Wie finanziere ich einen Schwangerschaftsabbruch?

Selbst, wenn Abtreibungen in Österreich möglich sind: Die Angebote für betroffene Frauen sind knapp. Ein Interview mit Isabel Tanzer vom Verein "Changes for Women".

ungewollte Schwangerschaft

Ein minderjähriges Mädchen, das ihren Eltern nicht von ihrer Schwangerschaft erzählen oder eine alleinerziehende Mutter mit vier Kindern, welche sich gerade so ihre Fixkosten leisten kann. Das sind nur zwei der 72 Frauen, die sich 2021 an Changes for Women gewandt haben.

Der gemeinnützige Verein bietet finanzielle Unterstützungen für ungewollt Schwangere an und steht ihnen zum Thema Schwangerschaftsabbruch beratend zur Seite. Warum die Situation für ungewollt Schwangere auch in Österreich schwierig ist, erklärt Isabel Tanzervom Verein Changes for Women.

WIENERIN: In Texas ist es nach Verschärfung des Abtreibungsgesetzes, wegen eines Schwangerschaftsabbruchs, zur Mordanklage gegen eine Frau gekommen. Wie sieht es bei uns aus: Sind Abtreibungen in Österreich erlaubt?

Isabel Tanzer:
In Österreich sind Abteibungen generell bis zur 14. Schwangerschaftswoche (dritte Monat) straffrei. Dabei gibt es zwei Eingriffe. Ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch ist bis zur neunten Schwangerschaftswoche möglich. Und der operative Abbruch kann bis zur 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden. Danach ist ein Eingriff nur erlaubt, wenn die Schwangerschaft (oder Geburt) lebensgefährlich für die Frau ist oder das Embryo mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit eine starke Behinderung haben wird.

Für Asylwerberinnen wird diese Option nicht angeboten.

von Isabel Tanzer, Changes for Women

Und wie viel kostet so ein Eingriff?

Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Österreich eine Privatleistung das bedeutet, dass er nicht von der Krankenkassa übernommen wird. Die Preise liegen zwischen 350 € und 1.000 € – je nachdem in welchem Bundesland man sich befindet und in welcher Klinik man einen Termin bekommt. Einzig in Wien gibt es die einmalige Möglichkeit unter bestimmten Voraussetzungen über die MA40 einen Schwangerschaftsabbruch finanzieren zu lassen.

Welche Voraussetzungen sind das?

Eine Frau darf die Einkommensgrenze von € 1.400 nicht überschreiten. Und sie muss seit mindestens drei Monaten in Wien gemeldet sein. Außerdem muss eine wirtschaftliche oder materielle Notlage vorhanden sein, um eine Unterstützung zum Schwangerschaftsabbruch von der MA40 zu erhalten. Für Asylwerberinnen wird diese Option nicht angeboten. Der Zugang ist eingeschränkt.

Durch unsere Arbeit schließen wir eine Lücke im Sozial- und Gesundheitssystem und der medizinischen Versorgung für Frauen.

von Isabel Tanzer, Changes for Women

Welche Rolle spielt hier euer Verein „Changes for Women“?
Eigentlich sind wir für alle Frauen, die sich in Österreich aufhalten unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus oder ihrer ökonomischen Situation die einzige Anlaufstelle, an die sich ungewollt Schwangere wenden können. Durch unsere Arbeit schließen wir eine Lücke im Sozial- und Gesundheitssystem und der medizinischen Versorgung für Frauen.

Wir sind ein gemeinnütziger Verein und bieten drei verschiedene Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung an. Wir übernehmen entweder einen Teil der Kosten oder bieten ein zinsfreies Darlehen an. In besonderen Notlagen übernehmen wir die kompletten Kosten für den Schwangerschaftsabbruch.

Wie hat die Situation für Betroffene in der Coronakrise ausgesehen?

Die Versorgungslage in Österreich ist so schlecht, dass sich die Situation für ungewollt Schwangere während der Pandemie nochmal verschärft hat. Gerade im ersten Lockdown hat sich niemand aus dem Haus getraut. Und wenn man dann für einen Schwangerschaftsabbruch, der sowieso gesellschaftlich stigmatisiert ist, in ein anderes Bundesland fahren muss, war es eine unzumutbare Situation.

Immer wieder kommen junge Mädchen, die ihren Eltern nicht von der Schwangerschaft erzählen können.

von Isabel Tanzer, Changes for Women

Welche Frauen melden sich bei euch?

Es kommen immer wieder Frauen zu uns, die vergewaltigt wurden und mit einer ungewollten Schwangerschaft zu kämpfen haben. Wir haben wohnungslose Frauen. Frauen, die medizinische Vorgeschichten haben. Immer wieder kommen junge Mädchen, die ihren Eltern nicht von der Schwangerschaft erzählen können. Also schwierige Situationen, in denen sich der Staat völlig aus der Verantwortung zieht.

Wie kann man "Changes for Women" unterstützen?

Man kann uns durch ehrenamtliche Mitarbeit und Spenden unterstützen, da wir zu 100 Prozent aus Spenden finanziert sind. Die Menschen, die an uns spenden, sind Privatpersonen. Wir bekommen keinerlei Förderungen.

Verein Changes for Women

IBAN: AT79 2011 1840 7164 6100

BIC: GIBAATWWXXX

Instagram: @changes_for_women

 

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