube, das ist der große Vorteil an Toys, man kommt wieder ins Ausprobieren.

von Magdalena Heinzl

Wie können Toys dabei helfen, die eigene Sexualität zu entdecken?

Wenn wir masturbieren, dann machen wir das ja meist immer wieder auf die gleiche Art und Weise und gehen in der Regel den "einfachsten" Weg, weil wir wissen, wie es für uns gut funktioniert. Das ist auch total fein, allerdings kann es auch sehr bereichernd und aufregend sein, immer wieder zu erforschen, was einem denn noch gefallen könnte.

Da sind Toys eine super Ergänzung, weil ich über dieses spielerische "Ich probiere dieses Toy jetzt mal aus" auch weniger diesen Druck habe, dass es gleich bombastisch sein muss. Man kann sich ganz locker herantasten, reinspüren, wie sich was gerade anfühlt. Ich glaube, das ist der große Vorteil an Toys, man kommt wieder ins Ausprobieren.

Die Auswahl an Sextoys ist mittlerweile ja riesig. Wo fängt man denn am besten an?

Als ich zum ersten Mal online nach Sextoys gesucht habe, war ich selbst mega überfordert und hatte keine Ahnung, wonach ich mich richten soll. Ich rate dazu, zu überlegen: Bin ich eine Person, die eher äußere Stimulation angenehm findet oder möchte ich lieber etwas vaginal aufnehmen? Suche ich etwas für mich alleine oder möchte ich das Toy zu zweit genießen? Auch für queere Paare gibt es inzwischen ein tolles Angebot.

Für den Einstieg sind Fingervibratoren recht beliebt, die sind nicht besonders groß und daher sehr praktikabel. Ich habe auch einige Kund*innen, die noch nie einen Orgasmus hatten - denen empfehle ich gerne, mal den Womanizer mit seiner ganz neuen Form der Stimulation auszuprobieren. Nicht umsonst hat der ja auch eine Orgasmusgarantie. Was gerade auch voll im Trend ist, sind Yoni Eier, wo es ganz viel darum geht, die Wahrnehmung der Vagina zu stärken und den Beckenboden zu trainieren, was auch die Orgasmusfähigkeit steigern kann.

Die Spielzeuge der AMORELIE Toy Brand eignen sich für den Anfang auch super, da sie aus sehr weichem, medizinischem Silikon gefertigt sind, somit rasch die Körpertemperatur annehmen und sich nicht wie ein Fremdgegenstand anfühlen. Wir wissen durch Studien, dass rund 80 Prozent der Menschen mit Vulva nicht durch rein vaginale Penetration zum Höhepunkt kommen – ein Kombi-Toy, bei dem sowohl Vagina als auch Klitoris stimuliert werden ist hier eine gute Lösung. Unser Rabbit Vibrator "Crush" ist eines unserer beliebtesten Toys.

Woran erkennt man ein qualitativ hochwertiges Toy? Und bekommt man das auch schon um einen kleinen Preis?

Ich würde in erster Linie unbedingt darauf achten, dass ein Hygienesiegel vorhanden ist. Dann gibt es noch Unterschiede zwischen batteriebetriebenen und aufladbaren Toys. Batteriebetriebene Toys tun es natürlich auch, allerdings habe ich hier meist nicht die Langlebigkeit wie bei einem aufladbaren Toy. Wenn die Batterie schwächelt, werden die Vibrationen weniger intensiv, etc. Auch sind sie üblicherweise nicht wasserfest, das heißt, das Toy kann nicht in der Badewanne oder unter der Dusche genossen werden. Letztlich kommt es hier aber natürlich auch auf die individuellen Bedürfnisse an, von einem hochwertigeren Toy, das vielleicht ein bisschen mehr kostet, hat man in der Regel aber länger was.

Eigentlich ist das Leben viel zu kurz, um schlechten Sex zu haben. Oder Sex zu haben, mit dem wir nur mittelmäßig zufrieden sind, einfach weil wir uns nicht trauen, zu kommunizieren, was wir möchten.

von Magdalena Heinzl

Wie sage ich meinem*r Partner*in, dass ich beim Sex gerne Toys miteinbeziehen würde?

Das Wichtigste ist, sich von dem Gedanken zu befreien, dass Toys einen Menschen ersetzen können oder ein Zeichen dafür sind, dass der Sex nicht gut ist. Toys dienen in der Regel als Ergänzung, etwa um zu schauen: Wie können wir zusammen zum Höhepunkt kommen? Wie lässt sich die Erektion steigern? Wie kann ich sie*ihn noch besser stimulieren? Toys geben viele Ideen bzw. Möglichkeiten, die gemeinsame Sexualität als Paar neu zu entdecken.

Am besten, man wartet einen ruhigen Moment ab und berichtet einfach mal darüber, dass man sich umgeschaut hat, z.B. bei einer Toyparty war und dort viele spannende Sachen gesehen hat, die man gerne mal ausprobieren würde – und schaut, wie die andere Person reagiert. Oft sind Ängste ja auch total umsonst, weil die andere Person ohnehin sagt, "Cool, klingt spannend! Probieren wir das aus!".

Und was, wenn der*die andere nix daran findet?

Man kann sich ja auch Zeit lassen und wenn die andere Person sagt, sie kann damit gerade überhaupt nichts anfangen, erst mal ein bisschen alleine experimentieren. Oft ist es dann so, zumindest erzählen mir das ganz viele Kund*innen, dass die Partner*innen dann auch interessiert sind, es spannend finden und sagen "Ich habe gemerkt, das gefällt dir total, vielleicht probieren wir das doch mal zusammen aus". Man muss ja nicht von heute auf morgen einen ganzen Kasten an Spielsachen haben, sondern kann sich da herantasten.

Offen die jeweiligen Bedürfnisse kommunizieren - das ist wichtig. Viel zu oft sind wir einfach zu feige, um zu fragen. Eigentlich ist das Leben viel zu kurz, um schlechten Sex zu haben. Oder Sex zu haben, mit dem wir nur mittelmäßig zufrieden sind, einfach weil wir uns nicht trauen, zu kommunizieren, was wir möchten. Das "Schlimmste", was passieren kann ist, dass die Person sagt "Nein, darauf habe ich keine Lust".

Es kann ja auch sein, dass man selber draufkommt, dass es einem nicht taugt. Das ist wie beim Essen. Es wäre ja doof, wenn wir irgendwann aufhören würden, Neues zu probieren, weil wir sagen, "Alles was ich nicht kenne, lehne ich grundsätzlich ab". Dasselbe gilt für Sextoys, oder Sex generell, finde ich.

Du hast eben schon Toypartys angesprochen - wie läuft sowas eigentlich ab?

Jemand nimmt online oder durch Bekannte Kontakt mit uns auf und bucht eine Party. Wir machen einen Termin aus, zu dem ich dann mit einem Koffer voller schöner Sachen hinkomme: von Pflege-Produkten, über Düfte, Massagekerzen, natürlich Gleitgele bis hin zu Toys, kinky Spielzeugen, Handschellen, Paartoys - total gemischt. Dann stelle ich mich vor und spiele mit der Runde erst mal ein paar Icebreaker Spiele, um die Stimmung aufzulockern. Manchmal merkt man richtig, wie die Kund*innen anfangs noch recht angespannt sind, nach den ersten 15 Minuten ist das allerdings meist gar kein Thema mehr, dann sind sie total interessiert. Alle können die Produkte angreifen, auf der Haut probieren, sowohl die Pflegeprodukte als auch die Toys, können Fragen stellen.

Ich erzähle dann, wie man das alles verwenden kann. Es ist immer total super, wenn dann ein reger Austausch entsteht, meist gibt es auch viele Aha-Momente. Das Ganze dauert so im Schnitt 1,5 Stunden und danach können die Leute ganz entspannt bei mir bestellen. Ich bin dann in einem Extraraum, da kann dann jede*r in Ruhe zu mir kommen, alle Fragen, die noch offen sind klären. Die Bestellungen werden direkt und diskret zu den jeweiligen Kund*innen nachhause geschickt.

Toyparty:

Du hast Lust, selber eine Party zu veranstalten? Alle Infos rund um die AMORELIE Toypartys gibt's hier.

Podcast-Tipp:

In ihrem eigenen Podcast sexOlogisch spricht Magdalena regelmäßig über Sexualität, Körperwahrnehmung und Gewaltprävention. Hört doch mal rein!

 

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