Wie deppert muss einer sein, der in Oberwart ein Geschäft aufmacht!

Zwischen Kebab Buden, 1-Euro-Shops und den Sportwetten ist da plötzlich eine grasgrüne Fassade - eine Bio-Putzerei! Wie eine augenscheinlich aussichtslose Neueröffnung das Leben einer Kleinstadt verändert.

Seit es das Shopping Center am Stadtrand gibt, gleicht das Herz von Oberwart oft einer Geisterstadt. Viele Geschäfte stehen leer. Wenn es hier eine Neueröffnung gibt, dann ist es mit ziemlicher Sicherheit eine Kebab-Bude, ein 1-Euro-Shop oder ein Café für Sportwetten.

Und dann tat sich mitten in diesem Drama plötzlich eine neue Fassade auf. In optimistischem Grasgrün. „Da will einer eine Bio-Putzerei eröffnen“, sagten die Leute:

„Also wie deppert muss einer sein, der heutzutage auf der Hauptstraße ein Geschäft aufmacht!

Und dann noch dazu eine Putzerei, wo es eh schon drei andere gibt und sogar schon der BIPA ein Reinigungsservice hat.“

Der Zufall wollte es, dass ich an diesem Tag Salatdressing auf ein Seidenkleid patzte, das ich zu einem Parfüm Award ausführen wollte. Und weil ich immer schon eine Schwäche für „grünen Optimismus“ hatte, betrat ich zum allerersten Mal das Geschäft von Mr. Clean.

Mr. Clean sah aus wie ein urbaner Bobowerber und hatte so eine entspannte, authentische Freundlichkeit, die man auch in unzähligen Verkaufstrainings nicht erlernen kann.

Als ich das Kleid drei Tage später wieder abholte, beeindruckte mich die Tatsache, dass Mr. Clean bereits meinen Namen kannte und mir viel Spaß beim Parfüm Award wünschte. Er hatte sich beide Details bemerkt. Ich war beeindruckt.

Natürlich war Mr. Clean längst Stadtgespräch. Einige wussten, dass er in der Chefetage eines Konzerns gewesen sein sollte. „Und was macht er dann hier?“.

„Es war immer schon sein größter Traum, eine Putzerei in Oberwart zu haben! Verrückt, oder?“

Weil ich auch eine Schwäche für Verrückte hatte, brachte ich wieder ein paar Sachen zum Putzen. Wieder überraschte mich die besondere Aufmerksamkeit einer anderen Kundin gegenüber. "Wir haben auch eine Bügelfalte gemacht. Ihr Mann hat letztens gesagt, er mag Bügelfalten!"

„Warum haben Sie in der Hauptstraße eröffnet?“, fragte ich ihn: „Hier ist doch nichts mehr los?“

„Ich hab mir gedacht, die älteren Leute, die kein Auto haben, sollen unseren Service auch nutzen können!“, sagte er besonnen

Und im selben Augenblick kam ein älterer Mann rein, der sage und schreibe 24 Hemden zum Bügeln brachte, weil seine Frau im Spital sei. Müßig zu sagen, dass Mr. Clean bereits wusste wie der Mann und seine Frau hießen, welche Krankheit sie hatte und wie der Heilungsprozess voran ging.

Ich überlegte mir, dass es viel praktischer wäre, auch die Hemden meines Mannes bei Mr. Clean bügeln zu lassen, selbst wenn ich mich bester Gesundheit erfreue. Und als ich deswegen wieder kam, musste ich bereits Schlange stehen.

Halb Oberwart war hier, ließ Jacken imprägnieren, Daunendecken waschen, Dirndl putzen und bekamen als Zugabe persönliche Ansprache, echte Anteilnahme und freundliche Worte.

Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: „All diese Menschen kamen nicht nur für das exzellente, umweltschonende Reinigungsservice, sondern weil hier auch Psychohygiene betrieben wird, oder aber ganz einfach die Laune aufpoliert wird!

„Warum ausgerechnet Oberwart?“ fragte ich.

„Meine Eltern hatten hier früher mal eine Putzerei. Nicht nachhaltig, sondern ganz konventionell mit Perchlor. Sie sind beide an Krebs gestorben! Seitdem wusste ich, irgendwann komm ich heim und mache es besser!“.

„Was man mit Leidenschaft tut, macht man immer gut!“, dachte ich.

Und dann kann eigentlich auch nichts mehr schief gehen. Nicht einmal im Zentrum von Oberwart.

 

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