Wie du als Mama mit dem Schreien aufhören und mit deiner Wut umgehen kannst

Überforderung, Stress, Sorgen: In anstrengenden Situationen wird bei Mamas und Papas schnell mal die Stimme laut - und im nächsten Moment kommen die Schuldgefühle. Wie man aus der Schreifalle herauskommt? Wir haben ein paar Tipps gesammelt.

Selbstdisziplin ist wohl die erste und härteste Regel im Elternsein, meint Rebecca Eanes, Autorin des Bestsellers "Positive Parenting". In der Zeit, in der sie am meisten als Mutter gehadert hätte, hätte sich immer herausgestellt, dass es ihr eigenes Verhalten war, das ihre Kinder schlicht widerspiegelten: Wenn ihr Geduldsfaden dünn war oder ihre Worte besonders unfreundlich, färbte das umgehend auf das Verhalten ihrer Söhne ab.

Eanes ist sich dabei sicher: Die eigenen Gefühle und Verhaltensweisen zu kontrollieren ist herausfordernde, harte Arbeit. Warum wir diese Arbeit als Eltern aber unbedingt machen sollten? Weil viele von uns in der eigenen Kindheit nicht gelernt haben, unsere Emotionen handzuhaben. Um diesen Kreislauf an erlernten Mustern zu durchbrechen, müssen wir an uns selbst arbeiten, damit unsere Kinder später ihre Emotionen genauso ausgewogen leben wie kontrollieren können.

Rebecca Eanes gibt auf der Plattform motherly deshalb Tipps, wie man im Akutfall und langfristig arbeiten kann, um endlich mit der Schreierei Schluss zu machen.

5 Tipps, um im Moment mit deiner Wut umzugehen

1. Mach etwas Körperliches, zum Beispiel zehn Liegestütze oder Hampelmänner. Spritz dir kaltes Wasser ins Gesicht oder geh kurz an die frische Luft.

2. Wenn du jetzt gerne schreien würdest, mach ein lautes, dummes Geräusch oder sprich mit anderer Stimme - und mach dir keine Sorgen darüber, dass deine Kinder dich zum Lachen finden. Das ist in jedem Fall besser, als sie zu erschrecken.

3. Such dir ein positives Mantra aus, dass du in Stresssituationen wiederholst. "Ich kann jetzt ruhig bleiben" oder "Ich schaffe das". Das wird dich beruhigen.

4. Atme tief ein und zähl bis vier, halte den Atem an und zähl bis sieben, atme aus und zähle bis acht. Wiederhole das vier Mal.

5. Stell dir vor, du würdest gefilmt werden. Ja, ernsthaft! Wenn du wüsstest, dass du in diesem Moment im Fernsehen gezeigt werden würdest, würdest du bestimmt anders reagieren.

Verantwortung für seine eigenen Gefühle zu übernehmen, ist wichtig. Wenn Kinder hören "Du machst mich so wütend!" heißt das: Mama oder Papa haben keine Kontrolle über ihre eigenen Gefühle, das Kind hat sie. Ein zweischneidiges Schwert. Denn erstens lassen solche Sätze die Kinder sich verantwortlich fühlen, dass Mama oder Papa sie gerade anschreit. Zweitens bringt es ihnen das Spiel vom Schuldzuweisen bei - klingt "die/der war blöd, deswegen habe ich ..." vielleicht bekannt?

Eine bessere Alternative: Statt "Du machst mich so wütend" ein ehrliches "Ich bin gerade wütend, ich muss mich beruhigen" sagen. Gib keinem anderen die Schuld für deine Gefühle, das sind ganz allein deine. Deine Kinder sind nicht verantwortlich dafür, was deine Emotionen triggert. Es kann hilfreich sein, aufzuschreiben, welche Situationen Wut und Ärger hervorrufen.

Der 5-Schritte-Plan, um als Mama und Papa weniger zu schreien

1. Hol dir Unterstützung!

Jeder und jedem, der für ein oder mehrere kleine Menschlein verantwortlich ist, ist wohl schon einmal ein lautes Wort oder sogar ein deftiges Gebrüll ausgekommen. Was hilft: Darüber reden und sich austauschen. Das Gefühl, nicht allein damit fertig werden zu müssen, ist ein großer Schritt, sich mit Hilfe anderer zu reflektieren, ein weiterer. Dabei können Facebook-Gruppen genauso hilfreich sein wie organisierte Gruppen in einer Hebammenpraxis oder die private Mama-Papa-Runde unter FreundInnen. Sie alle können außerdem dabei unterstützen, den eigenen Plan, weniger zu schreien, auch umzusetzen.

2. Erkläre dein Zuhause zu einer Schrei-freien Zone.

Häng ein Schild auf! Das bedeutet für Eltern genauso wie für Kinder, dass ab sofort nicht mehr miteinander geschrien wird. Belohnt einander dafür, wenn ihr es geschafft habt, nicht miteinander zu schreien. Ein Belohnungssystem ist nicht für jeden, wenn es für eure Familie passt, nützt es!

3. Im Akutfall: Geh ins Bad und schrei (stumm) den Spiegel an!

Das hat zwei Effekte: 1. Du lässt es raus, wenn auch ohne Ton. Zweitens siehst du dann, was sonst deine Kinder sehen. Das Bild eines wütenden Gesichts wird dir wahrscheinlich das nächste Mal, wenn du dabei bist, dein Kind anzuschreien, wieder ins Gedächtnis kommen.

4. Sei proaktiv.

Wenn du weißt, dass die Morgenroutine dich verrückt macht, versuche sie zu ändern, soweit du das aktiv kannst. Vielleicht hilft es, zehn Minuten früher aufzustehen, das Gewand für den Tag schon am Vorabend auszusuchen.

5. Lass die Schuldgefühle hinter dir.

Es ist einfach, darin stecken zu bleiben, aber wenn du einmal realisiert hast, dass du anders reagieren solltest und das auch schaffst, kannst du die Schuldgefühle hinter dir lassen. Sie haben ihren Zweck erfüllt und dich zum Nachdenken gebracht. Perfektion ist kein erreichbares Ziel. Zu versuchen, es besser zu machen, ist aber eines. Sei stolz auf jeden deiner Schritte in diese Richtung.

 

Aktuell