Wie die EU auf die Jungen vergisst

Es sind erschreckende Zahlen: laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung sind 26 Millionen Kinder und Jugendliche in der EU von Armut und Ausgrenzung bedroht.

Die Kluft zwischen Jung und Alt wird immer größer: das beweist jetzt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Der „Social Justice Index“ untersucht jedes Jahr alle 28 EU-Mitgliedstaaten daraufhin, wie viel Chancen auf Teilhabe die Menschen in den jeweiligen Ländern haben. Österreich belegt den sechsten Platz, hinter der Tschechischen Republik und vor Deutschland. Den ersten Platz macht Schweden. Den letzten Platz belegt Griechenland.

Das erschreckende Ergebnis der diesjährigen Untersuchung: Kinder und Jugendliche sind die größten Verlierer der europäischen Wirtschafts- und Schuldenkrise. Rund 26 Millionen Kinder und Jugendliche sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. 5,4 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 24 Jahren befinden sich weder in Ausbildung noch haben sie einen Job. Schweden ist mit 7,7 Prozent das Land mit der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit.

Hohe Jugendarbeitslosigkeit

In Spanien, Griechenland, Italien und Portugal ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind, seit 2007 von 6,4 auf 7,6 Millionen gestiegen. Die negativste Entwicklung verzeichnen demnach Länder im Süden.

Während es jedoch den Jungen immer schlechter geht, hat sich der Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten über 65-Jährigen verringert – von 24,4 Prozent im Jahr 2007 auf 17,8 Prozent. Warum? Die Bezüge der Älteren sind nicht oder nicht so stark geschrumpft wie bei der jüngeren Bevölkerung.

Die Gründe für diese Entwicklungen sind vielfältig: die Staaten verschulden sich immer mehr, in Bildung und Forschung wird immer weniger investiert und die alternde Gesellschaft ist eine Herausforderung für den Sozialstaat. Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, warnt: "Wir können uns eine verlorene Generation in Europa weder sozial noch ökonomisch leisten. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen besondere Anstrengungen unternehmen, um die Chancen junger Menschen nachhaltig zu verbessern." Österreich verfügt laut Studie – trotz gewisser Defizite (insbesondere im Bereich Bildung) – über ein hohes Maß an sozialer Inklusion.

Mit dem EU-Gerechtigkeitsindex untersucht die Bertelsmann Stiftung jährlich anhand von 35 Kriterien die Teilhabechancen in den 28 EU-Mitgliedstaaten. Hierbei werden sechs verschiedene Dimensionen sozialer Gerechtigkeit betrachtet: Armut, Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Generationengerechtigkeit sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt und Nicht-Diskriminierung.

 

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