Wer ist Cary Fukunaga?

Er kuschelt mit Michelle Williams, mailt Gus Van Saint und gewinnt Preise im Vorübergehen. Cary Fukunaga ist in Hollywood kein unbeschriebenes Blatt mehr. Vor allem seit er den 600-Seiten Wälzer Jane Eyre neu verfilmt hat. Sexsymbole interessieren den studierten Historiker nicht die Bohne, erfahren wir im Talk!

Typschich.at: Interessant, dass sich einer 33-Jähriger an diesen Stoff heranwagt. Sind Sie nicht ein bisschen zu jung für einen Stoff wie Jane Eyre, DEN "Blockbuster des 19. Jahrhunderts"?

Cary Fukunaga: Beim Geschichtsstudium an der Uni habe ich mich viel mit der Epoche beschäftigt, in der diese Geschichte spielt. Natürlich wollte ich auch historische Filme drehen. An Charlotte Brontës Roman fasziniert mich vieles: Die Dunkelheit, die Geheimnisse und diese klassische Liebesgeschichte. Mir war nur nicht klar, dass so viele Verfilmungen von Jane Eyre gibt. Ich mag die Version mit Orson Welles aus dem Jahr 1944.

Typischich.at: Warum haben Sie die in Europa relativ unbekannte Mia Wasikowska mit der Hauptrolle besetzt?

Cary Fukunaga: Ich wollte eine junge Darstellerin. Das entspricht der Romanvorlage. Ich wollte jemanden, der die rebellische Geisthaltung und die Stärke von Jane Eyre verkörpert. In der HBO-Serie In Treatment - Der Therapeut fand ich Mia einfach umwerfend. Ausschlaggebend war aber der E-mail von Gus Van Saint, der mit Mia gerade Restless drehte. "Besetz sie!" riet er mir kurz und bündig. Ihr Blick hat mich fasziniert. In Mias Augen spiegelt sich Naivität und eine vielsagende Reife.

Typischich.at: Sie wollten Jane Eyre also nicht mit einem Glamour-Girl wie Emma Stone besetzen ...?



Cary Fukunaga: Das ist das Schlimme beim Besetzen der Hauptrollen. Manche Studios glauben, dass einen Film nur finanzieren können, wenn bestimmte Stars mitspielen. Das Kinopublikum ist viel klüger. Wenn ein Film gut ist, geht man ihn sich anschauen. Ganz egal, wer mitspielt oder ob die Schauspieler bekannt sind. Wir hatten Glück. Wir hatten das Geld für das Projekt schon, BEVOR Michael Fassbender oder Mia Wasikowska zugesagt hatten.

Typischich.at: Michael Fassbender wird als neues Sexsymbol gehandelt. Wie passt so ein "Hengst" an die Seite eines "zarten Rehs" wie Mia Wasikowska? Im Film verliebt sich ein erfahrener Mann in einen unscheinbaren Teenager. Finden Sie das glaubwürdig?

Cary Fukunaga: Ein intellektuelles Gespräch kann manchmal anregender sein als eine sexy Aufmachung. Besonders wenn man die Spielregeln und Umgangsformen unter Liebenden im 19. Jahrhundert bedenkt. Rochester ist nicht auf der Suche nach erotischer Abwechslung. Er möchte mit Jane ganz von vorne beginnen.

Typischich.at: War es nicht "gefährlich" Fassbender als Rochester zu casten?

Cary Fukunaga: Ganz und gar nicht. Ich sehe ihn nicht als Sexsymbol. Außerdem caste ich niemanden auf Grund seines Äußeren. Mich hat Fassbenders Leistung in Hunger fasziniert.



typischich.at: Warum führt ein Mann bei einem klassischen Emanzipations-Drama wie Jane Eyre Regie und keine Frau?

Cary Fukunaga: Warum nicht? Es mag zwar unterschiedliche Zugänge geben, aber prinzipiell verlangt keine Story bei ihrer Umsetzung nach einem speziell männlichen oder speziell weiblichen Regie.

“Mir gefällt es einen Klassiker so zu adaptieren, dass die Leute glauben, etwas völlige Neues zu sehen.“
 

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