Wie definieren Sie Liebe?

Liebe? Definiert jeder anders. Und doch haben wir ein Hollywoodbild davon im Kopf: als schicksalshafte Macht, die uns ereilt – oder nicht. Und dass man ihn finden muss, den Traumpartner. „Liebe geht anders“, behauptet die Psychologin Barbara L. Fredrickson.

Barbara L. Fredrickson daher, Professorin für Positive Psychologie an der University of North Carolina, hat Studien über die Liebe, das größte und schönste aller Gefühle, betrieben und fand heraus: „Mit dem herkömmlichen Bild von Liebe machen wir es uns unnötig schwer." Mehr noch: Wir verhindern damit sogar unser Glück, ja Gesundheit. „Deshalb gilt es, Liebe neu zu erfahren.

Denn in ihren Forschungen fand die Expertin heraus, dass unser Körper Liebe nur in einer Weise definiert: „Liebe ist für ihn ein Moment der Wärme und Verbundenheit, den wir mit einem anderen Menschen teilen." Sie nennt das „Mikromomente der Verbundenheit." Und die Liebe, wie unser Körper sio biochemisch und neurologisch definiert, Liebe 2.0.

Was ist Liebe 2.0?

Was Fredrickson daraus für Schlussfolgerungen für das menschliche Miteinander zieht, ist revolutionär. Denn das hieße, Liebe neu zu definieren - und loszulösen von dem Wust, aus dem das Gefühl bislang bestand: ein Wust aus Wissen, Meinungen und Ahnungen, aus kulturellen Botschaften und unseren ganz persönlichen L(i)ebenserfahrungen. Bislang wissen also alle alles darüber, aber keiner kennt sich aus. Mit Liebe 2.0 kann das anders werden. Und was heißt das ganz konkret?

  • Liebe ist mit jedem möglich. Dafür müssen Sie sich von der Vorstellung verabschieden, dass Liebe mit sexuellem Verlangen zu tun hat. Liebe 2.0 meint lediglich Mikromomente der Verbundenheit - und damit gibt Ihnen das nette Gespräch mit dem Schaffner im Zug genauso ein Gefühl von Liebe wie das Candlelight-Dinner mit Schatzi. Der Unterschied besteht lediglich in der Häufigkeit und Intensität der Momente.
  • Liebe ist erneuerbar. Und sie muss auch immer wieder erneuert werden: Denn das enge Band, das uns mit dem Partner oder mit der Familie und vielleicht auch engen Freunden verbindet, ist laut Fredrickson nicht Liebe, sondern das Produkt der Liebe. Und das braucht Hege und Pflege.
  • Liebe ist flüchtig. Wie jedes Gefühl. Und wenn wir ernst nehmen, dass unser Körper Liebe als Moment der Verbundenheit mit einem anderen Menschen definiert, ist die Liebe dann weg, wenn wir nicht mehr mit dem anderen Menschen kommunizieren.
  • Liebe ist Übungssache. Wenn wir uns auf Liebe 2.0 einlassen, werden uns all die kleinen Momente im Leben bewusster, die Mikromomente der Verbundenheit sind - und uns gut tun. Eine Möglichkeit, das zu üben, ist die Liebende-Güte-Meditation.
  • Liebe ist gesund: Menschen, die lernen, die Mikromomente der Liebe selbst zu initiieren, beeinflussen ihre DNA - zum Positiven. Wer Liebe 2.0 erlebt, befeuert eine „biologische Aufwärtsspirale", wir verändern unsere Körperzellen positiv. Positive, soziale Verbindungen können das Risiko für chronische und Infektionskrankheiten reduzieren. Expertin Fredrickson sagt: „Jeder Mikromoment der Liebe hat viele Wirkungen: Wir werden auf Dauer mitfühlender, Krisen gegenüber widerstandsfähiger, klüger und gesünder." Man muss sich nur auf diese Liebe, wie unser Körper sie definiert, einlassen, um davon zu profitieren.
 

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