Wie die Generation Z arbeiten will - und was wir von ihnen lernen können

Schaukelnd am Laptop sitzen oder auf Bali Emails beantworten? Über die zukünftige Arbeitsweise der Generation Z gibt es viele Vorstellungen. Dabei zeigt sich: Viele dieser Annahmen liegen ganz schön daneben. Und: Wir können sogar von den Einstellungen der Z-ler profitieren!

Generation Z

Der heranwachsende Generation Z wird vieles angedichtet und nicht immer sind die Eigenschaften rühmlich. Sie hätten zu wenig Tatendrang, sie seien zu viel am Smartphone und depressiv sollen sie auch noch sein. Dabei hat gerade diese Generation eine sehr genaue Vorstellung davon, wie sie in Zukunft arbeiten will - und von der können wir ganz schön viel lernen. Im Rahmen der 4Gamechangers-Konferenz, die vergangene Woche in Wien stattfand, befassten sich diverse ExpertInnen mit Zukunftsthemen und stellten unter anderem die Frage, was die Generation von morgen ausmacht.

Als Generation Z werden jene Menschen bezeichnet, die zwischen 1995 und 2012 zur Welt gekommen sind. Z folgt auf die Generation der Millennials, auch Generation Y genannt. Eine Einteilung in Generationen ist ein relativ neues Phänomen, das im 20. Jahrhundert mit den "Babyboomern" (geboren circa 1950 bis 1965) ihren Anfang fand, mittlerweile wird die Einteilung in Generationen als Hilfsmittel zur Komplexitätsreduktion angewandt. Im Bereich der Wirtschaft wird die Generationenaufteilung auch gerne dazu verwendet, um Trends am Arbeitsmarkt frühzeitig prognostizieren zu können. Weiterführende Informationen z.B. auf die-generation-z.de.

Wie tickt die Generation Z?

1. Work-Life-Balance interessiert sie nicht

In der Arbeit noch eine Runde mit den ArbeitskollegInnen abhängen und zusammen Sport machen - das mag vielleicht der Traum der Millennials sein, sicherlich aber nicht jener der Generation Z, weiß Christian Scholz, Professor am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre der Universität Saarland und Experte für Fragen rund um die Generation Z. Dieses "Work-Life-Blending", wie Scholz es bezeichnet, also der fließende Übergang von Berufsalltag in Freizeit, ist kein Konzept, das bei den Z-lern gut ankommt. Im Gegenteil: Ihnen geht es nicht darum, den idealen Ausgleich zu ihrer Arbeit zu finden, vielmehr wollen sie Beruf und Freizeit strikt voneinander trennen, Stichwort: "Work-Life Separation". Im Urlaub Mails checken und abends noch schnell ein paar Unterlagen für die Arbeit lesen? Davon hält diese Generation herzlich wenig.

2. 12 Stunden pro Tag arbeiten? Sicher nicht!

Von der Arbeit soll man sich nicht erholen müssen, findet Z. Mit dem von früheren Generationen idealisierten neoliberalen Traum des fleißigen "Arbeitstiers" können die Z-ler daher wenig anfangen. Neuerungen wie der 12-Stunden-Tag passen deswegen ebenfalls nicht in ihr Weltbild, vielmehr sprechen sie Arbeitszeitmodelle wie die 30 Stundenwoche an, die es ihnen ermöglichen, abseits der Arbeit ihre Träume zu verwirklichen (und damit gleichzeitig produktiver im Beruf zu sein).

3. Smartphone ja - aber auch nicht immer

Der Generation Z wird ja gerne nachgesagt, dass sie ständig nur am Smartphone klebt. Was auch stimmt, schließlich sind sie im Gegensatz zu ihren VorgängerInnen mit digitalen Produkten großgeworden und wissen sie auch zu verwenden. Das ständige Online-Sein hat natürlich auch seinen Preis, Jugendliche sind aufgrund des Drucks aus den sozialen Medien depressiver denn je, wie aktuelle Studien zeigen.

Aber gerade weil sie den Umstieg von der analogen in die digitale Welt nicht mehr erlebt haben, wissen sie haptische Produkte - wie zum Beispiel Bücher - wieder mehr zu schätzen. Start Ups wie jenes von Martin Blank, der mit "Story One" Storytellern unkompliziert ermöglicht, ihre eigenen Bücher zu publizieren, kommen daher bei der jungen Zielgruppe besondern gut an.

Scholz beschreibt die Generation Z daher als lernfähig was ihren Umgang mit Digitalisierung betrifft. Sie haben genug schlechte Erfahrungen mit dem ständigen Ausgesetztsein in der digitalen Welt gemacht und ziehen daraus ihre Erfahrungen. Ob es in Zukunft ausschließlich iPad Klassen geben wird, hält Scholz für fraglich. Solche Klassen seien der "schlimmste Albtraum" junger Menschen, da diese in ihrer Freizeit sowieso schon mit zwei bis drei Bildschirmen konfrontiert seien, glaubt der Professor.

Die Generation Z wird sich in eine völlig andere Richtung entwickeln als sich das Unternehmen oder die Politik vielleicht wünschen würden

von Christian Scholz

4. Die Arbeitswelt von heute ist (noch) nicht ready für "Z"

Viele stellen heute immer noch die Frage, ob die Jugend von heute für die Arbeitswelt von morgen überhaupt bereit ist. Scholz hält dieses Denken für einen großen Fehler und rät Unternehmen jetzt umzudenken: Die Wirtschaft sollte von dem Anspruchsdenken an die "Jungen" lieber wegkommen - denn die "Jungen" haben schon eine sehr klare Vorstellung davon, wie ihr Arbeitsleben auszusehen hat. Während hippe Unternehmen wie Google mit "Activity Based Work Spaces" und fliegenden Arbeitsinseln experimentieren und glauben, das Monopol als "cooler Arbeitgeber" gepachtet zu haben, denken die Z-ler in eine ganz andere Richtung. Sie wünschen sich klare Verhältnisse im Büro - und das fängt bei einem fixen Platz zum Arbeiten an.

5. Z möchte Ziele vor Augen haben, aber keine Illusionen

Das Thema Struktur und Klarheit zieht sich auch in den Managementbereich. Z-ler wünschen sich klare Vorgaben von ihren Vorgesetzten, von amikalen Führungsstilen wie sie zur Zeit in diversen Führungskräfte-Coachings vermittelt werden, halten sie wenig. ManagerInnen sollen eine leitende Funktion einnehmen und eine klare Vision vorgeben, mit der man sich als MitarbeiterIn identifizieren kann. Was hingegen gar nicht geht, sind große Versprechen und Illusionen, die unerreichbar scheinen. Aufgewachsen in einer Welt, in der Werbung omnipräsent ist - egal ob auf Social Media durch InfluencerInnen, im Internet beim Einkaufen oder in der echten Welt - haben sie gelernt, den Marketingsprech der Werbeindustrie zu hinterfragen und haben keine Lust auf leere Worte. Sind die Visionen aber realistisch, sind Z-ler nicht nur motivierter, sondern auch bereit an der Entwicklung eines Projekts proaktiv mitzuwirken. Wenn Unternehmen das verstanden haben, werden sie ihre zukünftigen MitarbeiterInnen viel eher halten können als durch Fußballtische oder Hängematten im Büro.

6. Generation Z: Bloß nicht unterschätzen!

"Die Generation Z wird sich in eine völlig andere Richtung entwickeln als sich das Unternehmen oder die Politik vielleicht wünschen würden", konstatiert Scholz. Nicht nur die Wirtschaft wird sich also im Bezug auf Arbeitsverhältnisse umstellen müssen, auch die Politik muss noch dazulernen. Protestbewegungen wie die "Fridays for Future"-Demonstrationen sind dafür ein gutes Beispiel und zeigen, welchen Impact junge Leute dank der Vernetzung in den sozialen Medien haben. Langsam müssen sich also auch die PoltikerInnen auf die Generation Z einstellen, wenn sie diese als zukünftige Wählerschaft halten wollen. Gerade jetzt sollte man nicht den Fehler machen, Z nicht zu vertrauen - sondern stattdessen mit ihnen in den Dialog treten.

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