Wie die Medien unsere Meinung über Flüchtlinge beeinflussen

Die Wiener Zeitung hat mit dem Soziologen Reinhard Kreissl darüber gesprochen, welche Kriminalmeldungen es in die Medien schaffen.

Die gesellschaftlichen Wogen gehen in den letzten Wochen immer wieder hoch, und es sind klare Ressentiments gegen den Islam, Flüchtlinge und allgemein Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich spürbar. Diese Tendenz liest sich auch aus den aktuellen Wahlergebnissen heraus. Oft wird Menschen mit ausländischer Herkunft erhöhte Gewaltbereitschaft und Gewalt gegen Frauen vorgeworfen, und wir haben schon ausführlich darüber berichtet, wie Frauenrechte rassistischen Argumenten vorgeschoben werden. Tatsächlich sind die Statistiken für häusliche Gewalt alarmierend und dabei hat die die Herkunft des (meistens männlichen) Täters überhaupt keine Relevanz. Die meisten Übergriffe finden immer noch im Ehebett statt. Deswegen ist für uns Feminismus immer auch anti-rassistisch.

Kaum Berichterstattung über Gewalt in Familie

Umso interessanter ist, was die Wiener Zeitung über die selektive Berichterstattung von Straftaten berichtet hat. Der Soziologe Reinhard Kressl sprach im Interview darüber, warum über Gewalt in der Familie oder Kindesmissbrauch kaum berichtet wird. Die Polizei sei hier ein Gate-Keeper: "Einerseits sind Gewalt in der Familie und Kindes-Missbrauch Tabu-Themen, zum anderen sind sie sehr häufig und unspektakulär. Die Polizei steht ihnen relativ hilflos gegenüber. Sie kann eine Wegweisung aussprechen oder das Jugendamt zu der Familie schicken. Viel mehr kann sie nicht tun."

Boulevard macht leise Politik

Laut dem Soziologen würde es aber einen Unterschied machen, wenn Medien häufiger über diese Themen berichten würden, und nicht so fokussiert auf Vorfälle mit Tätern ausländischer Herkunft wären. "Wenn die 'Kronen Zeitung' ein halbes Jahr lang also nicht mit afghanischen Drogendealern, sondern mit prügelnden Ehemännern voll wäre-, dann hätten wir plötzlich eine ganz andere Diskussion in diesem Land. [...] Ganz unterschwellig wird für eine bestimmte Politik Werbung gemacht."

Mehr Anzeigen durch Berichterstattung

Hinzu kommt, dass der Fokus der Berichterstattung auch die Aufmerksamkeit der Bevölkerung in einem bestimmten Bereich stärkt. Die Medien haben also Auswirkung auf die Gesellschaft, und die bringt wiederum genau diese Themen verstärkt zur Polizei und in weiterer Folge in die Medien. Dies wurde nach den Vorfällen in Köln besonders deutlich: "Als Fragen nach sexuellen Übergriffen auf der Tagesordnung gestanden sind, sind auch die Anzeigen nach oben gegangen."

Das ganze Interview lesen Sie hier.

 

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