Wie ein gebrochenes Herz fast zum Herzinfarkt führen kann

Das Broken Heart Syndrom ist immer mehr Medizinern ein Begriff. Denn ein gebrochenes Herz ist nicht nur in Liebesliedern ein großes Thema - es hat reale Auswirkungen auf unsere Gesundheit.

Valentinstag, Tag der Liebenden. Verlassen zu werden und alleine zu sein, tut da besonders weh. Mit dem Broken-Heart-Syndrom als Krankheitsbild befassen sich Kardiologen seit Anfang der 1990er Jahre. Die sogenannte Stress-Kardiomyopathie kann bei schweren Verlusten, Trennungen und psychischer Belastung auftreten, berichtet Kardiologie-Chefarzt Jürgen Pache.

Große psychische Belastung kann zum "Broken Heart Syndrom" führen. An der Krankheit leiden vor allem Frauen (91 Prozent) ab 50. Hier sind die wichtigsten Fakten rund um das Thema:

Wie äußert sich das "Broken Heart Syndrom"?

Ein Stechen in der Brust, das Gefühl von Hilflosigkeit, Atemnot und Bewusstlosigkeit können Anzeichen für das Broken Heart Syndrom sein, das vor 25 Jahren erstmals benannt wurde. Die Symptome ähneln dem eines Herzinfarkts: Schmerzen im Brustbereich
(thorakale Schmerzen), Atemnot (Dyspnoe) und ein zu niederer Blutdruck (Hypotonie). Allerdings ist das Syndrom nicht auf den Verschluss eines Herzkranzgefäßes zurückzuführen. Das vegetative Nervensystem wird besonders stark aktiviert. Das bewirkt eine massive Ausschüttung von Stresshormonen in das Blut. Diese wiederum überreizen die Herzwand, vor allem in der Nähe der Herzspitze. Ein Einstrom von Kalzium in die Zellen führt dann wahrscheinlich zur Verkrampfung des Herzmuskels.

Was sind die Gründe für ein "gebrochenes Herz"?

Oft führen ein Verlust und daraufhin auftretende psychische Belastungen zur Erkrankung. Etwa eine unerwartete und unerwünschte Trennung oder der Tod von einem nahestehenden, geliebten Menschen oder eine andere extreme psychische Belastung. "Unsere Patientinnen berichten von sehr starkem Liebeskummer, haben schwere Verkehrsunfälle hinter sich oder werden mit dem Tod nahestehender Familienmitglieder nicht fertig. Die plötzliche Konfrontation mit extremen seelischen Stresssituationen bricht ihnen im wahrsten Sinne
des Wortes das Herz," berichtet Univ.Prof. Dr. Jeanette Strametz-Juranek, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie an der Medizinischen Universität Wien in einer Aussendung. Auch chirurgische Eingriffe oder schwere körperliche Erkrankungen können der Auslöser sein.

Wer erkrankt daran?

Vor allem Frauen (91 Prozent) ab 50 erkranken an diesem Syndrom. In den meisten Fällen betrifft das Broken Heart
Syndrom Frauen nach der Menopazse zwischen 50 und 70 Jahren. Vorher schützen Östrogene vor einem zu hohen Herz-Stresslevel. Aber auch junge Frauen sind immer häufiger von schweren Kreislauferkrankungen betroffen, wie eine aktuelle Studie der European Society of Cardiology (ESC) zeigt. Auch ein Eisenmangel kann Herzprobleme verschärfen. Daten aus Deutschland zeigen, dass bei 56 Prozent der Herzinsuffizienz-Patienten ein Eisenmangel nachgewiesen wurde.

Wie lässt es sich behandeln?

Die medizinische Akutversorgung ist nur ein Schritt. Weiters ist eine symptomatische Behandlung mit Alpha- und Betablockern, Katecholaminen und Diuretika möglich. Außerdem ist eine Psychotherapie sehr wichtig, um sich von einem Verlust zu lösen. Die vollständige Genesung ist bereits innerhalb weniger Wochen möglich.

Bei Trennungsfolgen wie anhaltendem Konzentrationsmangel, Depressionen oder gar Suizidgedanken sollte ein Therapeut oder Psychiater zurate gezogen werden.

 

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