Wie entschuldigen wir uns eigentlich richtig?

Es kracht, die Fetzen fliegen. Wenn man später den Streit Revue passieren lässt, merkt man: Ich hatte unrecht. Paarpsychologe Daniel Hitschmann gibt Tipps, wie eine Entschuldigung richtig ankommt.

Wie entschuldigen wir uns richtig?

Verzeih mir endlich!

Ich habe meinen Teil gesagt, jetzt erwarte ich, dass alles wieder gut ist. Was, wenn es das nicht ist? Was kann ich noch tun? Etwas, das im Umgang mit Entschuldigungen oft vergessen wird: Sie heißen nicht, dass der*die andere das Verhalten auch entschuldigen muss. Paarpsychologe Daniel Hitschmann empfiehlt, sich einmal ehrlich und aufrichtig zu entschuldigen, zu fragen, wie man es wiedergutmachen kann, und das Thema dann ruhen zu lassen.

Sich immer wieder zu entschuldigen, ändert nichts daran, ob das Verhalten für den*die Partner*in verzeihbar ist. Hier ist jede Person individuell, ebenso wie deren Toleranzgrenzen. Je nachdem, welche Erfahrungen das Gegenüber in der Vergangenheit gemacht hat, können Kleinigkeiten ein großer Vertrauensbruch sein. Auf der anderen Seite kann der*die Partner*in das Verhalten auch bereits entschuldigt haben, ohne dass überhaupt eine Entschuldigung ausgesprochen wurde. Diese hat oft weniger Einfluss, als man annimmt. Ist das Verhalten vergeben, ist es wichtig, auch sich selbst zu verzeihen. Fehler sind menschlich - selbst länger daran festzuhalten vergiftet nur die Umgebung, obwohl alles wieder gut sein könnte.

Ich bleibe bei meiner Meinung

Ich merke nach dem Streit, dass ich immer noch zu meiner Meinung stehe, aber trotzdem etwas an mir nagt? Vielleicht ist es die Art und Weise, wie ich diese transportiert habe. Eine Entschuldigung muss nicht immer bedeuten, dass ich meinen Standpunkt geändert habe und zurücknehmen möchte, was ich gesagt habe - sie kann auch heißen, dass ich bereue, wie ich es gesagt habe. Bin ich lauter geworden? War ich unfair oder habe im Streit bewusst Schwächen des Gegenübers angegriffen? Auch dafür kann und sollte ich mich entschuldigen. Dabei kann es um meinen Tonfall gehen oder darum, dass ich das Problem im falschen Moment ausgerollt habe.

Für eine ernst gemeinte Entschuldigung suche ich mir am besten einen guten Zeitpunkt, der für beide passt, nicht zwischen Tür und Angel. Ich schildere die Situation, für die ich mich entschuldigen möchte, und verwende kein Aber. Erklärungen und Ausflüchte würden meine Entschuldigung schmälern. Wenn danach Stille herrscht, sollte ich die Entschuldigung kurz mal so stehen lassen und die Ruhe nicht mit Rechtfertigungen auffüllen.

Wir klären das im Schlafzimmer

Gerade waren noch emotional Tausende Kilometer und viele böse Worte zwischen uns, im nächsten Moment sind wir uns körperlich und emotional so nah wie seit Langem nicht mehr: Sex ist in vielen Beziehungen ein beliebtes Mittel, um schlechte Luft nach einem Streit zu reinigen. Paarpsychologe Daniel Hitschmann bewertet das nicht negativ: "Sex nach einem Streit ist hilfreich. Er hilft bei der Entspannung, ist ein Liebesbeweis und bringt den Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht. Wichtig ist dabei, dass es ehrlich gemeint ist und nach der Klärung und nicht statt der Klärung passiert."

Hat man nach einem Streit nur Sex, damit alles wieder gut ist, obwohl man sich eigentlich nicht danach fühlt, ist dieser sogar kontraproduktiv. Er kann die Lücke zwischen zwei Menschen vergrößern und einen zusätzlichen Streitpunkt für die Zukunft schaffen. Außerdem kommt es auf das Streitthema und die Streitqualität an, wie gut die körperliche Nähe danach tut. Wurden sehr verletzende Sachen gesagt, ist es unrealistisch, dass Sex die Luft reinigt. Menschen, die sich mit Entschuldigungen schwertun, verwenden körperliche Zuneigung auch, um ohne Worte auf den*die andere*n zuzugehen und zu zeigen, dass man das Gesagte vergessen will. Besonders Narzisst*innen sind oft unfähig, sich zu entschuldigen, und werden statt einer Entschuldigung eher diesen Weg wählen.

Dreh die Zeit zurück

Es gibt nicht viel Schlimmeres, als zu spät zu merken, dass man unrecht hatte - man hat keine Chance mehr, etwas zu ändern oder sich zu entschuldigen. "Wenn ihr noch mal von vorne anfangen könntet, was würdet ihr in einer vergangenen Beziehung anders machen? Wofür würdet ihr euch entschuldigen?" Das wurden Singles auf Elitepartner gefragt. Vor allem Männer würden gerne für die eine oder andere Entschuldigung die Zeit zurückdrehen: Knapp ein Drittel bereut, zu wenig auf die Wünsche der Partner*innen eingegangen zu sein und sich dafür nicht entschuldigt zu haben.

Weiters tun ihnen ihre Launen leid - und dass sie zu selten "Ich liebe dich" gesagt haben. Frauen würden gerne um Verzeihung bitten, dass sie während der Beziehung oft genörgelt haben. Zusätzlich bereuen sie ihre Launen, und dass sie die Beziehung aufgegeben haben. Was lernt man daraus? Über den eigenen Schatten zu springen ist besser, als verlorenen Chancen nachzutrauern.

 

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