Wenn Mütter andere Mütter kritisieren

Ständig wird an ihnen rumgehackt - sei es wegen der Ernährung, der Kleidung, dem Erziehungsstil. Mütter haben es oft nicht leicht - und trotzdem machen sie auch anderen gerne das Leben schwer.

Eine neue Studie von Yahoo belegt jetzt: Mütter werden oft schon vor der Geburt zum Mittelpunkt der Kritik. Später werde es nur noch schlimmer.

Befragt wurden 1000 amerikanische Mütter zwischen 25 und 40. Studienautorin Lauren Weinberg sagt: "Mütter werden von anderen so oft verurteilt. Auch sie selbst fragen sich oft: Bin ich gut genug als Elternteil?" Neun Prozent der Befragten sagen sogar, dass die Verurteilungen bereits vor der Geburt angefangen haben - und später schlimmer wurden. 32 Prozent der Mütter meinten, dass sie sich für ihre elterlichen Entscheidungen schämen, als die Kinder noch zwischen drei Monate und drei Jahre alt waren.

Ganze 90 Prozent der Mütter fühlen sich von anderen bewertet und verurteilt. 55 Prozent sagten, dass ihnen das in der Öffentlichkeit passierte. "Im öffentlichen Raum, wenn mein Kind sich einmal daneben benimmt, starren die Menschen mich an und kommentieren meine Erziehungsmethoden", ärgerte sich etwa eine Mutter.

Mütter kritisieren gerne andere

Das Erschreckende daran ist jedoch: 91 Prozent der Mütter sagen, dass sie selbst einmal andere Mütter kritisiert haben. Vor allem junge Mütter tendieren dazu, andere zu beurteilen - ältere hingegen würden mehr Verständnis zeigen. Eine von fünf Müttern äußerte ihre Kritik persönlich. Folgende Themen stehen dabei im Mittelpunkt:

- Die Schwangerschaft: 47 Prozent fühlten sich wegen ihrer Ernährung und wegen ihres Gewichts kritisiert.

- Babyernährung: 35 Prozent

- Job: 48 Prozent fühlten sich wegen ihrer Arbeitszeiten kritisiert

- Hausfrau: 22 Prozent gaben an, dass sie wegen ihres Zuhausebleibens kritisiert wurden

45 Prozent der Mütter gaben an, am meisten von ihren FreundInnen bewertet zu werden.

Im Mittelpunkt der Kritik

Auch Erziehungsgewohnheiten werden gerne bemängelt. Etwa die Frage, ob Kinder einen Klaps bekommen sollten oder nicht. Überraschenderweise geben 50 Prozent der Mütter an, dass ein Klaps in Ordnung ist. Über die Hälfte der Befragten gibt an, schon einmal wegen ihrer Erziehungsgewohnheiten unter Beschuss gestanden zu sein.

Aber was können wir dagegen machen? Die Psychotherapeutin Andrea Nair sagt im Interview mit dem Magazin Bustle, dass wir zuerst uns selbst unter die Lupe nehmen müssen, bevor wir andere verurteilen. "Menschen, die andere kritisieren, sind oft selbst unsicher über ihre eigenen Entscheidungen und fühlen sich machtlos. Es ist ein Kontrollmanöver, um sich selbst besser zu fühlen." Statt also andere Mütter zu kritisieren, sollte man sich lieber die Frage stellen, was man selbst tun kann, um als Elternteil selbstbewusster zu werden.

Wenig verwunderlich ist daher das Ergebnis, dass etwa die Hälfte der befragten Mütter sich gestresst fühlen und versuchen, die "perfekte Mutter" zu sein. "Ich fühle mich, als gäbe es mehr Druck auf Mütter. Das meiste, was auf Facebook aufscheint, sind Beweise, wie toll andere Mütter sind", erzählte eine frustrierte Mutter. "Bilder von perfekten Schuljausen, perfekter Handarbeit und kreativen Familienoutfits - die Messlatte wird hoch angesetzt."

 

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