Wider die Gewalt gegen Frauen

Der 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen und bildet den Auftakt für die weltweite Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“. An diesem Tag startet auch die europaweite Konferenz „Eliminating Violence against Women - Intersectoral Approaches and Actions“ in Wien.

"Gewalt gegen Frauen ist eine Verletzung der Menschenrechte", spricht die Wiener Stadträtin Sandra Frauenberger eine klare Sprache, "kein Kavaliersdelikt und auch kein Familiendrama." Dabei finden die meisten Gewaltakte und Übergriffe nicht in den dunklen Straßen, sondern in den Schlafzimmern statt. Jede vierte Frau in Europa ist Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt in der Partnerschaft. Das sind die traurigen Zahlen, die ExpertInnen am ersten Tag der internationalen Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" der Öffentlichkeit bewusst machen wollen.

"Eliminating Violence against Women - Interesectoral Approaches and Actions", so lautet der Titel der europaweiten Konferenz, die am 25. und 26. November in Wien stattfindet. Rund 200 VertreterInnen von mehr als 50 Regierungen sowie UN- und anderen internationalen Organisationen, ExpertInnen, WissenschafterInnen und NGO-RepräsentantInnen treffen bei der Tagung zusammen, die von der Stadt Wien, dem Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) sowie dem WHO Regionalbüro Europa ausgerichtet wird.

Gesundheitssystem besonders gefordert

"Gewalt gegen Frauen ist ein Problem, das das Engagement aller Sektoren der Gesellschaft benötigt", so Isabel Yordi Aguirre von der WHO Europa. Eine besondere Rolle spielen dabei Gesundheitseinrichtungen, weil sie meist als erste mit Opfern von Gewalterfahrung in Berührung kommen. Neben der Diskussion neuer Studien sowie dem dringenden Bedarf an vergleichbaren Daten über das Problem, ist deshalb die Vorstellung neuer WHO-Guidelines ein wichtiger Programmpunkt der Konferenz:Sie enthalten Empfehlungen dazu, wie Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt als solche erkannt und klinisch betreut werden sollten, zur Erstversorgung, zur Fortbildung von Gesundheitspersonal, sowie Ansätze zur grundsätzlichen Gestaltung von Hilfsangeboten oder zur Frage einer Meldepflicht von Fällen häuslicher Gewalt.

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Gegen Gewalt an Frauen
Samstag, 30.11.2013, „Tanz gegen Gewalt“
Ort: Verein FOOTPRINT, Ditscheinergasse 3/1, 1030 Wien
Unter dem Motto „Gutes tun und dabei fit bleiben“ bietet der Verein FOOTPRINT für Betroffene von Frauenhandel diesmal von 14.00 bis 19.00 Uhr einen Einblick in ihre Bewegungskurse - denn gemeinsame Bewegung macht Spaß und fördert den interkulturellen Austausch.

Wann:
ab 13:30: Empfang, Begrüßung
14:00 - 15:00 Uhr: Italienische Tarantella
15:15 - 16:15 Uhr: Selbstverteidigung
16:30 - 17:30 Uhr: Zumba
17:45 - 18:45 Uhr: Yoga
ab 18:45: Gemütlicher Ausklang
Teilnahme kostet für Nicht-Betroffene € 7. Ermäßigungen gibt es bei Teilnahme an mehreren Kursen. Der gesamte Erlös kommt Betroffenen von Frauenhandel und Gewalt zugute. Anmeldungen unter events@footprint.or.at - Anmeldeschluss ist der 29.11.2013

Samstag, 7.12.2013 „Multikulturelles Weihnachtsdinner“
Ort: Verein FOOTPRINT, Ditscheinergasse 3/1, 1030 Wien
Ab 17.00 Uhr erwartet die BesucherInnen eine kulinarische Weltreise von Marokko bis nach Venezuela: Unsere multinationalen KöchInnen aus Nah und Fern überraschen mit ihren Lieblingsgerichten. Ab 19 Uhr startet ein Silvester-Glücksbringer-Workshop. Zwei Stunden lang gibt es die Möglichkeit, in die Kunst des Marzipanschweinchen-Bastelns einzutauchen. Anmeldungen bitte an events@footprint.or.at - Anmeldeschluss ist der 05.12.2013

Dienstag, 10.12.2013, Vorträge: „Dimensionen von Gewalt an Frauen“
Ort: Lateinamerika Institut- Europasaal, Türkenstraße 25, 1090 Wien
Um 19.00 Uhr lädt FOOTPRINT in Kooperation mit dem Lateinamerika-Institut zur Vortragsrunde „Dimensionen von Gewalt an Frauen - von der Opferrolle zur Selbstbestimmung".
Anmeldungen bitte an events@footprint.or.at - Anmeldeschluss ist der 09.12.2013

Musterbeispiel Wien

Dass gerade Wien Schauplatz der Konferenz ist, ist kein Zufall: Neben einem dichten Gewaltschutznetz und den umfassenden Beratungsstellen sowie Krisen- und Schutzeinrichtungen wie den Wiener Frauenhäusern mit 175 Plätzen sowie einem 24-Stunden-Notruf, machen auch die rechtlichen Grundlagen die Stadt zu einem "Musterbeispiel" im Umgang mit Gewalt gegen Frauen. "Dabei sind die Einrichtungen nicht subventionsabhängig, sondern fixer Teil des Budgets", betont Frauenberger - und ihre Kollegin, Stadträtin Sonja Wehsely betont, dass für 2014 keine Einschränkungen, sondern Erweiterungen der Maßnahmen finanziert werden.

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Schritte, die notwendig sind, darf doch die Arbeit in diesem wichtigen Bereich - so Wehsely - keinesfalls nachlassen, schon gar nicht in Zeiten der wirtschaftlichen Krise, der Frauen oft zuerst zum Opfer fallen. "Nach 35 Jahren Frauenhäuser müssen wir uns in Zukunft vor allem auch um die Auswirkungen psychischer Gewalt kümmern", fügt ihre Kollegin Frauenberger hinzu, "diese wird oft weder von den Opfern noch von anderen wahrgenommen. Deshalb geht es im nächsten Schritt um eine Sensibilisierung und auch darum, den Betroffenen eine gute Betreuung und Behandlung zu bieten."

 

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