Wer bin ich?

Können Sie sich selbst in wenigen Sätzen so beschreiben, dass Ihr Gegenüber ein umfassendes Bild von Ihnen erhält? Vielen von uns fällt das schwer, sind wir doch selbst oft nicht sicher, wer wir nun genau sind.

Zu vielfältig unsere Träume und Erwartungen, zu groß unsere Unentschlossenheit in diesem Überangebot an Möglichkeiten - bis hin zu so scheinbar kleinen Dingen wie dem Kleidungsstil oder unserer Lieblingsfarbe.

Meine Kolleginnen Frauke Jahn und Doris Mann gingen der Frage „Wer bin ich?" nach - und stellten fest, dass die meisten Probleme mit genau dieser Frage beginnen. Warum wir stattdessen lieber fragen sollten „Was macht mich aus?", welche Mosaiksteine uns bei dieser Selbst-Darstellung helfen, warum es in Ordnung ist, wenn sich dieses Bild unseres Selbsts im Lauf unseres Erwachsenenlebens verändert und wieso man auch nicht ewig bei einem Kleidungsstil, einer Lieblingsfarbe bleiben muss, das verraten die Autorinnen in unserem Dossier „Die Ich-Suche".

Können wir uns erst einmal selbst bestimmen, davon bin ich überzeugt, vermögen wir auch besser mit den Zweifeln umzugehen, die uns immer wieder packen, jenen „Hätt ich doch"s und „Wäre doch nur"s, die uns durch unser Leben begleiten. Wobei wir offenbar einen kleinen genetischen Nachteil haben: Dieses „Hättiwari" ist nämlich auch Mentalitätssache, wie Alice Nilsson in ihrem Buch Hättiwari so amüsant beweist. Also keine Sorge, falls Sie zu denen gehören, die gern mal ein bisserl jammern: Sie sind nicht allein!

Wichtig ist, denke ich, zu erkennen, dass wir die stabilen Werte, nach denen wir uns in dieser sich so rasch verändernden Welt sehnen, nicht zwanghaft von uns selbst verlangen sollen. Veränderung gehört heute zwangsläufig zum Konzept. Das zu akzeptieren, kann uns bereits einigen Stress nehmen, den gerade wir Frauen uns in unserem Streben nach dem definitiven Selbst gerne machen.

Es gibt genug Dinge, die sich nicht verändern. Ihr Lieblingsgemälde im Museum. Die alte CD, die verlässlich dieselben Gefühle zaubert wie vor zehn Jahren. Oder ein Lieblingsgericht von früher (siehe Rezeptstrecke „So schmeckt unsere Kindheit"), das es auch jetzt noch schafft, Sie innerlich zu stärken für das, was kommt. Und sei es nur ein grauslicher Herbsttag. Auch das hat seinen Wert.

Alles Liebe im November!

 

Aktuell