Wer Witze über K.O.-Tropfen macht, verspottet Betroffene

Die Schauspielerin Joyce Ilg hat auf Instagram einen Witz über Betäubungsmittel gemacht und damit das Internet schockiert.

Joyce machte Witze über K.O.-Tropfen

TW: sexuelle Gewalt und K.O.-Tropfen

Humor ist Geschmackssache. Doch bei Gewalt und Gewaltverherrlichung hört der Spaß auf. Hier sollten wir uns einig sein. Die Schauspielerin und Autorin Joyce Ilg ist anderer Meinung. Deshalb provozierte sie am Wochenende mit ihrem Ostergruß auf Instagram gleich doppelt. Die Komikerin postete ein Selfie, auf dem sie mit niemand anderem zu sehen war als ihrem guten Freund und Comedy-Kollegen Luke Mockridge. Dieser hatte letztes Jahr nach Vorwürfen wegen sexueller Gewalt eine Karrierepause angekündigt.

In dem Instagram Post zeigten sich die Freund*innen im Partnerlook und auf dem Sofa kuschelnd. Joyce nutzte diese Gelegenheit, um einen geschmacklosen Witz über Betäubungsmittel zu teilen: "Hat hier irgendwer von euch Eier gefunden? Ich hab nur ein paar K.O. Tropfen bekommen." Gefolgt von den Hashtags #Partnerlook und #FreedomofHumour...

K.O.-Tropfen sind kein Witz

Für viele Betroffene fühlte sich diese Aussage wie ein Schlag in die Magengrube an. Die Bildunterschrift brachte Momente in Erinnerung, in denen betroffene Frauen um ihr Leben kämpfen mussten. "Ich habe im Frühjahr 2016 K.O.-Tropfen in mein Glas gemischt bekommen. Ich weiß nur noch Bruchteile davon, wie ich zur Wohnungstür gekrochen bin. (…) Auf einmal ist Blut aus meiner Nase getropft", beschreibt die deutsche YouTuberin Silvi Carlsson. Sie fühlte sich gedemütigt und verängstigt. Als ein Experte ihr Jahre später erklärte, wie haarscharf sie daran vorbei geschlittert war, an den Tropfen zu sterben, verstand sie den Ernst der Lage.

Joyce verteidigt Täter

Doch Joyce Ilg hat die Tragweite ihres Kommentars scheinbar nicht begriffen. Die Komikerin bezeichnete die Empörung der Kommentierenden als Missverständnisse und fühlte sich dazu genötigt ihren "Gag" zu erklären. Es hätte "kein Witz auf Kosten von K.O.-Tropfen Opfern sein sollen", sondern eine Anspielung auf Lukes altes Comedy-Programm. Eine Show, in der er öfter K.O.-Tropfen thematisierte. Womit die Komikerin die Situation eigentlich nur verschlimmert.

Denn sie stellt sich erneut auf die Seite von Mockridge. Bereits letztes Jahr teilte sie ein Statement auf Instagram, in dem sie sich mit dem Comedystar solidarisierte. Und sich so gegen Mockridges Ex-Freundin Ines Anioli stellte und damit gegen Betroffene sexualisierter Gewalt. Auch in ihrem aktuellen Post bittet Joyce Betroffene nicht um Entschuldigung, sondern ersucht, neben "Humorgrenzen" auch über "Shitstormgrenzen" zu reden. Wieder schießt die Schauspielerin am Ziel vorbei.

Wenn Frauen Frauen hassen

Mit Witzen über sexualisierte Gewalt, die meist Frauen trifft, werden Betroffene verspottet und beleidigt. Und wenn dieser vermeintliche Humor von Frauen ausgeht, sitzen die psychischen Verletzungen meist tiefer. Denn Frauen, die diese Art von Spaß unterstützen sind genauso betroffen, wie andere. Von einem System, dass sie ausgrenzt und verwundbar macht. Einfach, weil sie Frauen sind.

Frauen, die abends nach dem Feiern die Straßenseite wechseln müssen, wenn ihnen eine als Mann gelesene Person entgegenkommt. Frauen, die Nachts ohne Kopfhörer in den Ohren nachhause gehen müssen, um besser wahrzunehmen, was um sie herum geschieht. Frauen, die nur aufgrund ihres Geschlechts weniger verdienen als Männer. Frauen, die unter der Ausbeutung des Patriarchats leiden. Wenn Frauen Frauen hassen, entscheiden sie sich dazu diese Methoden zu reproduzieren. Wenn Frauen Frauen hassen, machen sie unreflektierte Witze auf Kosten anderer und stützen ein System, das ihnen selbst schadet. Wenn Frauen Frauen hassen, verlieren wir also alle.

 

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