"Wer wir sind": Die fatalen Auswirkungen von Homophobie auf junge Menschen

In seinem Kurzfilm zeigt ein junger Wiener die Auswirkungen von homophobem Mobbing.

Homophobie ist nicht bloß ein Schlagwort - es ist ein reales Problem, das Auswirkungen auf die Leben vieler Menschen hat. Homophobie bezeichnet die Angst, bzw. den Hass gegenüber schwulen, lesbischen, bi-, trans und inter (LGBTI) Personen. Dieser Hass ist leider noch immer weit verbreitet und macht tausenden von Menschen, vor allem Jugendlichen, das Leben schwer.

So wie auch jenes des 26-jährigen Maximilian R. (Name geändert), der vor wenigen Tagen Opfer einer brutalen und homophoben Attacke in Linz wurde. Gegenüber dem Portal www.ggg.at berichtete das Opfer, am Freitag gegen 7.00 Uhr vor einem Altstadt-Lokal von einem jungen Mann zunächst homophob beleidigt worden zu sein: "Er sagte mir, ich dürfe nicht mit ihm reden, sonst bricht er mir das Gesicht."

Wenig später sei er dann von einer Gruppe abgepasst und ohne Vorwarnung "mitten ins Gesicht" geschlagen worden. Der 26-Jährige berichtet von vier bis fünf Tätern. Er musste nach der Tat zwei Mal genäht werden und erlitt eine Platzwunde am Kopf.

Kurzfilm eines jungen Wieners macht auf das Problem aufmerksam


Mit den fatalen Auswirkungen von Homophobie auf junge Menschen setzt sich auch der 19-jährige Wiener Raphael Niederhauser in seinem Kurzfilm "Wer wir sind" (siehe oben), den er im Rahmen seiner Abschlussarbeit im Fach Medientechik produziert und auf Youtube hochgeladen hat (LINK) auseinander. Die Handlung: Jonas wird in der Schule gemobbt. Aber er versucht das zu ignorieren. Aber bald beginnt die Beziehung zu seinem Freund darunter zu leiden. Er muss sich entscheiden zwischen Liebe und Opferrolle.

Zusätzlich zum Film hat Niederhauser auch die Website http://nothingwrong.org/ online gestellt, die sich mit Fakten und Auswirkungen von Homophobie auseinandersetzt. Eine erschreckende Tatsache ist etwa: LGBTI Personen haben ein rund zehn Mal höheres Risiko Selbstmord zu begehen als deren heterosexuelle Mitmenschen.

"Vom Schulabbruch bis hin zu Depressionen und Suizid"


Raphael Niederhauser
sagt gegenüber der WIENERIN.at: "Für viele Menschen ist es schwer sich in die Lage eines schwulen, lesbischen, bi- oder transsexuellen Jugendlichen hinein zu versetzen. Diese fehlende Einsicht kann in meinen Augen dazu führen, dass Homophobie aus heterosexueller Perspektive als unerheblich empfunden wird. In der Realität ist es jedoch so, dass viele Jugendliche stark mit dieser Belastung zu kämpfen haben. Das beginnt beim Schulabbruch oder Depressionen und geht bis hin zum letzten Schritt, dem Suizid. Sowas kann und darf nicht Alltag sein."

Er will damit nicht nur Betroffenen Mut machen, sondern auch Außenstehende dazu motivieren, im Fall der Fälle einzugreifen und den Mund aufzumachen: "In meinen Augen hilft Dagegenhalten. Die homophobe Person direkt mit ihrem Fehlverhalten konfrontieren und zur Rede stellen. So kann ein Dialog entstehen, der hoffentlich zum Nachdenken anregt."

45% aller LGBT Personen in Österreich vermeiden es, in der Öffentlichkeit Händchen zu halten


Offizielle Zahlen und Statistiken zu homophoben Übergriffen gibt es kaum. Eine EU-Studie zeigt jedoch: 45% aller LGBT Personen in Österreich vermeiden es in der Öffentlichkeit Händchen zu halten, aus Angst vor Übergriffen. Und 87 Prozent aller Opfer zeigen Taten nicht an. Josef Hosp, stellvertretender Obmann des Vereins „GayCopsAustria“, kennt die Gründe: „Es bestehen bei den Betroffenen sehr oft Ängste, sie vor den Polizeibediensteten als homosexuell, lesbisch zu outen und es bestehen große Ängste, dass die Polizeibediensteten ihr Anliegen nicht ernst nehmen oder sogar aus den Opfern Täter machen.“

Fälle wie jener des jungen Linzers, der kürzlich Opfer einer brutalen und homophoben Attacke wurde, zeigen nur erneut: Homophobie ist ein ernstes Problem und Homosexuelle sind in Österreich noch immer nicht gleichgestellt. Zudem existiert ein Straftatbestand für Hassverbrechen nicht.

Auch Raphael Niederhauser ist überzeugt, dass Homophobie in Österreich ein weit verbreitetes Phänomen ist, über das zu wenig gesprochen wird. "Vorfälle wie in Linz sind zwar Extremfälle, jedoch beginnt Homophobie bereits viel subtiler. Sei das durch komische Blicke oder blöde Aussagen in der Öffentlichkeit - das verunsichert."

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