Wenn Väter in Karenz gehen, wollen sie plötzlich weniger Kinder haben

Das bisschen Kindererziehung ist doch kein Problem, sagt der Mann? Seit Spanien die Väterkarenz eingeführt hat, hat der Kinderwunsch von Männer deutlich nachgelassen. Das hat eine neue Studie herausgefunden.

Väter wollen weniger Kinder, wenn sie in Karenz gehen

Zwei Wochen bezahlte Väterfrühkarenz gibt es in Spanien seit 2007. Die Neuregelung hätte für Geschlechtergleichheit, ausgeglichene Chancen am Arbeitsmarkt und Arbeitsteilung im Privatleben sorgen - und sich nebenbei auch positiv auf die Geburtenrate auswirken sollen. Denn: "Spanien ist ein Land mit niedriger Geburtenrate", so die Professorin Libertad Gonzaléz. Nun scheint aber genau das Gegenteil der Fall zu sein.

Paare, die die Väterkarenz in Anspruch nahmen, lassen sich länger Zeit mit einem weiteren Kind. Väter wollen außerdem weniger Kinder bekommen, seit sie sich auch selbst um ihren Nachwuchs kümmern. Das haben Gonzaléz und ihre Kollegin Lídia Farré im Zuge einer Studie herausgefunden, die kürzlich im Journal of Public Economics publiziert wurde.

Väter verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern

Das muss nicht unbedingt schlecht sein: Die spanischen Väter verbringen nun mehr Zeit mit den Kindern, wie Studie zeigt. González Theorie dazu klingt nach "Qualität vor Quantität": Väter würden die Investition in ihr bereits vorhandenes Kind nun höher bewerten als die Möglichkeit, mehr Kinder zu haben. Oder aber, ganz trocken analysiert: "Es kann auch sein, dass Papas nun lernen, wie schwer es ist, ein Kind zu betreuen und dass diese Erkenntnis beeinflusst, wieviele Kinder sie insgesamt haben wollen", so die Studienautorin.

Vor der neuen Väterkarenzregelung wünschten sich Männer in Spanien im Schnitt mehr Kinder als ihre Partnerinnen - und verbrachten dennoch weniger Zeit mit ihren Kindern. Die Spanier gingen quasi gar nicht in Karenz und erledigten fast keine Hausarbeit, wie aus einer spanischen Zeitstudie zitiert wird. Nach Einführung der neuen Regelung kümmerten sich Väter, die die Frühkarenz nutzen konnten, pro Tag eine Stunde mehr um ihre Kinder als Väter, die die Karenzregelung nicht in Anspruch nehmen durften.

Frauen profitieren, für Männer ist's egal

Neben der etwas besser verteilten Familienarbeit schaut die Sache für Frauen auch sonst durchaus gut aus: Sie kehrten nach der Geburt schneller wieder in den Job zurück und nahmen weniger unbezahlte Freistellungen in Anspruch. "Auf die Arbeitsmarktsituation von Mütter hat die Väterkarenz einen positiver Effekt," sagt Farré. Männer hingegen haben durch die Frühkarenz beruflich weder Vor- noch Nachteile.

Dass sich Paare mit weiteren Kindern nun aber mehr Zeit lassen, hat die Forscherinnen überrascht. "Ein Grund dafür könnte sein, dass Frauen schlicht früher in ihren Job zurückkehren, wenn ihr Partner in Karenz geht. Sie sind mehr eingebunden, hängen mehr an ihrem Job - und lassen sich eher Zeit mit dem zweiten Kind", analysiert González.

Die Wissenschaftlerinnen warnen aber davor, die Ergebnisse auf die Situation in anderen Ländern umzulegen und befürchten, dass ihre Forschung zu einer Aufhebung der aktuellen Regelung führen könnte: "Weder die Regierung noch die spanische Gesellschaft würden eine Ausweitung der Väterkarenz befürworten, wenn die Geburtenrate darunter leidet", so González. In ihren nächsten Untersuchungen wollen die Forscherinnen herausfinden, wie Väterkarenzen das Verständnis von Geschlechterrollen in Kindern beeinflussen. Und sie hoffen: "Vielleicht können wir in der nächsten Generation schon die Auswirkungen von Geschlechtergleichheit sehen."

 

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