Wer hat Schuld am Upskirting? (Spoiler: Nicht die Frau, der unter den Rock fotografiert wird)

In Deutschland ist Upskirting, also das heimliche Fotografieren unter den Rock, bald unter Strafe verboten. Das scheint die Gemüter der Nichtbetroffenen zu erhitzen, wie ein Leserbrief in der Kronen Zeitung beweist.

Wer ist schuld am Upskirting?

Männer fotografieren fremden Frauen unter den Rock oder in den Ausschnitt. Das ist genauso ekelhaft und falsch wie es klingt, für Frauen aber gelebte Realität. "Upskirting" degradiert Frauen zu Objekten, verletzt ihr sexuelles Selbstbestimmungsrecht und ihre Persönlichkeitsrechte - und gilt vielerorts dennoch als Kavaliersdelikt.

Wo Upskriting verboten ist

Auch wenn sich dagegen langsam was tut. In Finnland, Schottland, Neuseeland, Indien und Großbritannien steht Upskirting unter Strafe. Anfang Juni ist auch Deutschland nachgezogen. Der Bundestag hat ein Gesetz beschlossen, das eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren für Upskirting vorsieht. Das Gesetz wird voraussichtlich ab Herbst in Kraft treten, dann ist das Fotografieren unter den Rock oder in den Ausschnitt eine Straftat. Solche Grenzüberschreitungen seien nicht hinnehmbar, sagte die Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD). "Einer Frau unter den Rock oder in den Ausschnitt zu fotografieren, ist eine schamlose Verletzung ihrer Intimsphäre", so die Politikerin weiter.

Auch in Österreich ist ein Verbot angedacht, konkrete Pläne existieren noch nicht. Bislang kann Upskirting hierzulande nur geahndet werden, wenn das Opfer minderjährig ist - dann nämlich können die Aufnahmen als "pornografische Darstellung Minderjähriger" gewertet und mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden.

Die Röcke sind nicht zu kurz, sondern die Männer zu übergriffig

In einem Leserbrief in der Kronen Zeitung vom 14. Juli amüsiert sich ein Mann über das in Deutschland beschlossene Verbot, wie es Nichtbetroffene eben gerne tun. Da wird die bloße Existenz des Upskirtings angezweifelt ("Ein wahrer Künstler, der das Foto schafft, ohne dass es das Opfer merkt!") und an 'die gute alte Zeit' erinnert ("Die Röcke mussten zumindest noch die Knie bedecken!"), wo Frauen noch züchtig angezogen waren und Männer gar nichts gefunden hätten, das eine Belästigung gerechtfertigt hätte.

Man kennt all diese Muster und sie alle sind problematisch. Frauen und als Frauen gelesene Personen sind nicht zur alleinigen Befriedigung des Mannes da und Männer keine willenlosen Tiere, die von einem entblößten Knie oder dem Ansatz einer Brust ihrer Beherrschung und Verantwortung beraubt werden. Täter sind Täter und Opfer sind Opfer - letztere können niemals Schuld haben an dem, was ihnen angetan wird. Und offenbar muss das immer noch stetig wiederholt werden, bis es auch die zu Unrecht Erzürnten verstanden haben: Es sind nie die Röcke, die zu kurz sind, sondern immer die Belästiger, die zu übergriffig sind.

 

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