Wie die magische Marie half, die Armen von Oberwart zu beglücken

Zwischen Überfluss und Bedürftigkeit: Martina Parkers Ausmisterlebnis war ziemlich erleuchtend. Und sollte uns alle inspirieren, unseren Wohlstand zu überdenken.

Erst hatte ich ja Vorbehalte gegen Marie Kondo (Autorin von The Life-Changing Magic of Tidying). Diese Kontrollzwänglerin, die Menschen wie mir erklärt, dass man nur in Wohnungen glücklich wird, die so weiß und leer sind wie ein Apple Store ohne Ware.

Aber weil in meinem Kleiderschrank das Zen unter zu viel Zeugs begraben war, ließ ich es auf einen Versuch ankommen.

Marie Kondo predigt, dass jedes Kleidungsstück eine Seele hat. Socken leiden, wenn man sie zu Knäuel verformt, in Kleiderstapeln underdrücken die oben Liegenden die unteren.

„Versprühst Du noch Glück, ja oder nein?“, fragte ich meine Badetücher und Bettlaken. Wahrscheinlich waren 50 Prozent meiner Badetücher und Bettwäschen aber zu lange - von der Last der oben Liegenden bedrückt - in der Schublade gelegen, denn sie lösten keine Glücksgefühle mehr bei mir aus und mussten weg. Nur wohin damit?

Eine Freundin empfahl die Oberwarter Carla, die in einem Hinterhof der Oberwarter Hauptstraße liegt. Ich fuhr durch den Durchgang durch und landete in einer anderen Welt.

In Wien kennt man die Carla als riesigen Second Hand Traum, wo Instamums stundenlang nach Wedgewoodporzellan stöbern um sich Etageres für ihre Cupcakes zu basteln.

Hier erwartete mich ein winziger Laden, in denen ein paar Dutzend abgetragene Kleidungsstücke ganz achtsam und liebevoll wie in einer Boutique dekoriert waren.

Ein Haufen Menschen mit gelben Zetteln in den Händen drängten sich um das Verkaufspult und eine Frau, die alle Chefin nannten, versuchten dem Ansturm Herr zu werden.

„Nein Frau K, ich ab es ihnen doch schon erklärt, das geht heute leider nicht!,“ sagte die Chefin geduldig. Eine Frau vor mir roch nach Rauch und billigen Energydrinks und obwohl ich die Letzte in der Schlange war, drehten sich plötzlich alle nach mir um.

„Ich bring nur was, Handtücher und so, aber ich hab keine Ahnung, wie das hier funktioniert“, stammelte ich.

„Handtücher, bitte Chefin Handtücher“, fing eine der Frauen in der Schlange an zu rufen und lief zu mir. „Die Frau da braucht immer Handtücher, weil ihr Mann ein Pflegefall ist“, sagte mir die Chefin. Und ich fühlte mich plötzlich unglaublich beschämt.

Ich schämte mich, weil diese Frau verrückt nach meinem Handtüchern war, die ich einfach nur loswerden wollte, weil sie mir überflüssig waren.

Ich schämte mich, weil ich in einer Welt lebe, die von Überfluss und Überdruss belastet ist und keine Ahnung von der Parallelwelt dieser Frau hat, die arm ist und keine esoterisch belasteten Handtücher hat, sondern ein real belastetes Leben.

„Ich wusste nicht, dass es euch gibt, sagte ich zur Chefin.

„Ach das wissen noch nicht viele. Wir sind erst seit April an diesem Stadort, bitte machen sie Werbung für uns", sagte sie lächelnd.

Dann drückte sie der Frau mit dem pflegebedürftigen Mann ein paar meiner Handtücher in die Hand und ich schwöre, dass diese in diesem Moment begannen, vor Glück zu funkeln.

Marie Kondo wäre begeistert gewesen.

Ich habe den Damen der Oberwarter Caritas versprochen, auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Wenn Ihr das auch tun woll, teilt diesen Artikel bitte auf Facebook.

CARLA Oberwart Wienerstraße 4 (Einfahrt neben dem Hartlauer), 7400 Oberwart

Öffnungszeiten:
Di 9.00-12.00
Mi 9.00-15.00
Do 9.00-12.00

Schaut auch einfach mal bei einer Carla in Eurer Nähe vorbei und fragt, was sie brauchen.

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