Wer ein rückständiges Frauenbild hat, ist eher rassistisch

Eine neue Studie bestätigt nun, was sich viele schon lange denken: wer ein konservatives Frauenbild hat, springt auch eher auf rassistische Stereotype an. Bestes Beispiel: eine aktuelle RFJ-Kampagne.

Rechtspopulistische Kampagnen haben vor allem dort Erfolg, wo sie an ein traditionelles Frauenbild anknüpfen können, besagt jetzt eine neue Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB).

Wer Männer für das starke und Frauen für das zu beschützende Geschlecht hält, ist demnach besonders empfänglich für rechte Propaganda über angeblich sexuell bedrohliche "Fremde". Bei Betrachtern mit progressiveren Einstellungen zum Verhältnis von Mann und Frau hingegen können entsprechende Plakate zu entgegengesetzten und differenzierten Reaktionen führen: sie nehmen Migranten in Schutz.

"Ivan S., der Vergewaltiger"


Das ForscherInnenteam konfrontierte in einem Online-Umfrageexperiment 181 (D) bzw. 142 (CH) Probanden mit fiktiven Darstellungen krimineller Migranten. Die Vorlage für die Umfrage bildeten Bilder einer Kampagne der Schweizerische Volkspartei (SVP) aus dem Jahr 2010. Dort wurde auch ein fiktiver "Ivan S." als Vergewaltiger dargestellt.

Das Ergebnis: Ob eine rechtspopulistische Kampagne Erfolg hat oder nicht, liegt auch am Frauenbild des Zielpublikums. Sind Menschen der Meinung, dass Frauen von Männern geschützt werden müssen, führen solche Plakate zu deutlich negativeren Einstellungen gegenüber Migranten, als wenn ihnen keine kriminellen Migranten präsentiert werden.

"Wohlwollender Sexismus" als Konzept


"Das Frauenbild der Befragten wurde mit dem Konzept des wohlwollenden Sexismus erfasst, das misst, inwiefern jemand der Meinung ist, dass Männer das starke und Frauen das schwache, zu beschützende Geschlecht darstellen. Während der feindselige Sexismus für negative Einstellungen gegenüber Frauen steht, drückt der wohlwollende Sexismus positive, aber nicht weniger stereotypisierende Einstellungen gegenüber Frauen aus. In beiden Fällen werden patriarchale Sozialstrukturen gerechtfertigt", schreiben die StudienautorInnen.

Das Fazit der AutorInnen: "Vor allem im Kontext muslimischer Migration wird immer wieder kritisiert, dass Muslime ein Frauenbild haben, das demjenigen westlicher Gesellschaften widerspricht. Unsere Umfragen zeigen, dass die Darstellung von Migranten als sexuelle Gefahr tatsächlich einen Effekt auf die Haltung verschiedener Bevölkerungsgruppen hat." Das passiere vor allem dann, wenn diese Darstellungen ständig wiederholt werden.

RFJ-Steiermark startet neue Kampagne


Der Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) dürfte über solche Studienergebnisse wenig erfreut sein. Die Jugendorganisation der FPÖ startete heute eine landesweite Kampagne mit dem Titel „Finger weg“.

"Während in Schwimmbädern Benimmregeln in Comic-Form aufgehängt werden, die unseren ‚kulturfremden Gästen‘ verdeutlichen sollen, dass man Frauen nicht unsittlich berühren darf, findet der RFJ klare Worte, auch in arabischer Sprache", ist in der Aussendung zu lesen. Damit prangert der RFJ Übergriffe auf Frauen durch "muslimische Asylwerber" an.

Interessant ist im Hinblick auf die oben genannte Studie, dass die FPÖ bisher mit einem alles andere als fortschrittlichen Frauenbild aufgefallen ist, wie HIER nachzulesen ist. Damit werden aber wiederum nur die Ergebnisse der oben beschriebenen Studie bestätigt.

 

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