Werden wir nach Corona anders daten?

Vielleicht ein bisserl langsamer, wieder mehr hin- und herschreiben und einander süße Lieferungen vor die Tür stellen – oder sind diese Hoffnungen bloß romantisierter Bullshit?

Dating nach Corona

Die Covid 19- Krise wirbelt den Alltag vieler durcheinander. Für Eltern bedeutet das Homeschooling, für viele Angestellte Home Office – und für Singles bedeutet die Isolation in vielen Fällen: Eine Durststrecke, die durch ganz viele Video-Dates und Sexting ein bisserl erträglicher wird.

Mittlerweile wird die Zeit der Corona-Isolation schon oft als "neue Normalität" bezeichnet – nur: Bleiben diese Angewohnheiten auch in Post-Corona-Zeiten erhalten? Wird es in Sachen Dating eine neue Norm geben? Werden Video-Dates und das lange Warten auf das erste Date auch später noch "normal" sein?

Hochzeits-Boom dank Corona?

Helen Fisher, Anthropologin am Kinsey Institut, ist optimistisch: "Romantische Liebe wird niemals sterben", sagt sie gegenüber TIME. Unser Gehirn behandle Liebe als zentrales Bedürfnis – und das könne auch eine globale Pandemie nicht ändern. Wir seien soziale Wesen und würden immer Wege zueinander finden. Aktuell tun wir das eben über Videochat-Apps. Auch das Hin- und Herschreiben erlebt aktuell einen Aufschwung: Die Dating-App Bumble hat seit Beginn der Corona-Isolation eine deutliche Steigerung an der Qualität der Chats verbucht. Basierend auf der Länge der Nachrichten und der Dauer der Konversationen in der App, könne man davon ausgehen, dass die Singles tiefgründigere Gespräche führen. Das könnte Einfluss auf die Zeit nach Corona haben: Aus Studien weiß man, dass eine längere Zeit des Kennenlernens, des gegenseitigen Umwerbens und Anbandelns später zu stabileren Ehen führt. Fisher ist zuversichtlich, dass die Quarantäne-Zeit daher in einem Hochzeits-Boom resultieren wird.

Singles wollen auch nach Corona wieder mehr chatten

So mühsam die Durststrecke für Singles aktuell auch ist – viele können dieser Form des Datings dennoch etwas abgewinnen, das sie auch in die Zeit nach Corona mitnehmen möchten: TIME hat Singles zu ihren Vorsätzen befragt und viele wollen auch nach Lockerung der Maßnahmen das längere digitale Vorab-Kennenlernen beibehalten. Das Social Distancing habe vielen Singles gezeigt, dass sie beim Gegenüber genauer hinschauen wollen, bevor sie sich tatsächlich persönlich treffen.

Corona als Möglichkeit, alte Muster zu hinterfragen

Dr. Benjamin Karney, Professor für Sozialpsychologie an der University of California, sieht in der Corona-Krise ebenso eine Phase der Neuorientierung für alle in der Dating-Welt, wie Vanity Fair ihn zitiert. Singles, aber vor allem auch Paare, könnten aktuell gutes Diskutieren lernen und eine neue Streitkultur entwickeln. Da ginge es um Fragen wie: "Wie ernst will der*die Andere die Maßnahmen nehmen? Lässt man sich Lebensmittel liefern oder geht man einkaufen? Wie geht es einem nach zwei Wochen nur Zuhause rumsitzen? Kochst du lieber selbst oder bestellst dir Essen?" Fragen wie diese würden viel über die andere Person verraten, die man laut dem Professor als Diskussionsmöglichkeit sehen sollte. Und überhaupt sei die Isolation eine Chance, unsere Dating-Angewohnheiten generell neu zu verhandeln.

 

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